Ergebnisse & Perspektiven des Marxismus

Das Kapital – gekürzte Fassung von Julian Borchardt, 1931

9. Oktober 2021 – Wir veröffentlichen im folgenden erstmals in digitaler Form die von Julian Borchardt zusammengestellte, gekürzte „gemeinverständliche Ausgabe“ von Karl Marx’ Kapital. Wir beginnen zunächst mit einem Auszug aus Borchardts „Vorrede des Herausgebers zur ersten Auflage“, in der er sein Vorgehen beim Zusammenstellen und Kürzen beschreibt, gefolgt von den ersten fünf Kapiteln:

  1. Ware, Preis und Profit

  2. Profit und Warenumsatz

  3. Gebrauchswert und Tauschwert. Die gesellschaftlich notwendige Arbeit

  4. Kauf und Verkauf der Arbeitskraft

  5. Wie der Mehrwert entsteht.

Die weiteren Kapitel folgen in den nächsten Monaten.

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5. Februar 2022 – Kapitel 6, „Konstantes und variables Kapital. Fixes und zirkulierendes (flüssiges) Kapital“, ergänzt.

8. April 2022 – Kapitel 7, „Wie der gleichmäßige Profit zustande kommt“, und Kapitel 8, „Methoden zur Steigerung des Mehrwerts“, ergänzt.

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Julian Borchardt (1868–1932) war seit 1900 Redakteur verschiedener SPD-Zeitungen, 1908 bis 1913 als Wanderredner für die Bildungsarbeit der SPD tätig, insbesondere mit Vorträgen über Nationalökonomie und historischen Materialismus. Gemeinsam mit Hippolyte Vanderrydt fertigte er die erste französischsprachige Übersetzung des zweiten Bandes des Kapital an, die 1900 erschien.

Ab 1913 gab er die Zeitschrift Lichtstrahlen heraus und sammelte eine Gruppe linker Sozialdemokraten, die Internationalen Sozialisten Deutschlands (ISD), um sich. Diese lehnten, wie auch der Spartakusbund von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die „Burgfrieden“-Politik der SPD-Führung ab, d. h. die Unterstützung des kapitalistischen Deutschen Reichs im Ersten Weltkrieg. 1914 trat er aus der SPD aus. Bei der Zimmerwalder Antikriegskonferenz 1915 unterstützte er als einziger deutscher Teilnehmer der Konferenz die von Lenin und Sinowjew geführten „Zimmerwalder Linken“. Diese betonten den imperialistischen Charakter des Krieges, verurteilten die „sozialimperialistische“ Politik der II. Internationale, die ihre jeweiligen Bourgeoisien im Krieg unterstützten, und griffen auch die Zentristen um Kautsky an, die mit linken Phrasen für eine Versöhnung mit den offenen Unterstützern des Imperialismus eintraten. Sie beharrten darauf, dass „nur die soziale Revolution den dauernden Frieden wie die Befreiung der Menschheit verwirklichen kann“.1 1916 wurde Borchardt verhaftet und seine Zeitschrift verboten. In der Novemberrevolution bildeten Borchardts ISD mit anderen Linksradikalen die Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD), die sich Ende 1918 mit dem Spartakusbund zur KPD vereinigten. Borchardt wurde allerdings noch 1918 wegen „anarchistischer Tendenzen“ aus den IKD ausgeschlossen.

In der Folge gehörte er keiner Partei an, betätigte sich weiter als Journalist, Publizist und Lehrer an der Marxistischen Arbeiterschule (MASCH) der KPD. Seine Volksausgabe des Kapital veröffentlichte er erstmals 1920. Bis 1931 erschien sie in sieben Auflagen und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Ein Nachdruck der Ausgabe von 1931 erschien 2018 im Westhafen-Verlag (siehe www.westhafen-verlag.de). 1931 erhielt Borchardt von David Rjasanow eine Berufung an das Marx-Engels-Institut in Moskau, um an der ersten Marx-Engels-Gesamtausgabe mitzuarbeiten. Auf Grund einer Erkrankung starb er jedoch vor der Übersiedlung 1932 in Berlin.

