Ergebnisse & Perspektiven des Marxismus

Das Kapital – gekürzte Fassung von Julian Borchardt, 1931

Wir veröffentlichen im folgenden erstmals in digitaler Form die von Julian Borchardt zusammengestellte, gekürzte „gemeinverständliche Ausgabe“ von Karl Marx’ Kapital. Wir beginnen zunächst mit einem Auszug aus Borchardts „Vorrede des Herausgebers zur ersten Auflage“, in der er sein Vorgehen beim Zusammenstellen und Kürzen beschreibt, gefolgt von den ersten fünf Kapiteln:

  1. Ware, Preis und Profit

  2. Profit und Warenumsatz

  3. Gebrauchswert und Tauschwert. Die gesellschaftlich notwendige Arbeit

  4. Kauf und Verkauf der Arbeitskraft

  5. Wie der Mehrwert entsteht.

Die weiteren Kapitel folgen in den nächsten Monaten.

Julian Borchardt (1868–1932) war seit 1900 Redakteur verschiedener SPD-Zeitungen, 1908 bis 1913 als Wanderredner für die Bildungsarbeit der SPD tätig, insbesondere mit Vorträgen über Nationalökonomie und historischen Materialismus. Gemeinsam mit Hippolyte Vanderrydt fertigte er die erste französischsprachige Übersetzung des zweiten Bandes des Kapital an, die 1900 erschien.

Ab 1913 gab er die Zeitschrift Lichtstrahlen heraus und sammelte eine Gruppe linker Sozialdemokraten, die Internationalen Sozialisten Deutschlands (ISD), um sich. Diese lehnten, wie auch der Spartakusbund von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die „Burgfrieden“-Politik der SPD-Führung ab, d.h. die Unterstützung des kapitalistischen Deutschen Reichs im Ersten Weltkrieg. 1914 trat er aus der SPD aus. Bei der Zimmerwalder Antikriegskonferenz 1915 unterstützte er als einziger deutscher Teilnehmer der Konferenz die von Lenin und Sinowjew geführten „Zimmerwalder Linken“. Diese betonten den imperialistischen Charakter des Krieges, verurteilten die „sozialimperialistische“ Politik der II. Internationale, die ihre jeweiligen Bourgeoisien im Krieg unterstützten, und griffen auch die Zentristen um Kautsky an, die mit linken Phrasen für eine Versöhnung mit den offenen Unterstützern des Imperialismus eintraten. Sie beharrten darauf, dass „nur die soziale Revolution den dauernden Frieden wie die Befreiung der Menschheit verwirklichen kann“.1 1916 wurde Borchardt verhaftet und seine Zeitschrift verboten. In der Novemberrevolution bildeten Borchardts ISD mit anderen Linksradikalen die Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD), die sich Ende 1918 mit dem Spartakusbund zur KPD vereinigten. Borchardt wurde allerdings noch 1918 wegen „anarchistischer Tendenzen“ aus den IKD ausgeschlossen.

In der Folge gehörte er keiner Partei an, betätigte sich weiter als Journalist, Publizist und Lehrer an der Marxistischen Arbeiterschule (MASCH) der KPD. Seine Volksausgabe des Kapital veröffentlichte er erstmals 1920. Bis 1931 erschien sie in sieben Auflagen und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Ein Nachdruck der Ausgabe von 1931 erschien 2018 im Westhafen-Verlag (siehe www.westhafen-verlag.de). 1931 erhielt Borchardt von David Rjasanow eine Berufung an das Marx-Engels-Institut in Moskau, um an der ersten Marx-Engels-Gesamtausgabe mitzuarbeiten. Auf Grund einer Erkrankung starb er jedoch vor der Übersiedlung 1932 in Berlin.

Unsere Digitalisierung basiert auf der Original-Ausgabe der E. Laubschen Verlagsbuchhandlung von 1931. Sämtliche Fußnoten und Randverweise von Borchardt wurden in durchlaufend nummerierte Fußnoten umgewandelt. Zusätzliche Fußnoten oder Ergänzungen von Ergebnisse & Perspektiven sind mit „E&P“ gekennzeichnet und ggf. in eckige Klammern gesetzt. Borchardts Verweise auf die vollständige Ausgabe des Kapital beziehen sich auf die „Volksausgabe“, die 1914/1926/1929 (1. bis 3. Band) von Karl Kautsky herausgegeben wurde. Diese Verweise wurden von uns durch solche auf die im Dietz-Verlag Berlin erschienenen Werke von Marx und Engels (MEW) ergänzt.

Als Begleitlektüre empfehlen wir den Artikel „Marxismus in unserer Zeit“ von Leo Trotzki, der 1939 zuerst als Vorwort zu einer von Otto Rühle herausgegebenen Kurzfassung des ersten Bandes des Kapital erschienen ist.2 Weiterführend verweisen wir auf die Arbeit „The ‚law of the falling tendency of the rate of profit‘ – Its place in the Marxian theoretical system and relevance to the U. S. economy“ von Shane Mage (neu veröffentlicht durch Ergebnisse & Perspektiven am 1. Mai 2020).

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Vorwort des Herausgebers (Auszug)

Nun noch wenige Worte über die Art, wie ich die mir gestellte Aufgabe zu lösen gesucht habe. Mein Bestreben mußte es sein, soviel wie nur irgend möglich Marx’ eigene Worte stehen zu lassen und meine Tätigkeit auf das Auslassen und Umstellen zu beschränken. Wie bereits oben bemerkt, liegt die schwere Verständlichkeit des Marxschen Werkes zu einem großen Teil daran, daß man, um einen Teil richtig aufzufassen, eigentlich alle anderen schon kennen müßte. Es dürfte kaum übertrieben sein, daß die ersten Abschnitte den Laien, der sich zum erstenmal daran wagt, anmuten, als seien sie chinesisch geschrieben. Das liegt eben daran, daß er von dem Geist, von der Anschauungsweise des Werks noch keine Ahnung hat. Ihm diese zu vermitteln, dazu gehört die Kenntnis wichtiger Abhandlungen, die erst im dritten Bande stehen. Mir war deshalb von vornherein klar, daß ich die Reihenfolge der Gedanken und ihrer Abhandlungen ganz und gar umkehren mußte. Vieles von dem, was im dritten Bande steht, mußte ganz an den Anfang gesetzt werden. Auch sonst mußte ich vielfach Abhandlungen, die über verschiedene, oft weit voneinander entlegene Kapitel verteilt sind, zusammenbringen, andere umgekehrt voneinander entfernen und dabei natürlich des öfteren Verbindungssätze schreiben, während im großen und ganzen stets der Wortlaut, wie er von Marx selbst herrührt, stehengeblieben ist.

Damit war schon viel gewonnen. Wer sich vielleicht die Mühe nimmt, meine Bearbeitung mit dem Original zu vergleichen, wird mit Erstaunen bemerken, wie viele sonst äußerst schwer zu fassende Gedankengänge durch die bloße Umkehrung der Reihenfolge klar und verständlich geworden sind.

Nicht minder fruchtbar waren die Auslassungen. Es verstand sich von selbst, daß von den endlosen Wiederholungen des zweiten und dritten Bandes jedesmal nur eine Fassung ausgewählt und aufgenommen wurde. Aber darüber hinaus war es ja überhaupt nicht mein Zweck, das ganze Werk in allen seinen Einzelheiten wiederzugeben. Sondern es mußte eine Auswahl getroffen werden derart, daß der Leser den ganzen grundlegenden Gedankengang mit Marx’ eigenen Worten kennenlernt, ohne doch durch zu großen Umfang des Werks abgeschreckt oder übermüdet zu werden. Wer will, kann ja durch Vergleichung jederzeit feststellen, ob etwa Wesentliches fehlt. Um solche Kontrolle zu erleichtern, habe ich bei allen Kapitelanfängen und auch sonst, so oft es tunlich erschien, am Fuß der Seite angegeben, aus welchen Teilen des Originals ich geschöpft habe.

Trotzdem blieben freilich eine nicht geringe Anzahl von Stellen übrig, die schlechterdings nicht in dem von Marx verfaßten Wortlaut belassen werden konnten. Sie wären sonst unverständhch geblieben und mußten also sozusagen ins Deutsche „übersetzt“ werden. Um auch hier eine Kontrolle zu ermöglichen, ob ich mir dabei etwa unzulässige Freiheiten erlaubt und den Sinn des Originals geändert habe, will ich zwei solcher Stellen als Probe hierhersetzen.

Im ersten Band Kap. 13, 13 heißt es im Original:

„In der einfachcn und selbst in der durch Teilung der Arbeit spezifizierten Kooperation erscheint die Verdrängung des vereinzelten Arbeiters durch den vergesellschafteten immer noch mehr oder minder zufällig. Die Maschinerie, mit einigen später zu erwähnenden Ausnahmen, funktioniert nur in der Hand unmittelbar vergesellschafteter oder gemeinsamer Arbeit. Der kooperative Charakter des Arbeitsprozesses wird jetzt also durch die Natur des Arbeitsmittels selbst diktierte technische Notwendigkeit.“

Das habe ich (auf S. 62 dieser Ausgabe) wie folgt umgewandelt:

„In der einfachen, und selbst in der durch Arbeitsteilung verfeinerten Kooperation erscheint die Verdrängung des vereinzelten Arbeiters durch den vergescllschafteten immer noch mehr oder minder zufällig. Die Maschinerie (mit einigen später zu erwähnenden Ausnahmen) erfordert ohne weiteres vergesellschaftete Arbeit (d.h. planmäßig gemeinsame Arbeit vieler). Die Natur des Arbeitsmittels selbst macht jetzt das planmäßige Zusammenwirken zur technischen Notwendigkeit.“

Der zweite Band enthält auf S. 544 die folgende Stelle:

„Fungiert das Geld in den Transaktionen unseres Geldkapitalisten als Zahlungmittel (in der Art, daß die Ware erst in kürzerem oder längerem Termin vom Käufer zu zahlen), so verwandelt sich das zur Kapitalisation bestimmte Mehrprodukt nicht in Geld, sondern in Schuldforderungen, Eigentumstitel auf ein Äquivalent, das der Käufer vielleicht schon im Besitz, vielleicht erst in Aussicht hat.“

Daraus habe ich (auf S. 199) gemacht:

„Sind die Waren, die unser Geldkapitalist verkauft, nicht sofort, sondern erst nach kürzerer oder längerer Frist zahlbar, so wird derjenige Teil des Mehrprodukts, der zum Kapital geschlagen werden soll, nicht zu Geld, sondern zu Schuldforderungen, Eigentumstiteln auf einen Gegenwert, den der Käufer vielleicht schon im Besitz, vielleicht erst in Aussicht hat.“5

Ich schließe, indem ich der Hoffnung Ausdruck gebe, mit dieser Arbeit etwas geleistet zu haben, das nicht nur dem Verständnis von Marx, sondern dem nationalökonomischen Wissen überhaupt und insbesondere der Sache des Sozialismus Nutzen bringt. Besonders würde ich mich freuen, wenn meine gemeinverständliche Ausgabe in recht vielen Lesern den Wunsch erwecken würde, danach auch das Originalwerk selbst zur Hand zu nehmen.

Berlin-Lichterfelde, im August 1919

Julian Borchardt

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Ware, Preis und Profit6

Die politische Ökonomie handelt von der wirtschaftlichen Versorgung der Menschen mit den Gütern, deren sie zu ihrem Lebensunterhalt bedürfen. Diese geschieht in den modernen kapitalistischen Staaten ausschließlich durch Kauf und Verkauf von Waren, in deren Besitz sich die Menschen setzen, indem sie sie für das Geld kaufen, das ihr Einkommen bildet. Es gibt sehr verschiedene Arten von Einkommen, die sich jedoch in drei große Gruppen zusammenfassen lassen: das Kapital wirft jahraus, jahrein dem Kapitalisten Profit ab, der Boden dem Grundeigentümer Grundrente und die Arbeitskraft – unter normalen Verhältnissen und solange sie eine brauchbare Arbeitskraft bleibt – dem Arbeiter Arbeitslohn. Dem Kapitalisten erscheint sein Kapital, dem Grundeigentümer sein Boden und dem Arbeiter seine Arbeitskraft oder vielmehr seine Arbeit selbst so als drei verschiedene Quellen ihrer Einkünfte, des Profits, der Grundrente und des Arbeitslohns. Und die Einkünfte erscheinen als jährlich zu verzehrende Früchte eines nie vergehenden Baumes oder vielmehr dreier Bäume; sie bilden das jährliche Einkommen dreier Klassen: des Kapitalisten, des Grundeigentümers und des Arbeiters. Aus dem Kapital, dem Grundeigentum und der Arbeit als aus drei verschiedenen, unabhängigen Quellen scheinen also die Werte zu entspringen, welche jene Einkünfte bilden.

Für das Maß der Versorgung mit wirtschaftlichen Gütern sind neben der Höhe der Einkünfte der drei Klassen offenbar die Preise der Waren ausschlaggebend, und die Frage, wonach die Höhe der Preise sich richtet, hat denn auch die politische Ökonomie von jeher auf das eingehendste beschäftigt.

Auf den ersten Blick scheint diese Frage keine Schwierigkeit zu bieten. Betrachten wir ein beliebiges Industrieprodukt, so kommt die Höhe des Preises zustande, indem der Fabrikant auf seine Selbstkosten den in seiner Branche üblichen Profit aufschlägt. Der Preis hängt demnach ab von der Höhe der Selbstkosten und von der Höhe des Profits.

Als Selbstkosten rechnet der Fabrikant alles, was er fiir die Herstellung der Ware ausgegeben hat. Das sind in erster Linie die Ausgaben für Rohstoffe und Hilfsstoffe der Fabrikation (z.B. Baumwolle, Kohlen usw.), ferner für Maschinen, Apparate, Baulichkeiten; sodann was er an Grundrente (z.B. Miete) zahlen muß, und endlich der Arbeitslohn. Man kann also sagen, daß die Selbstkosten des Fabrikanten sich aus drei Posten zusammensetzen:

  1. den Produktionsmitteln (d.h. Rohstoffe, Hilfsstoffe, Maschinen, Apparate, Baulichkeiten);

  2. der zu entrichtenden Grundrente (die auch dann berechnet wird, wenn die Fabrik auf eigenem Grund und Boden steht);

  3. dem Arbeitslohn.

Betrachtet man nun jeden dieser drei Posten näher, so zeigen sich ungeahnte Schwierigkeiten. Nehmen wir zuerst den Arbeitslohn. Je höher oder niedriger er ist, desto höher oder niedriger sind die Selbstkosten, desto höher oder niedriger also auch der Preis der fertigen Ware. Aber wonach richtet sich die Höhe des Arbeitslohnes? Wir wollen sagen, nach Angebot und Nachfrage von Arbeitskraft. Die Nachfrage nach Arbeitskraft geht vom Kapital aus, das Arbeiter für seine Betriebe braucht. Starke Nachfrage nach Arbeitskräften ist also gleichbedeutend mit starker Zunahme des Kapitals. Woraus aber besteht das Kapital? Aus Geld und Waren. Oder vielmehr, da das Geld (wie später noch genauer gezeigt werden wird) auch nur eine Ware ist, so besteht das Kapital einfach aus Waren. Je wertvoller diese Waren, desto größer das Kapital, desto größer die Nachfrage nach Arbeitskräften und ihr Einfluß auf die Höhe des Lohns sowie – weiter wirkend – auf den Preis der Fabrikate. Wonach aber richtet sich der Wert (oder Preis) der Waren, die das Kapital bilden? Nach der Höhe der Selbstkosten, die zu ihrer eigenen Fabrikation nötig waren. Und unter diesen Selbstkosten befindet sich Arbeitslohn! Es wird also letzten Endes die Höhe des Arbeitslohns aus der – Höhe des Arbeitslohns erklärt oder der Preis der Waren aus dem – Preis der Waren!

Außerdem nützt uns das Hereinbringen der Konkurrenz (Nachfrage und Angebot von Arbeitskräften) nichts. Die Konkurrenz macht die Arbeitslöhne steigen oder fallen. Aber gesetzt, Nachfrage und Angebot von Arbeitskraft decken sich. Wodurch wird dann der Arbeitslohn bestimmt?

Oder aber, man nimmt an, daß der Arbeitslohn durch den Preis der notwendigen Lebensmittel der Arbeiter bestimmt wird. Die Lebensmittel jedoch sind selbst Waren, in deren Preisbestimmung der Arbeitslohn mitwirkt, und so liegt der Fehler sofort auf der Hand.

Ein zweiter Posten in den Selbstkosten des Fabrikanten waren die Produktionsmittel. Es bedarf keiner längeren Darlegungen, um einzusehen, daß die Baumwolle, die Maschinen, die Kohlen usw. ebenfalls Waren sind, für die genau das gleiche gilt wie für die Waren, welche die Lebensmittel der Arbeiter oder das Kapital der Kapitalisten bilden.

Der Versuch, die Höhe des Preises aus den Selbstkosten zu erklären, ist also kläglich mißlungen. Er läuft ganz einfach darauf hinaus, die Höhe des Preises aus sich selbst zu erklären.

Auf die Selbstkosten schlägt der Fabrikant den üblichen Profit. Hier scheinen alle Schwierigkeiten beseitigt, denn der Prozentsatz (die Rate) des Profits, den er sich berechnen muß, ist dem Fabrikanten bekannt, er ist in der Branche allgemein üblich. Natürlich schließt das nicht aus, daß ein einzelner Fabrikant infolge besonderer Umstände in einzelnen Fällen mehr oder weniger als den üblichen Profit nimmt. Aber im allgemeinen Durchschnitt ist der Profitsatz in allen Unternehmungen derselben Branche der gleiche. Es besteht also in der Branche eine gemeinsame Durchschnittsprofitrate.

Doch nicht nur das. Auch die Profitraten verschiedener Branchen werden durch die Konkurrenz in einen gewissen Einklang miteinander gesetzt. Das kann ja auch nicht anders sein. Denn sobald in einer Branche besonders hohe Profite gemacht werden, strömen die Kapitale aus anderen Branchen, die nicht so günstig gestellt sind, in die bevorzugte Branche hinein. Oder die fortwährend neu entstehenden Kapitale, die nach gewinnbringender Anlage suchen, wenden sich mit Vorliebe solchen besonders rentablen Branchen zu, die Produktion darin müßte alsbald bedeutend wachsen, und um die stark vermehrten Waren an den Mann zu bringen, müßten die Preise und damit die Profite ermäßigt werden. Das Umgekehrte müßte eintreten, wenn in irgendeiner Branche besonders niedrige Profite gemacht werden: die Kapitale würden diese Branche so schnell wie möglich verlassen, es würde darin um so viel weniger produziert, was eine Erhöhung der Preise und der Profite zur Folge haben müßte.

So wirkt die Konkurrenz auf eine allgemeine Ausgleichung der Profitraten in allen Branchen hin, und man kann mit Recht von einer allgemeinen Durchschnittsprofitrate sprechen, die in sämtlichen Zweigen der Produktion zwar nicht genau, aber doch annähernd die gleiche ist. Allerdings springt das nicht so in die Augen wie die Gleichheit der Profitrate innerhalb einer Branche, weil in den verschiedenen Branchen die allgemeinen Unkosten, die Verwendung und Abnutzung von Maschinen usw. sehr verschieden sein können. Um diese Verschiedenheiten auszugleichen, kann es sein, daß der Bruttoprofit – das ist derjenige Prozentsatz, den der Fabrikant auf seine errechneten Selbstkosten tatsächlich aufschlägt – in der einen Branche wesentlich höher oder niedriger ist als in der anderen. Dies verschleiert den wahren Sachverhalt. Aber nach Abzug der verschiedenen Unkostcn bleibt eben doch in den verschiedenen Branchen ein annähernd gleicher Nettoprofit übrig.