Unsere Digitalisierung basiert auf der Original-Ausgabe der E. Laubschen Verlagsbuchhandlung von 1931. Sämtliche Fußnoten und Randverweise von Borchardt wurden in durchlaufend nummerierte Fußnoten umgewandelt. Zusätzliche Fußnoten oder Ergänzungen von Ergebnisse & Perspektiven sind mit „E&P“ gekennzeichnet und ggf. in eckige Klammern gesetzt. Borchardts Verweise auf die vollständige Ausgabe des Kapital beziehen sich auf die „Volksausgabe“, die 1914/1926/1929 (1. bis 3. Band) von Karl Kautsky herausgegeben wurde. Diese Verweise wurden von uns durch solche auf die im Dietz-Verlag Berlin erschienenen Werke von Marx und Engels (MEW) ergänzt.

Als Begleitlektüre empfehlen wir den Artikel „Marxismus in unserer Zeit“ von Leo Trotzki, der 1939 zuerst als Vorwort zu einer von Otto Rühle herausgegebenen Kurzfassung des ersten Bandes des Kapital erschienen ist.2 Weiterführend verweisen wir auf die Arbeit „The ‚law of the falling tendency of the rate of profit‘ – Its place in the Marxian theoretical system and relevance to the U. S. economy“ von Shane Mage (neu veröffentlicht durch Ergebnisse & Perspektiven am 1. Mai 2020).

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Vorwort des Herausgebers (Auszug)

Nun noch wenige Worte über die Art, wie ich die mir gestellte Aufgabe zu lösen gesucht habe. Mein Bestreben mußte es sein, soviel wie nur irgend möglich Marx’ eigene Worte stehen zu lassen und meine Tätigkeit auf das Auslassen und Umstellen zu beschränken. Wie bereits oben bemerkt, liegt die schwere Verständlichkeit des Marxschen Werkes zu einem großen Teil daran, daß man, um einen Teil richtig aufzufassen, eigentlich alle anderen schon kennen müßte. Es dürfte kaum übertrieben sein, daß die ersten Abschnitte den Laien, der sich zum erstenmal daran wagt, anmuten, als seien sie chinesisch geschrieben. Das liegt eben daran, daß er von dem Geist, von der Anschauungsweise des Werks noch keine Ahnung hat. Ihm diese zu vermitteln, dazu gehört die Kenntnis wichtiger Abhandlungen, die erst im dritten Bande stehen. Mir war deshalb von vornherein klar, daß ich die Reihenfolge der Gedanken und ihrer Abhandlungen ganz und gar umkehren mußte. Vieles von dem, was im dritten Bande steht, mußte ganz an den Anfang gesetzt werden. Auch sonst mußte ich vielfach Abhandlungen, die über verschiedene, oft weit voneinander entlegene Kapitel verteilt sind, zusammenbringen, andere umgekehrt voneinander entfernen und dabei natürlich des öfteren Verbindungssätze schreiben, während im großen und ganzen stets der Wortlaut, wie er von Marx selbst herrührt, stehengeblieben ist.

Damit war schon viel gewonnen. Wer sich vielleicht die Mühe nimmt, meine Bearbeitung mit dem Original zu vergleichen, wird mit Erstaunen bemerken, wie viele sonst äußerst schwer zu fassende Gedankengänge durch die bloße Umkehrung der Reihenfolge klar und verständlich geworden sind.

Nicht minder fruchtbar waren die Auslassungen. Es verstand sich von selbst, daß von den endlosen Wiederholungen des zweiten und dritten Bandes jedesmal nur eine Fassung ausgewählt und aufgenommen wurde. Aber darüber hinaus war es ja überhaupt nicht mein Zweck, das ganze Werk in allen seinen Einzelheiten wiederzugeben. Sondern es mußte eine Auswahl getroffen werden derart, daß der Leser den ganzen grundlegenden Gedankengang mit Marx’ eigenen Worten kennenlernt, ohne doch durch zu großen Umfang des Werks abgeschreckt oder übermüdet zu werden. Wer will, kann ja durch Vergleichung jederzeit feststellen, ob etwa Wesentliches fehlt. Um solche Kontrolle zu erleichtern, habe ich bei allen Kapitelanfängen und auch sonst, so oft es tunlich erschien, am Fuß der Seite angegeben, aus welchen Teilen des Originals ich geschöpft habe.