Da somit eine allgemeine Durchschnittsprofitrate besteht, so richtet sich die Höhe des Profits, den eine Unternehmung tatsächlich abwirft, nach der Größe ihres Kapitals. Zwar ist es – wie bereits erwähnt – nicht ganz gleichgültig, ob das Unternehmen Kanonen oder baumwollene Strümpfe fabriziert, weil je nach der Sicherheit der Anlage, der Leichtigkeit des Absatzes usw. der Profitsatz schwankt. Aber diese Unterschiede sind nicht allzu erheblich. Nehmen wir nun an, daß die allgemeine Durchschnittsprofitrate 10% betrage, so leuchtet ein, daß ein Kapital von einer Million 10mal so viel Profit erbringen muß als ein Kapital von 100000 M. (Natürlich unter der Voraussetzung sachgemäßer Geschäftsführung, sowie überhaupt ohne Berücksichtigung aller besonderen Glücks- oder Unglücksfälle, die ein einzelnes Unternehmen treffen können.)

Es kommt hinzu, daß nicht nur die Industriebetriebe – d.h. diejenigen Betriebe, die Waren produzieren – Profit machen, sondern auch die Handelsgeschäfte, welche nur den Umsatz der Waren vom Produzenten bis zum Konsumenten vermitteln; ebenso die Bankgeschäfte, die Transportunternehmer, die Eisenbahnen usw. Und bei ihnen allen richtet sich der Profit, wenn nur die Geschäfte ordentlich erledigt werden, nach der Höhe des in ihnen angelegten Kapitals. Was wunder, daß sich im Bewußtsein derer, welche praktisch mit der Erledigung dieser Geschäfte zu tun haben, die Überzeugung festsetzt, der Profit entstehe gewissermaßen von selbst aus dem Kapital; er wachse aus ihm empor, so wie die Früchte aus einem Baum, wenn er richtig gepflegt wird. Soweit aber nicht als Natureigenschaft des Kapitals, wird der Profit als Frucht der Arbeit des Kapitalisten angesehen. Denn in der Tat: wir mußten immer und immer wieder die Voraussetzung sachgemäßer Geschäftsführung machen. Sehr viel kommt auf die persönliche Tüchtigkeit des Geschaftsführers an. Fehlt es daran, so wird der Profit des einzelnen Unternehmens leicht unter die allgemeine Durchschnittsprofitrate herabsinken, während es einem tüchtigen Geschäftsführer gelingen mag, ihn darüber hinauszutreiben.

Profit und Warenumsatz7

Wie kann denn aber „von selbst“ ein Profit aus dem Kapital erwachsen? Zur Produktion einer Ware braucht der Kapitalist eine bestimmte Summe, sagen wir 100 M. Darin sollen seine ganzen Selbstkosten enthalten sein, also Rohstoffe, Zutaten, Arbeitslöhne, Abnutzung von Maschinen, Apparaten, Gebäuden usw. Er verkauft nachher die fertige Ware für 110 M. Annehmen, daß die fertige Ware wirklich 110 M wert sei, hieße annehmen, daß dieser ihr zugewachsene Wert während der Produktion aus nichts entstanden sei. Denn die Werte, die der Kapitalist mit den 100 M bezahlt hat, waren alle schon vor der Produktion dieser Ware vorhanden. Eine solche Schöpfung aus nichts widerstrebt allem gesunden Menschenverstande. Deshalb ist man von jeher und ist man auch heute noch meist der Ansicht, daß während der Produktion der Wert der Ware sich nicht vergrößert, sondern daß auch nach Fertigstellung der Ware der Kapitalist nur denselben Wert in Händen hat wie vorher – in unserem Beispiel also 100 M.

Wo sind aber dann die überschießenden 10 M hergekommen, die er beim Verkauf der Ware kriegt? Durch den bloßen Umstand, daß die Ware aus der Hand des Verkäufers in die des Käufers übergeht, kann ihr Wert ja auch nicht größer werden; denn auch dies wäre eine Schöpfung aus nichts.

Zwei Wege werden gewöhnlich eingeschlagen, um aus dieser Schwierigkeit herauszukommen; die einen sagen: die Ware ist in der Hand des Käufers wirklich mehr wert als in der des Verkäufers, weil sie dem Käufer ein Bedürfnis befriedigt, das der Verkäufer nicht hat; die anderen sagen: die Ware hat in der Tat nicht den Wert, den der Käufer zahlen muß, der Überschuß wird dem Käufer ohne Gegenwert abgenommen.

Betrachten wir beide Wege. Der französische Schriftsteller Condillac schrieb 1776 (in einer Abhandlung über Handel und Regierung): „Es ist falsch, daß man im Warenaustausch gleichen Wert gegen gleichen Wert gibt. Umgekehrt. Jeder der beiden Kontrahenten gibt immer einen kleineren Wert für einen größeren … Tauschte man in der Tat immer gleiche Werte aus, so wäre kein Gewinn zu machen für irgendeinen Kontrahenten. Aber alle beide gewinnen oder sollten doch gewinnen. Warum? Der Wert der Dinge besteht bloß in ihrer Beziehung auf unsere Bedürfnisse. Was für den einen mehr, ist für den andern weniger, und umgekehrt … Wir wollen eine uns nutzlose Sache weggeben, um eine uns notwendige zu erhalten; wir wollen weniger für mehr geben …“

Ein sonderbares Rechenexempel in der Tat! Wenn zwei Leute etwas miteinander austauschen, soll jeder dem andern mehr geben, als er kriegt? Das hieße: wenn ich vom Schneider einen Rock für 20 M kaufe, ist der Rock im Besitze des Schneiders weniger als 20 M wert, in meinem Besitze aber 20 M! Aber auch die Ausflucht, daß der Wert der Dinge bloß in ihrer Beziehung auf unsere Bedürfnisse besteht, hilft nicht weiter. Denn (abgesehen von der Verwechslung zwischen Gebrauchswert und Tauschwert, worauf später zurückzukommen) wenn auch der Rock dem Käufer nützlicher ist als das Geld, so ist doch dem Verkäufer das Geld nützlicher als der Rock.

Wird statt dessen angenommen, daß die Waren allgemein zu einem höheren Preise verkauft werden, als sie wert sind, so ergeben sich noch sonderbarere Konsequenzen. Gesetzt, es sei durch irgendein unerklärliches Privilegium dem Verkäufer gegeben, die Ware über ihrem Werte zu verkaufen, zu 110 M, wenn sie nur 100 M wert ist, also mit einem Preisaufschlag von 10%. Der Verkäufer kassiert also einen Mehrwert von 10 M ein. Aber nachdem er Verkäufer war, wird er Käufer. Ein dritter Warenbesitzer begegnet ihm jetzt als Verkäufer und genießt seinerseits das Privilegium, die Ware 10% zu teuer zu verkaufen. Unser Mann hat als Verkäufer 10 M gewonnen, um als Käufer 10 M zu verlieren. Das Ganze kommt in der Tat darauf hinaus, daß alle Warenbesitzer ihre Waren einander 10% über dem Wert verkaufen, was durchaus dasselbe ist, als ob sie sie zu ihren Werten verkauften. Die Geldnamen, d.h. die Preise der Waren würden anschwellen, aber ihre Wertverhältnisse unverändert bleiben.

Unterstellen wir umgekehrt, es sei das Privilegium des Käufers, die Waren unter ihrem Wert zu kaufen. Hier ist es nicht einmal nötig, zu erinnern, daß der Käufer wieder Verkäufer wird. Er war Verkäufer, bevor er Käufer ward. Er hat bereits 10% als Verkäufer verloren, bevor er 10% als Käufer gewinnt. Alles bleibt wieder beim alten.

Man mag einwenden, daß dieser Ausgleich des Verlustes durch nachfolgenden Gewinn nur für solche Käufer gilt, die später wieder verkaufen, daß es doch aber auch Menschen gibt, die nichts zu verkaufen haben. Die konsequenten Vertreter der Illusion, daß der Mehrwert aus einem nominellen Preisaufschlag entspringt oder aus dem Privilegium des Verkäufers, die Ware zu teuer zu verkaufen, unterstellen daher eine Klasse, die nur kauft, ohne zu verkaufen, also nur konsumiert, ohne zu produzieren. Aber das Geld, womit eine solche Klasse beständig kauft, muß ihr beständig ohne Austausch, umsonst, auf beliebige Rechts- und Gewaltstitel hin von den Warenbesitzern selbst zufließen. Dieser Klasse die Waren über dem Wert verkaufen heißt nur, umsonst weggegebenes Geld sich zum Teil wieder zurückschwindeln. So zahlten im Altertum die kleinasiatischen Städte jährlichen Geldtribut an Rom. Mit diesem Gelde kaufte Rom Waren von ihnen und kaufte sie zu teuer. Die Kleinasiaten prellten die Römer, indem sie den Eroberern einen Teil des Tributs wieder abluchsten auf dem Wege des Handels. Aber dennoch blieben die Kleinasiaten die Geprellten. Ihre Waren wurden ihnen nach wie vor mit ihrem eigenen Gelde gezahlt. Es ist dies keine Methode der Bereicherung oder der Bildung von Mehrwert.

Natürlich soll hiermit keineswegs bestritten werden, daß der einzelne Warenbesitzer sich durch Übervorteilung bei Kauf oder Verkauf bereichern kann. Warenbesitzer A mag so pfiffig sein, seine Kollegen B oder C übers Ohr zu hauen, während sie trotz des besten Willens die Revanche schuldig bleiben. A verkauft Wein zum Wert von 40 M an B und erwirbt im Austausch Getreide zum Wert von 50 M. A hat seine 40 M in 50 M verwandelt, mehr Geld aus weniger Geld gemacht. Aber sehen wir näher zu. Vor dem Austausch hatten wir für 40 M Wein in der Hand von A und für 50 M Getreide in der Hand von B, Gesamtwert 90 M. Nach dem Austausch haben wir denselben Gesamtwert von 90 M. Der umgesetzte Wert hat sich um kein Atom vergrößert, nur seine Verteilung zwischen A und B hat sich verändert. Derselbe Wechsel hätte sich ereignet, wenn A ohne die verhüllende Form des Austausches dem B 10 M direkt gestohlen hätte. Die Summe der umgesetzten Werte kann offenbar durch keinen Wechsel in ihrer Verteilung vermehrt werden, so wenig wie ein Jude die Masse der edlen Metalle in einem Lande dadurch vermehrt, daß er eine Kupfermünze aus dem 18. Jahrhundert für ein Goldstück verkauft. Die Gesamtheit der Kapitalistenklasse eines Landes kann sich nicht selbst übervorteilen.

Man mag sich also drehen und wenden, wie man will, das Fazit bleibt dasselbe. Werden gleiche Werte ausgetauscht, so entsteht kein Mehrwert, und werden ungleiche Werte ausgetauscht, so entsteht auch kein Mehrwert. Die Zirkulation oder der Warenaustausch schafft keinen Wert.

Jedenfalls kann die Wertvergrößerung, die nach dem Verkauf der Ware sichtbar wird, nicht durch den Verkauf entstanden sein. Sie kann nicht aus der Abweichung der Warenpreise von den Warenwerten erklärt werden. Weichen die Preise von den Werten wirklich ab, so muß man sie erst auf die letzteren reduzieren, d.h. von diesem Umstande als einem zufälligen absehen, um nicht durch störende Nebenumstände verwirrt zu werden. Übrigens geschieht diese Reduktion nicht nur in der Wissenschaft. Die beständigen Schwankungen der Marktpreise, ihr Steigen und Sinken, heben sich wechselseitig auf und reduzieren sich selbst zum Durchschnittspreis als ihrer inneren Regel. Diese bildet den Leitstern z.B. des Kaufmanns oder des Industriellen in jeder Unternehmung, die längeren Zeitraum umfaßt. Er weiß also, daß, eine längere Periode im ganzen betrachtet, die Waren wirklich weder unter noch über, sondern zu ihrem Durchschnittspreis verkauft werden. Demgemäß muß die Entstehung des Profits, die Wertvergrößerung erklärt werden unter der Voraussetzung, daß die Waren zu ihren wirklichen Werten verkauft werden. Dann aber muß offenbar der Mehrwert schon in der Produktion entstanden sein. Die Ware muß schon in dem Augenblick, wo sie fertig wird und sich noch in der Hand ihres ersten Verkäufers befindet, so viel wert sein, wie der letzte Käufer, der Konsument, schließlich dafür zahlt. Mit anderen Worten: ihr Wert muß die Selbstkosten des Fabrikanten übersteigen, es muß während der Produktion der Ware neuer Wert entstanden sein.

Dies führt uns auf die Frage, wie denn der Wert der Waren überhaupt entsteht.

Gebrauchswert und Tauschwert. Die gesellschaftlich notwendige Arbeit8

Die Ware ist zunächst ein äußerer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt. Jedes nützliche Ding, wie Eisen, Papier usw. ist unter doppeltem Gesichtspunkt zu betrachten, nach Qualität (Beschaffenheit) und Quantität (Menge). Jedes solche Ding hat viele Eigenschaften und kann daher nach verschiedenen Seiten nützlich sein. Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. Aber diese Nützlichkeit schwebt nicht in der Luft. Durch die Eigenschaften des Warenkörpers bedingt, existiert sie nicht ohne ihn. Der Warenkörper selbst, wie Eisen, Weizen, Diamant usw. ist daher ein Gebrauchswert oder Gut.

Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen. Eine bestimmte Menge von einer Ware wird regelmäßig ausgetauscht gegen so und so viel von einer anderen Ware: das ist ihr Tauschwert – ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt. Der Tauschwert scheint daher etwas Zufälliges und rein Relatives zu sein, d.h. (wie Condillac es ausdrückte) er scheint „bloß in der Beziehung der Waren auf unsere Bedürfnisse zu bestehen“. Ein den Waren innewohnender Tauschwert scheint ein Widersinn zu sein. Betrachten wir die Sache näher.

Eine gewisse Ware, ein Zentner Weizen z.B., tauscht sich mit so und so viel Stiefelwichse oder mit so und so viel Seide oder mit so und so viel Gold usw., kurz mit anderen Waren in den verschiedensten Proportionen. Mannigfache Tauschwerte also hat der Weizen. Aber da diese bestimmten Mengen Stiefelwichse, Seide, Gold usw. der Tauschwert von einem Zentner Weizen sind, müssen sie gleich große Tauschwerte sein. Es folgt daher erstens: die gültigen Tauschwerte derselben Ware drücken ein Gleiches aus. Zweitens aber: es muß überhaupt hinter dem Tauschwert ein Gehalt stecken, den er nur ausdrückt.

Nehmen wir ferner zwei Waren, z.B. Weizen und Eisen. Welches immer ihr Austauschverhältnis, es ist stets darstellbar in einer Gleichung, worin ein gegebenes Quantum Weizen irgendeinem Quantum Eisen gleichgesetzt wird. Zum Beispiel ein Zentner Weizen ist gleich zwei Zentner Eisen. Was besagt diese Gleichung? Daß ein Gemeinsames von derselben Größe in zwei verschiedenen Dingen existiert, in einem Zentner Weizen und ebenfalls in zwei Zentnern Eisen. Beide sind also gleich einem Dritten, das an und für sich weder das eine noch das andere ist. Jedes der beiden, soweit es Tauschwert, muß also auf dieses Dritte reduzierbar sein.

Dieses Gemeinsame kann keine natürliche Eigenschaft der Waren sein. Ihre körperlichen Eigenschaften kommen überhaupt nur in Betracht, soweit selbe sie nutzbar machen, also zu Gebrauchswerten. Im Tauschverhältnis wird augenscheinlich vom Gebrauchswert der Waren gerade abgesehen. Da gilt ein Gebrauchswert gerade so viel wie jeder andere, wenn er nur in gehöriger Proportion vorhanden ist. Oder, wie der alte Barbon (1696) sagt: „Die eine Warensorte ist so gut wie die andere, wenn ihr Tauschwert gleich groß ist. Es existiert keine Verschiedenheit oder Unterscheidbarkeit zwischen Dingen von gleich großem Tauschwert … Für 100 M Blei oder Eisen sind von ebenso großem Tauschwert wie für 100 M Silber und Gold.“ Als Gebrauchswerte sind die Waren vor allem von verschiedener Qualität, als Tauschwerte können sie nur von verschiedener Quantität sein.

Sieht man nun vom Gebrauchswert der Warenkörper ab, so bleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten. Jedoch ist uns auch das Arbeitsprodukt bereits in der Hand verwandelt. Sehen wir von seinem Gebrauchswert ab, so sehen wir auch von den körperlichen Bestandteilen und Formen ab, die es zum Gebrauchswert machen. Es ist nicht länger Tisch oder Haus oder Garn oder sonst ein nützlich Ding. Alle seine sinnlichen Beschaffenheiten sind ausgelöscht. Es ist auch nicht länger das Produkt der Tischlerarbeit oder der Bauarbeit oder der Spinnarbeit oder sonst einer bestimmten produktiven Arbeit. Sondern es ist nur noch ein Produkt menschlicher Arbeit schlechthin, abstrakt menschlicher Arbeit, d.h. ein Produkt der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ohne Rücksicht auf die Form ihrer Verausgabung, ohne Rücksicht darauf, ob sie von einem Tischler, einem Maurer, einem Spinner usw. verausgabt ist. Diese Dinge stellen nur noch dar, daß in ihrer Produktion menschliche Arbeitskraft verausgabt, menschliche Arbeit aufgehäuft ist.

Ein Gebauchswert oder Gut hat also nur deshalb einen Wert, weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht ist. Wie nun die Größe seines Wertes messen? Durch das Quantum der in ihm enthaltenen „wertbildenden Substanz“, der Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst mißt sich an ihrer Zeitdauer, und die Arbeitszeit besitzt wieder ihren Maßstab an bestimmten Zeitteilen, wie Stunde, Tag usw.

Wenn der Wert einer Ware durch das während ihrer Produktion verausgabte Quantum Arbeit bestimmt ist, so könnte es scheinen, daß, je fauler oder ungeschickter ein Mann, desto wertvoller seine Ware, weil er desto mehr Zeit zu ihrer Verfertigung braucht. Die Arbeit jedoch, welche die Substanz der Werte bildet, ist gleiche menschliche Arbeit, Verausgabung derselben menschlichen Arbeitskraft. Die gesamte Arbeitskraft der Gesellschaft, die sich in den Werten der Warenwelt darstellt, gilt hier als eine und dieselbe menschliche Arbeitskraft, obgleich sie aus zahllosen individuellen Arbeitskräften besteht. Jede dieser individuellen Arbeitskräfte ist dieselbe menschliche Arbeitskraft wie die andere, soweit sie eine gesellschaftliche Durchschnittsarbeitskraft ist und als solche gesellschaftliche Durchschnittsarbeitskraft wirkt, also in der Produktion einer Ware auch nur die im Durchschnitt notwendige oder gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit braucht. Gesellschaftlich notwendig ist nur diejenige Arbeitszeit, welche erforderlich ist, um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit herzustellen. Nach der Einführung des Dampfwebstuhles in England z.B. genügte vielleicht halb so viel Arbeit als vorher, um ein gegebenes Quantum Garn in Gewebe zu verwandeln. Der englische Handweber brauchte zu dieser Verwandlung in der Tat nach wie vor dieselbe Arbeitszeit, aber das Produkt seiner individuellen Arbeitsstunde stellte jetzt nur noch eine halbe gesellschaftliche Arbeitsstunde dar und fiel daher auf die Hälfte seines früheren Wertes.

Es ist also nur das Quantum gesellschaftlich notwendiger Arbeit oder die zur Herstellung eines Gebrauchswertes gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, welche seine Wertgröße bestimmt. Die einzelne Ware gilt hier überhaupt als Durchschnittsexemplar ihrer Art. Waren, worin gleich große Arbeitsquanta enthalten sind oder die in derselben Arbeitszeit hergestellt werden können, haben daher dieselbe Wertgröße. Der Wert einer Ware verhält sich zum Wert jeder anderen Ware wie die zur Produktion der einen notwendige Arbeitszeit zu der für die Produktion der anderen notwendigen Arbeitszeit. „Als Werte sind alle Waren nur bestimmte Masse festgeronnener Arbeitszeit.“9

Die Wertgröße einer Ware bliebe daher unverändert, wäre die zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit immer dieselbe. Letztere wechselt aber mit jedem Wechsel in der Produktivkraft der Arbeit. Die Produktivkraft der Arbeit ist durch mannigfache Umstände bestimmt, unter anderen durch den Durchschnittsgrad des Geschickes der Arbeiter, die Entwicklungsstufe der Wissenschaft und ihrer technologischen Anwendbarkeit, die Art, wie der Produktionsprozeß geregelt ist, den Umfang und die Wirkungsfähigkeit der Produktionsmittel und durch Naturverhältnisse. Dasselbe Quantum Arbeit stellt sich z.B. mit günstiger Jahreszeit in doppelt so viel Weizen dar wie mit ungünstiger. Dasselbe Quantum Arbeit liefert mehr Metalle in reichhaltigen als in armen Minen usw. Diamanten kommen selten in der Erdrinde vor, und sie zu finden, kostet daher im Durchschnitt viel Arbeitszeit. Folglich stellen sie in wenig Produkt viel Arbeit dar. Mit reichhaltigeren Gruben würde dasselbe Arbeitsquantum sich in mehr Diamanten darstellen und ihr Wert sinken. Gelingt es, mit wenig Arbeit Kohle in Diamant zu verwandeln, so kann sein Wert unter den von Ziegelsteinen fallen. Allgemein: je größer die Produktivkraft der Arbeit, desto kleiner die zur Herstellung eines Artikels erheischte Arbeitszeit, desto kleiner die in ihm enthaltene Arbeitsmasse, desto kleiner sein Wert. Umgekehrt, je kleiner die Produktivkraft der Arbeit, desto größer die zur Herstellung eines Artikels notwendige Arbeitszeit, desto größer sein Wert.

Ein Ding kann Gebrauchswert sein, ohne Wert zu sein. Es ist dies der Fall, wenn sein Nutzen den Menschen ohne Arbeit zur Verfügung steht. So Luft, jungfräulicher Boden, natürliche Wiesen, wildwachsendes Holz usw. Ein Ding kann nützlich und Produkt menschlicher Arbeit sein, ohne Ware zu sein. Wer durch sein Produkt sein eigenes Bedürfnis befriedigt, schafft zwar Gebrauchswert, aber nicht Ware. Um Ware zu produzieren, muß er nicht nur Gebrauchswert produzieren, sondern Gebrauchswert für andere, gesellschaftlichen Gebrauchswert. Endlich kann kein Ding Wert sein, ohne Gebrauchsgegenstand zu sein. Ist es nutzlos, so ist auch die in ihm enthaltene Arbeit nutzlos, zählt nicht als Arbeit und bildet daher keinen Wert.

Kauf und Verkauf der Arbeitskraft10

Nachdem wir gesehen haben, daß der Wert der Waren nichts anderes ist als die in ihnen enthaltene menschliche Arbeit, kehren wir zu der Frage zurück, wie es kommt, daß der Fabrikant aus der Produktion seiner Waren einen größeren Wert herausziehen kann, als er in sie hineingetan hat.

Wir wiederholen die Fragestellung: Zur Produktion einer bestimmten Ware braucht der Kapitalist eine bestimmte Summe, sagen wir 100 M. Nachher verkauft er die fertige Ware für 110 M. Da die Untersuchung gezeigt hat, daß der überschießende Wert von 10 M nicht in der Zirkulation (d.h. im Umsatz der Waren) entstanden sein kann, muß er in der Produktion entstanden sein. Und nun handelt es sich darum, nachzuweisen, wie das zugegangen ist.

Zwar ist das Problem zum Teil gelöst, sobald man weiß, daß Wert durch gesellschaftlich notwendige Arbeit entsteht. Um aus den vorhandenen Produktionsmitteln, z.B. Spinnmaschinen und Baumwolle nebst Zubehör, Garn zu machen, wird in der Spinnerei Arbeit geleistet. Soweit diese Arbeit gesellschaftlich notwendig ist, erzeugt sie Wert. Sie setzt also den vorhandenen Produktionsstoffen – in diesem Fall der rohen Baumwolle – einen neuen Wert zu, indem sie zugleich den Wert der vernutzten Maschinen usw. auf das Garn überträgt. Es bleibt jedoch die Schwierigkeit, daß der Kapitalist auch die neu geleistete Arbeit in seinen Selbstkosten bezahlt zu haben scheint. Denn neben dem Wert der Maschinen, Gebäude, Rohstoffe und Zutaten figuriert in seinen Selbstkosten auch der Arbeitslohn. Und den zahlt er doch eben für die geleistete Spinnarbeit. Es scheint also, daß alle nach der Produktion vorhandenen Werte auch schon vor der Produktion vorhanden gewesen seien.

Indessen leuchtet ein, daß der Wert, welcher durch die Spinnarbeit neu erzeugt wird, nicht unbedingt übereinstimmen muß mit dem Wert, welchen der Kapitalist als Arbeitslohn bezahlt. Er kann größer oder kleiner sein. Ist er größer, so hätten wir hier den Ursprung des Mehrwerts gefunden.

Aber haben wir denn nicht die Voraussetzung gemacht, daß bei allen Käufen und Verkäufen der richtige Wert gezahlt wird? Haben wir uns nicht überzeugt, daß Abweichungen der Preise von den Werten zwar oft vorkommen, daß sie uns aber nichts erklären? Es kann deshalb auch der Fall, daß der Kapitalist den Arbeiter unter seinem Wert bezahlt – mag dieser Fall noch so oft vorkommen –, hier nur als Ausnahme betrachtet werden. Die Entstehung des Mehrwertes muß auch für den normalen Fall erklärt werden, daß der Kapitalist den vollen Wert dessen bezahlt, was er für den Arbeitslohn kauft. Es muß deshalb dieser besondere Kauf und Verkauf, der zwischen Kapitalist und Arbeiter vor sich geht, näher betrachtet werden.

Was der Kapitalist durch Zahlung des Lohns in seinen Dienst stellt, was er also dem Arbeiter abkauft, ist dessen Arbeitsvermögen oder Arbeitskraft. Damit jedoch der Geldbesitzer die Arbeitskraft kaufen kann, müssen verschiedene Bedingungen erfüllt sein. Die Arbeitskraft kann als Ware auf dem Markte nur erscheinen, sofern und weil sie von ihrem eigenen Besitzer zum Verkauf angeboten wird. Damit ihr Besitzer sie als Ware verkaufe, muß er über sie verfügen können, also freier Eigentümer seines Arbeitsvermögens, seiner Person sein. Er und der Geldbesitzer begegnen sich auf dem Markt und treten in Verhältnis zueinander als ebenbürtige Warenbesitzer, nur dadurch unterschieden, daß der eine Käufer, der andere Verkäufer, also beide juristisch gleiche Personen sind. Die Fortdauer dieses Verhältnisses erheischt, daß der Eigentümer der Arbeitskraft sie stets nur für eine bestimmte Zeit verkaufe. Denn verkauft er sie in Bausch und Bogen, ein für allemal, so verkauft er sich selbst, verwandelt sich aus einem Freien in einen Sklaven, aus einem Warenbesitzer in eine Ware.

Die zweite wesentliche Bedingung, damit der Geldbesitzer die Arbeitskraft auf dem Markt als Ware vorfinde, ist die, daß ihr Besitzer, statt Waren verkaufen zu können, worin sich seine Arbeit vergegenständlicht hat, vielmehr seine Arbeitskraft selbst, die nur in seiner lebendigen Leiblichkeit existiert, als Ware feilbieten muß. Dies ist der Fall, wenn er keine Produktionsmittel besitzt, z.B. Rohstoffe, Arbeitsinstrumente usw., deren er zur Herstellung von Waren bedarf, und auch keine Lebensmittel, um bis zur Fertigstellung und bis zum Verkauf der Waren sich erhalten zu können.

Der Geldbesitzer muß also den freien Arbeiter auf dem Warenmarkt vorfinden, frei in dem Doppelsinn, daß er als freie Person über seine Arbeitskraft als Ware verfügt, und daß er andererseits andere Waren nicht zu verkaufen hat, los und ledig, frei ist von allen zur Betätigung seiner Arbeitskraft nötigen Sachen.

Die Frage, warum dieser freie Arbeiter ihm auf dem Warenmarkte gegenübertritt, interessiert den Geldbesitzer nicht. Und einstweilen interessiert sie uns ebensowenig. Eins jedoch ist klar: die Natur produziert nicht auf der einen Seite Geld- oder Warenbesitzer und auf der anderen bloße Besitzer der eigenen Arbeitskräfte. Dieses Verhältnis ist kein naturgeschichtliches und ebensowenig ein gesellschaftliches, das allen Geschichtsperioden gemein wäre. Es ist offenbar selbst das Resultat einer vorhergegangenen historischen Entwicklung, das Produkt vieler ökonomischer Umwälzungen, des Unterganges einer ganzen Reihe älterer Formationen der gesellschaftlichen Produktion.

Diese eigentümliche Ware, die Arbeitskraft, ist nun näher zu betrachten. Gleich allen anderen Waren besitzt sie einen Wert. Wie wird er bestimmt?

Der Wert der Arbeitskraft, gleich dem jeder anderen Ware, ist bestimmt durch die zu ihrer Produktion, also auch Reproduktion (Neuherstellung) notwendige Arbeitszeit. Die Arbeitskraft existiert nur als Anlage des lebendigen Individuums, setzt also seine Existenz voraus. Ist das Individuum vorhanden, so wird die Arbeitskraft erzeugt durch seine eigene Erhaltung. Zu seiner Erhaltung bedarf das lebendige Individuum einer gewissen Summe von Lebensmitteln. Die zur Produktion der Arbeitskraft notwendige Arbeitszeit löst sich also auf in die zur Produktion dieser Lebensmittel notwendige Arbeitszeit, oder der Wert der Arbeitskraft ist der Wert der zur Erhaltung ihres Besitzers notwendigen Lebensmittel.

Die Summe der Lebensmittel muß hinreichen, das arbeitende Individuum in seinem normalen Lebenszustand zu erhalten. Die natürlichen Bedürfnisse selbst, wie Nahrung, Kleidung, Heizung, Wohnung usw., sind verschieden je nach der natürlichen Beschaffenheit eines Landes. Andererseits hängt der Umfang der sogenannten notwendigen Bedürfnisse wie die Art ihrer Befriedigung großenteils von der Kulturstufe eines Landes ab, unter anderem auch wesentlich davon, unter welchen Bedingungen und daher mit welchen Gewohnheiten und Lebensansprüchen die Klasse der freien Arbeiter sich gebildet hat. Im Gegensatz zu den anderen Waren enthält also die Wertbestimmung der Arbeitskraft ein historisches und moralisches Element. Für ein bestimmtes Land, zu einer bestimmten Zeit jedoch ist der Durchschnittsumkreis der notwendigen Lebensmittel gegeben.

Der Eigentümer der Arbeitskraft ist sterblich. Soll seinesgleichen dauernd auf dem Markt erscheinen, wie es die dauernden Bedürfnisse des Kapitals verlangen, so müssen die durch Abnutzung oder Tod dem Markt entzogenen Arbeitskräfte zum allermindesten durch eine gleiche Zahl neuer Arbeitskräfte ersetzt werden. Die Summe der zur Produktion der Arbeitskraft notwendigen Lebensmittel schließt also die Lebensmittel der Ersatzkräfte ein, d.h. der Kinder der Arbeiter. – Ferner gehören dazu die Ausbildungskosten zum Erlernen der für einen bestimmten Arbeitszweig erheischten Geschicklichkeit und Fertigkeiten, Kosten, die allerdings für die gewöhnliche Arbeitskraft verschwindend klein sind.

Der Wert der Arbeitskraft besteht aus dem Wert einer bestimmten Summe von Lebensmitteln. Er wechselt daher auch mit dem Wert dieser Lebensmittel, d.h. mit der Größe der zu ihrer Produktion erheischten Arbeitszeit. Ein Teil der Lebensmittel, z.B. Nahrungsmittel, Heizmaterial usw., werden täglich verzehrt und müssen täglich ersetzt werden. Andere Lebensmittel, wie Kleider, Möbel usw. verbrauchen sich in längeren Zeiträumen und sind daher nur in längeren Zeiträumen zu ersetzen. Waren einer Art müssen täglich, andere wöchentlich, vierteljährlich usw. gekauft oder gezahlt werden. Wie sich die Summe dieser Ausgaben aber immer während eines Jahres z.B. verteilen möge, sie muß gedeckt sein durch die Durchschnittseinnahmen tagein, tagaus. Der wirkliche Tageswert der Arbeitskraft wird also herauskommen, wenn man den Wert aller notwendigen Lebensmittel, die der Arbeiter das Jahr über verbraucht, zusammenzählt und die Summe durch 365 teilt. Angenommen, in dieser für den Durchschnittstag nötigen Warenmenge steckten sechs Stunden gesellschaftlicher Arbeit, so vergegenständlicht sich in der Arbeitskraft täglich ein halber Tag gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit oder ein halber Arbeitstag ist zur täglichen Produktion der Arbeitskraft erheischt.11 Dieses zu ihrer täglichen Produktion erheischte Arbeitsquantum bildet den Tageswert der Arbeitskraft oder den Wert der täglich reproduzierten Arbeitskraft. Wenn sich ein halber Tag gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit ebenfalls in einer Goldmenge zum Werte von 3 M oder einem Taler darstellt, so ist ein Taler der dem Tageswert der Arbeitskraft entsprechende Preis. Bietet der Besitzer der Arbeitskraft sie feil für einen Taler täglich, so ist ihr Verkaufspreis gleich ihrem Wert, und nach unserer Voraussetzung zahlt der Geldbesitzer diesen Wert.

Die eigentümliche Natur der Ware Arbeitskraft bringt es mit sich, daß mit der Abschließung des Kontrakts zwischen Käufer und Verkäufer ihr Gebrauchswert noch nicht wirklich in die Hand des Käufers übergegangen ist. Ihr Gebrauchswert besteht erst in der nachträglichen Kraftäußerung. Die Veräußerung der Kraft und ihre wirkliche Äußerung fallen daher der Zeit nach auseinander. Bei solchen Waren aber, wo die formelle Veräußerung des Gebrauchswerts durch den Verkauf und seine wirkliche Überlassung an den Käufer der Zeit nach auseinanderfallen, geschieht die Zahlung meist auch erst nachträglich. In allen Ländern kapitalistischer Produktionsweise wird die Arbeitskraft erst gezahlt, nachdem sie bereits funktioniert hat, z.B. am Ende jeder Woche. Überall schießt daher der Arbeiter dem Kapitalisten den Gebrauchswert der Arbeitskraft vor; er läßt sie vom Kaufer konsumieren, bevor er ihren Preis bezahlt erhält. Überall kreditiert daher der Arbeiter dem Kapitalisten.

Wie der Mehrwert entsteht12

Der Gebrauch der Arbeitskraft ist die Arbeit selbst. Der Käufer der Arbeitskraft konsumiert sie, indem er ihren Verkäufer arbeiten läßt. Mit Kennerblick hat der Kapitalist die für sein besonderes Geschäft, Spinnerei, Stiefelfabrikation usw., passenden Produktionsmittel und Arbeitskräfte ausgewählt und läßt nun den Arbeiter durch seine Arbeit die Produktionsmittel verbrauchen. Er muß die Arbeitskraft zunächst nehmen, wie er sie vorfindet, also auch ihre Arbeit, wie sie zu einer Zeit entsprang, wo es noch keinen Kapitalisten gab. Die Verwandlung der Produktionsweise selbst durch die Unterordnung der Arbeit unter das Kapital kann sich erst später ereignen und ist daher erst später zu betrachten.

Der Arbeitsprozeß, als Gebrauch der dem Kapitalisten verkauften Arbeitskraft des Arbeiters, zeigt nun zwei Eigentümlichkeiten.

Der Arbeiter arbeitet unter der Kontrolle des Kapitalisten. Dieser paßt auf, daß die Arbeit ordentlich vonstatten geht und die Produktionsmittel zweckmäßig verwandt werden. Mit anderen Worten: die Selbständigkeit des Arbeiters beim Arbeitsprozeß ist dahin.

Zweitens aber: Das Produkt ist Eigentum des Kapitalisten, nicht des Arbeiters. Da der Kapitalist – nach unserer Voraussetzung – den Tageswert der Arbeitskraft zahlt, so gehört ihm deren Gebrauch. Ebenso gehören ihm die anderen zur Erzeugung des Produkts nötigen Elemente, die Produktionsmittel. Folglich geht der Arbeitsprozeß zwischen Dingen vor sich, die der Kapitalist sämtlich gekauft hat, und somit ist das Produkt sein Eigentum.

Dieses Produkt ist ein Gebrauchswert, Garn, Stiefel usw. Aber obgleich Stiefel z.B. gewissermaßen die Basis des gesellschaftlichen Fortschritts bilden und unser Kapitalist ein entschiedener Fortschrittsmann ist, fabriziert er die Stiefel nicht ihrer selbst wegen. Gebrauchswerte werden hier überhaupt nur produziert, weil und sofern sie Träger des Tauschwerts sind. Unserm Kapitalisten handelt es sich um zweierlei: Erstens will er einen Gebrauchswert produzieren, der einen Tauschwert hat, einen zum Verkauf bestimmten Artikel, eine Ware. Und zweitens will er eine Ware produzieren, deren Wert höher ist als die Wertsumme der Produktionsmittel und der Arbeitskraft, für die er sein gutes Geld auf dem Warenmarkt vorschoß. Er will nicht nur einen Gebrauchswert produzieren, sondern Wert, und nicht nur Wert, sondern auch Mehrwert.

Wir wissen, daß der Wert jeder Ware bestimmt ist durch das Quantum der in ihr enthaltenen Arbeit. Dies gilt auch für das Produkt, das sich unserm Kapitalisten als Resultat des Arbeitsprozesses ergab. Es ist also zunächst die in diesem Produkt vergegenständlichte Arbeit zu berechnen.

Es sei z.B. Garn. Zur Herstellung des Garns war zuerst sein Rohmaterial nötig, z.B. 10 Pfund Baumwolle. Wie hoch der Wert der Baumwolle, ist nicht erst zu untersuchen, denn der Kapitalist hat sie zu ihrem Wert, z.B. zu 10 M, gekauft. In dem Preis der Baumwolle ist die zu ihrer Produktion erheischte Arbeit schon als allgemein gesellschaftliche Arbeit dargestellt. Wir wollen ferner annehmen, daß die in der Verarbeitung der Baumwolle verzehrten Arbeitsmittel, die Spindeln usw., einen Wert von 2 M besitzen. Ist eine Goldmenge von 12 M das Produkt von 24 Arbeitsstunden oder 2 Arbeitstagen, so folgt zunächst, daß im Garn 2 Arbeitstage vergegenständlicht sind. Die zur Produktion der Baumwolle erheischte Arbeitszeit ist Teil der zur Produktion des Garns, dessen Rohmaterial sie bildet, erheischten Arbeitszeit und deshalb im Garn enthalten. Ebenso verhält es sich mit der Arbeitszeit, die zur Produktion der Spindeln erheischt ist, ohne deren Verschleiß die Baumwolle nicht versponnen werden kann. Jedoch ist vorausgesetzt, daß nur die unter den gegebenen gesellschaftlichen Produktionsbedingungen notwendige Arbeitszeit verwandt wurde. Wäre also nur 1 Pfund Baumwolle nötig, um 1 Pfund Garn zu spinnen, so darf nur 1 Pfund Baumwolle verzehrt sein in der Bildung von 1 Pfund Garn. Ebenso verhält es sich mit der Spindel. Hat der Kapitalist die Phantasie, goldene statt eiserner Spindeln anzuwenden, so zählt im Garnwert dennoch nur die gesellschaftlich notwendige Arbeit, d.h. die zur Produktion eiserner Spindeln notwendige Arbeitszeit.

Nunmehr handelt es sich um den Wertteil, welchen die Arbeit des Spinners selbst der Baumwolle zusetzt. Wir nehmen an, daß die Spinnarbeit einfache Arbeit, gesellschaftliche Durchschnittsarbeit ist. Man wird später sehen, daß die gegenteilige Annahme nichts an der Sache ändert.

Es ist nun entscheidend wichtig, daß während der Dauer des Spinnprozesses nur die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit verzehrt wird. Müssen unter normalen Produktionsbedingungen 1 2 3 Pfund Baumwolle während einer Arbeitsstunde in 1 2 3 Pfund Garn verwandelt sein,13 so gilt nur der Arbeitstag als Arbeitstag von 12 Stunden, der 12 × 1 2 3 Pfund Baumwolle in 12 × 1 2 3 Pfund Garn verwandelt. Denn nur die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zählt als wertbildend.

Daß die Arbeit gerade Spinnarbeit, ihr Material Baumwolle und ihr Produkt Garn, ist für die Wertbildung vollkommen gleichgültig. Wäre der Arbeiter, statt in der Spinnerei, in der Kohlengrube beschäftigt, so wäre der Arbeitsgegenstand, die Kohle, von Natur vorhanden. Dennoch stellte ein bestimmtes Quantum aus dem Bett losgebrochener Kohle, z.B. 1 Zentner, ein bestimmtes Quantum aufgesaugter Arbeit dar.

Beim Verkauf der Arbeitskraft ward unterstellt, daß ihr Tageswert = 3 M, und daß in 3 M 6 Arbeitsstunden verkörpert sind, daß also 6 Arbeitsstunden erforderlich sind, um die Durchschnittssumme der täglichen Lebensmittel des Arbeiters zu produzieren. Verwandelt unser Spinner nun während einer Arbeitsstunde 1 2 3 Pfund Baumwolle in 1 2 3 Pfund Garn, so in 6 Stunden 10 Pfund Baumwolle in 10 Pfund Garn. Während der Dauer des Spinnprozesses saugt die Baumwolle also 6 Arbeitsstunden ein. Dieselbe Arbeitszeit stellt sich in einem Goldquantum von 3 M dar. Der Baumwolle wird also durch das Spinnen selbst ein Wert von 3 M zugesetzt.

Sehen wir uns nun den Gesamtwert des Produkts, der 10 Pfund Garn, an. In ihnen sind 2 1 2 Arbeitstage vergegenständlicht, 2 Tage enthalten in Baumwolle und Arbeitsmitteln, 1 2 Tag Arbeit eingesaugt während des Spinnprozesses. Dieselbe Arbeitszeit stellt sich in einer Goldmasse von 15 M dar. Der dem Wert der 10 Pfund Garn entsprechende Preis beträgt also 15 M, der Preis eines Pfundes Garn 1 1 2 M.

Unser Kapitalist stutzt. Der Wert des Produkts ist gleich dem Wert des vorgeschossenen Kapitals. Der vorgeschossene Wert hat sich nicht verwertet, hat keinen Mehrwert erzeugt. Der Preis der 10 Pfund Garn ist 15 M, und 15 M wurden verausgabt: 10 M für Baumwolle, 2 M für die verzehrten Arbeitsmittel und 3 M für Arbeitskraft.

Der Kapitalist sagt vielleicht, er habe sein Geld mit der Absicht vorgeschossen, mehr Geld daraus zu machen. Der Weg zur Hölle ist jedoch mit guten Absichten gepflastert, und er konnte ebensogut der Absicht sein, Geld zu machen, ohne zu produzieren. Er droht. Man werde ihn nicht wieder ertappen. Künftig werde er die Ware fertig auf dem Markt kaufen, statt sie selbst zu fabrizieren. Wenn aber alle seine Brüder Kapitalisten desgleichen tun, wo soll er Ware auf dem Markt finden? Und Geld kann er nicht essen. Er wird salbungsvoll. Man soll seine Aufopferung bedenken. Er konnte seine 15 M verprassen. Statt dessen hat er sie produktiv verwandt und Garn daraus gemacht. Aber dafür ist er ja im Besitz von Garn statt von Gewissensbissen. Außerdem, wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren. Welches immer das Verdienst seiner Entsagung, es ist nichts da, um sie extra zu zahlen, da der Wert des Produkts, das aus dem Prozeß herauskommt, nur gleich der Summe der hineingeworfenen Warenwerte. Er beruhige sich also dabei, daß Tugend der Tugend Lohn. Statt dessen wird er zudringlich. Das Garn ist ihm unnütz. Er hat es für den Verkauf produziert. So verkaufe er es oder, noch besser, produziere in Zukunft nur Dinge für seinen eigenen Bedarf. Er stellt sich trutzig auf die Hinterbeine. Sollte der Arbeiter mit seinen eigenen Gliedmaßen in der blauen Luft Waren produzieren? Gab er ihm nicht den Stoff, womit und worin er allein seine Arbeit verleiblichen kann? Da nun der größte Teil der Gesellschaft aus solchen Habenichtsen besteht, hat er nicht der Gesellschaft durch seine Produktionsmittel, seine Baumwolle und seine Spindeln, einen unermeßlichen Dienst erwiesen? Nicht dem Arbeiter selbst, den er obendrein noch mit Lebensmitteln versah? Und soll er den Dienst nicht berechnen? Hat der Arbeiter ihm aber nicht den Gegendienst erwiesen, Baumwolle und Spindel in Garn zu verwandeln? Außerdem handelt es sich hier nicht um Dienste. Ein Dienst ist nichts als die nützliche Wirkung eines Gebrauchswerts, sei es der Ware, sei es der Arbeit. Hier aber gilt’s den Tauschwert. Er zahlte dem Arbeiter den Wert von 3 M. Der Arbeiter gab ihm einen genau gleichen Wert zurück in dem der Baumwolle zugesetzten Wert von 3 M, Wert für Wert. Unser Freund, eben noch so kapitalübermütig, nimmt plötzlich die anspruchslose Haltung seines eigenen Arbeiters an. Hat er nicht selbst gearbeitet?, nicht die Arbeit der Überwachung, der Oberaufsicht über den Spinner verrichtet? Bildet diese seine Arbeit nicht auch Wert? Sein eigener Werkmeister und sein Geschäftsführer zucken die Achseln. Unterdes hat er aber bereits mit heiterem Lächeln seine alte Miene wieder angenommen. Er foppte uns mit der ganzen Litanei. Er gibt keinen Deut darum. Er überläßt diese und ähnliche faule Ausflüchte und hohle Flausen den dafür eigens bezahlten Professoren der politischen Ökonomie. Er selbst ist ein praktischer Mann, der zwar nicht immer bedenkt, was er außerhalb des Geschäfts sagt, aber stets weiß, was er im Geschäft tut.

Sehen wir näher zu. Der Tageswert der Arbeitskraft betrug 3 M, weil in ihr selbst ein halber Arbeitstag vergegenständlicht ist, d.h. weil die täglich zur Produktion der Arbeitskraft nötigen Lebensmittel einen halben Arbeitstag kosten. Aber die vergangene Arbeit, die in der Arbeitskraft steckt, und die lebendige Arbeit, die sie leisten kann, ihre täglichen Erhaltungskosten und ihre tägliche Verausgabung, sind zwei ganz verschiedene Größen. Daß ein halber Arbeitstag nötig, um ihn während 24 Stunden am Leben zu erhalten, hindert den Arbeiter keineswegs, einen ganzen Tag zu arbeiten. Der Wert der Arbeitskraft und ihre Verwertung im Arbeitsprozeß sind zwei verschiedene Größen. Diese Wertdifferenz hatte der Kapitalist im Auge, als er die Arbeitskraft kaufte. Ihre nützliche Eigenschaft, Garn oder Stiefel zu machen, war nur eine unerläßliche Nebenbedingung, weil Arbeit in nützlicher Form verausgabt werden muß, um Wert zu bilden. Was aber entschied, war der besondere Gebrauchswert dieser Ware, Quelle von Wert zu sein und von mehr Wert, als sie selbst hat. Dies ist der Dienst, den der Kapitalist von ihr erwartet. Und er verfährt dabei den ewigen Gesetzen des Warenaustausches gemäß. In der Tat, der Verkäufer der Arbeitskraft wie der Verkäufer jeder anderen Ware bekommt ihren Tauschwert und veräußert ihren Gebrauchswert. Der Gebrauchswert der Arbeitskraft, die Arbeit selbst, gehört ebensowenig ihrem Verkäufer, wie der Gebrauchswert des verkauften Öls dem Ölhändler. Der Geldbesitzer hat den Tageswert der Arbeitskraft gezahlt, ihm gehört daher ihr Gebrauch während des Tages, die tagelange Arbeit. Der Umstand, daß die tägliche Erhaltung der Arbeitskraft nur einen halben Arbeitstag kostet, obgleich die Arbeitskraft einen ganzen Tag wirken kann, daß daher der Wert, den ihr Gebrauch während eines Tages schafft, doppelt so groß ist als ihr eigener Tageswert, ist ein besonderes Glück für den Käufer, aber durchaus kein Unrecht gegen den Verkäufer.

Unser Kapitalist hat den Kasus, der ihn lachen macht, vorgesehen. Der Arbeiter findet daher in der Werkstätte die nötigen Produktionsmittel nicht nur für einen 6stündigen, sondern für einen 12stündigen Arbeitsprozeß. Saugten 10 Pfund Baumwolle 6 Arbeitsstunden ein und verwandelten sich in 10 Pfund Garn, so werden 20 Pfund Baumwolle 12 Arbeitsstunden einsaugen und in 20 Pfund Garn verwandelt. Betrachten wir das Produkt des verlängerten Arbeitsprozesses. In den 20 Pfund Garn sind jetzt 5 Arbeitstage vergegenständlicht, 4 in dem verzehrten Quantum Baumwolle und Arbeitsmittel, einer von der Baumwolle eingesaugt während des Spinnprozesses. Der Goldausdruck von 5 Arbeitstagen ist aber 30 M. Das ist also der Preis der 20 Pfund Garn. Das Pfund Garn kostet nach wie vor 1 1 2 M. Aber die Wertsumme der in den Prozeß geworfenen Waren betrug 27 M, der Wert des Garns beträgt 30 M. Der Wert des Produkts ist um 1 9 gewachsen über den zu seiner Produktion vorgeschossenen Wert. So haben sich 27 M in 30 M verwandelt. Sie haben einen Mehrwert von 3 M gesetzt. Das Kunststück ist endlich gelungen.

Alle Bedingungen des Problems sind gelöst und die Gesetze des Warenaustausches in keiner Weise verletzt. Gleicher Wert wurde gegen gleichen Wert ausgetauscht. Der Kapitalist zahlte als Käufer jede Ware zu ihrem Wert, Baumwolle, Spindeln, Arbeitskraft. Er tat dann, was jeder andere Käufer von Waren tut: er konsumierte ihren Gebrauchswert. Der Verbrauch der Arbeitskraft ergab ein Produkt von 20 Pfund Garn mit einem Wert von 30 M. Der Kapitalist kehrt nun zum Markt zurück und verkauft Ware, nachdem er Ware gekauft hat. Er verkauft das Pfund Garn zu 1 1 2 M, keinen Deut über oder unter seinem Wert. Und doch zieht er 3 M mehr aus der Zirkulation heraus, als er ursprünglich in sie hineinwarf.

Vergleichen wir nun Wertbildungsprozeß und Verwertungsprozeß, so ist der Verwertungsprozeß nichts als ein über einen gewissen Punkt hinaus verlängerter Werbildungsprozeß. Dauert der letztere nur bis zu dem Punkt, wo der vom Kapital gezahlte Wert der Arbeitskraft ersetzt ist, so ist er einfacher Wertbildungsprozeß. Dauert der Wertbildungsprozeß über diesen Punkt hinaus, so wird er Verwertungsprozeß.

Als wertbildend zählt die Arbeit aber nur, soweit die zur Produktion des Gebrauchswertes verbrauchte Zeit gesellschaftlich notwendig ist. Die Arbeitskraft muß unter normalen Bedingungen funktionieren. Ist die Spinnmaschine das gesellschaftlich herrschende Arbeitsmittel für die Spinnerei, so darf dem Arbeiter nicht ein Spinnrad in die Hand gegeben werden. Statt Baumwolle von normaler Güte muß er nicht Schund erhalten, der jeden Augenblick reißt. In beiden Fällen würde er mehr als die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur Produktion eines Pfundes Garn verbrauchen, diese überschüssige Zeit würde aber nicht Wert oder Geld bilden. Ferner muß die Arbeitskraft selbst normal sein. In dem Fach, worin sie verwandt wird, muß sie das herrschende Durchschnittsmaß von Geschick, Fertigkeit und Raschheit besitzen. Sie muß in dem gewöhnlichen Durchschnittsmaß der Anstrengung, mit dem gesellschaftlich üblichen Grad von Intensität verausgabt werden. Darüber wacht der Kapitalist ebenso ängstlich, als daß keine Zeit ohne Arbeit vergeudet wird. Er hat die Arbeitskraft für bestimmte Zeitfrist gekauft. Er hält darauf, das Seine zu haben. Er will nicht bestohlen sein. Endlich darf kein zweckwidriger Verbrauch von Rohmaterial und Arbeitsmitteln stattfinden, weil vergeudetes Material oder Arbeitsmittel überflüssig verausgabte Arbeit darstellen, also nicht zählen und nicht in das Produkt der Wertbildung eingehen.

Es wurde früher bemerkt, daß es für den Verwertungsprozeß durchaus gleichgültig ist, ob die vom Kapitalisten angeeignete Arbeit einfache gesellschaftliche Durchschnittsarbeit oder komplizierte Arbeit ist. Die Arbeit, die als höhere, kompliziertere Arbeit gilt, ist die Äußerung einer Arbeitskraft, worin höhere Bildungskosten eingehen, deren Produktion mehr Arbeitszeit kostet und die daher einen höheren Wert hat als die einfache Arbeitskraft. Ist der Wert dieser Kraft höher, so äußert sie sich aber auch in höherer Arbeit und vergegenständlicht sich daher, in denselben Zeiträumen, in verhältnismäßig höheren Werten. Welches jedoch immer der Gradunterschied zwischen Spinnarbeit und Juwelierarbeit, die Portion Arbeit, wodurch der Juwelenarbeiter nur den Wert seiner eigenen Arbeitskraft ersetzt, unterscheidet sich qualitativ in keiner Weise von der zusätzlichen Portion Arbeit, wodurch er Mehrwert schafft. Nach wie vor kommt der Mehrwert nur heraus durch die verlängerte Dauer desselben Arbeitsprozesses, in dem einen Fall Garnproduktion, in dem andern Fall Juwelenproduktion.14


  1. Siehe „Zimmerwalder Linke: Vorschlag der Resolution und des Manifestes“, 5. September 1915, nach: Horst Lademacher (Hrsg.): Die Zimmerwalder Bewegung. I. Protokolle, Den Haag/Paris, 1967, S. 117–126.

  2. Abgedruckt in Ergebnisse & Perspektiven, Nr. 1, Januar 2020.

  3. ganz am Schluß des Abschnittes, in der „Volksausgabe“ S. 330. [In Marx/Engels, Werke, Bd. 23, S. 407 – E&P.]

  4. In Marx/Engels, Werke, Bd. 24, S. 83 – E&P.

  5. In der neuen Bearbeitung von 1931 vergleiche man hierzu auch die Stelle in Kapitel 25 (Krisen), die ich dort im Text von mir geändert, in der Anmerkung im Originalwortlaut von Marx gegeben habe.

  6. Bd. III, 1. Teil, Abschnitt 1 [Marx/Engels, Werke, Bd. 25, S. 33–150 – E&P] und 2 [a.a.O., S. 151–220 – E&P]; dazu Bd. III, 2. Teil, S. 356–358 und 398–402. [Der 2. Teil beginnt a.a.O., S. 481 – E&P.]

  7. Bd. III, 1. Teil, Abschnitt 1 [Marx/Engels, Werke, Bd. 25, S. 33–150 – E&P] und 2 [a.a.O., S. 151–220 – E&P]; Bd. I, Kapitel 4, Nr. 2 [a.a.O., Bd. 23, S. 170–181 – E&P].

  8. Bd. I, Kapitel 1 [Marx/Engels, Werke, Bd. 23, S. 49–98 – E&P] und 2 [a.a.O., S. 99-108 – E&P].

  9. Karl Marx, „Zur Kritik der politischen Ökonomie“, Berlin, 1859. Neue Ausgabe, Stuttgart, 1897, S. 5. [In Marx/Engels, Werke, Bd. 13, S. 18 – E&P.]

  10. Bd. I, Kapitel 4, Nr. 3 [Marx/Engels, Werke, Bd. 23, S. 181–191 – E&P].

  11. Es wird gebeten, dies recht aufmerksam zu lesen. Herr Dr. juris Friedrich Kleinwächter, k.k. österr. Hofrat und Professor der Staatswissenschaften an der Franz-Josefs-Universität zu Czernowitz, hat dies so verstanden, daß Marx behauptet, der Arbeiter produziere in etwa 6 Stunden das, was er zur Fristung seines Lebens braucht! (Siehe des Herrn Professors „Lehrbuch der Nationalökonomie“, S. 153). J. B.

  12. Bd. I, Kapitel 5 [Marx/Engels, Werke, Bd. 23, S. 192–213 – E&P].

  13. Die Zahlen sind hier ganz willkürlich.

  14. Der Unterschied zwischen höherer und einfacherer, qualifizierter und unqualifizierter Arbeit beruht zum Teil auf bloßen Illusionen oder wenigstens auf Unterschieden, die längst aufgehört haben, wirklich vorhanden zu sein und nur noch in herkömmlicher Einbildung fortleben; zum Teil auf der hilfloseren Lage gewisser Schichten der Arbeiterklasse, die ihnen minder als anderen erlaubt, den Wert ihrer Arbeitskraft zu ertrotzen. Zufällige Umstände spielen dabei eine so große Rolle, daß dieselben Arbeitsarten den Platz wechseln. Wo z.B. die körperliche Kraft der Arbeiterklasse abgeschwächt und relativ erschöpft ist, wie in allen Ländern entwickelter kapitalistischer Produktion, verkehren sich im allgemeinen wenig komplizierte Arbeiten, die viel Muskelkraft erfordern, in höhere gegenüber viel feineren Arbeiten, die auf die Stufe einfacher Arbeit herabsinken, wie z.B. die Arbeit eines Maurers in England eine viel höhere Stufe einnimmt als die eines Damastwirkers. Auf der anderen Seite figuriert die Arbeit eines Baumwollsamtscherers, obgleich sie viel körperliche Anstrengung kostet und obendrein sehr ungesund ist, als einfache Arbeit. Übrigens muß man sich nicht einbilden, daß die sogenannte qualifizierte Arbeit einen bedeutenden Umfang in der Arbeit einer Nation einnimmt. Laing rechnet, daß in England und Wales die Existenz von 11 Millionen auf einfacher Arbeit beruht. Nach Abzug einer Million Aristokraten und einer anderen Million Armenhäusler, Vagabunden, Verbrecher, Prostituierte usw. von den 18 Millionen der Bevölkerungszahl zur Zeit seiner Schrift bleiben 4 Millionen Mittelklasse mit Einschluß kleinerer Rentner, Beamten, Schriftsteller, Künstler, Schulmeister usw. Um diese 4 Millionen herauszubekommen zählt er zum arbeitenden Teil der Mittelklasse, außer Bankiers usw., alle besserbezahlten „Fabrikarbeiter“! Auch die Maurer fehlen nicht unter den qualifizierten Arbeitern. Bleiben ihm dann die besagten 11 Millionen. (S. Laing, „Das Elend der Nation“ usw., London 1844.) „Die große Klasse, die für ihren Lebensunterhalt nichts zu bieten hat als gewöhnliche Arbeit, bildet die große Masse des Volkes.“ (James Mill in Artikel „Colony“, Nachtrag zur Britischen Enzyklopädie, 1831.)

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