Trotzdem blieben freilich eine nicht geringe Anzahl von Stellen übrig, die schlechterdings nicht in dem von Marx verfaßten Wortlaut belassen werden konnten. Sie wären sonst unverständhch geblieben und mußten also sozusagen ins Deutsche „übersetzt“ werden. Um auch hier eine Kontrolle zu ermöglichen, ob ich mir dabei etwa unzulässige Freiheiten erlaubt und den Sinn des Originals geändert habe, will ich zwei solcher Stellen als Probe hierhersetzen.

Im ersten Band Kap. 13, 13 heißt es im Original:

„In der einfachen und selbst in der durch Teilung der Arbeit spezifizierten Kooperation erscheint die Verdrängung des vereinzelten Arbeiters durch den vergesellschafteten immer noch mehr oder minder zufällig. Die Maschinerie, mit einigen später zu erwähnenden Ausnahmen, funktioniert nur in der Hand unmittelbar vergesellschafteter oder gemeinsamer Arbeit. Der kooperative Charakter des Arbeitsprozesses wird jetzt also durch die Natur des Arbeitsmittels selbst diktierte technische Notwendigkeit.“

Das habe ich (auf S. 62 dieser Ausgabe) wie folgt umgewandelt:

„In der einfachen, und selbst in der durch Arbeitsteilung verfeinerten Kooperation erscheint die Verdrängung des vereinzelten Arbeiters durch den vergescllschafteten immer noch mehr oder minder zufällig. Die Maschinerie (mit einigen später zu erwähnenden Ausnahmen) erfordert ohne weiteres vergesellschaftete Arbeit (d. h. planmäßig gemeinsame Arbeit vieler). Die Natur des Arbeitsmittels selbst macht jetzt das planmäßige Zusammenwirken zur technischen Notwendigkeit.“

Der zweite Band enthält auf S. 544 die folgende Stelle:

„Fungiert das Geld in den Transaktionen unseres Geldkapitalisten als Zahlungmittel (in der Art, daß die Ware erst in kürzerem oder längerem Termin vom Käufer zu zahlen), so verwandelt sich das zur Kapitalisation bestimmte Mehrprodukt nicht in Geld, sondern in Schuldforderungen, Eigentumstitel auf ein Äquivalent, das der Käufer vielleicht schon im Besitz, vielleicht erst in Aussicht hat.“

Daraus habe ich (auf S. 199) gemacht:

„Sind die Waren, die unser Geldkapitalist verkauft, nicht sofort, sondern erst nach kürzerer oder längerer Frist zahlbar, so wird derjenige Teil des Mehrprodukts, der zum Kapital geschlagen werden soll, nicht zu Geld, sondern zu Schuldforderungen, Eigentumstiteln auf einen Gegenwert, den der Käufer vielleicht schon im Besitz, vielleicht erst in Aussicht hat.“5

Ich schließe, indem ich der Hoffnung Ausdruck gebe, mit dieser Arbeit etwas geleistet zu haben, das nicht nur dem Verständnis von Marx, sondern dem nationalökonomischen Wissen überhaupt und insbesondere der Sache des Sozialismus Nutzen bringt. Besonders würde ich mich freuen, wenn meine gemeinverständliche Ausgabe in recht vielen Lesern den Wunsch erwecken würde, danach auch das Originalwerk selbst zur Hand zu nehmen.

Berlin-Lichterfelde, im August 1919

Julian Borchardt

1 Ware, Preis und Profit6

Die politische Ökonomie handelt von der wirtschaftlichen Versorgung der Menschen mit den Gütern, deren sie zu ihrem Lebensunterhalt bedürfen. Diese geschieht in den modernen kapitalistischen Staaten ausschließlich durch Kauf und Verkauf von Waren, in deren Besitz sich die Menschen setzen, indem sie sie für das Geld kaufen, das ihr Einkommen bildet. Es gibt sehr verschiedene Arten von Einkommen, die sich jedoch in drei große Gruppen zusammenfassen lassen: das Kapital wirft jahraus, jahrein dem Kapitalisten Profit ab, der Boden dem Grundeigentümer Grundrente und die Arbeitskraft – unter normalen Verhältnissen und solange sie eine brauchbare Arbeitskraft bleibt – dem Arbeiter Arbeitslohn. Dem Kapitalisten erscheint sein Kapital, dem Grundeigentümer sein Boden und dem Arbeiter seine Arbeitskraft oder vielmehr seine Arbeit selbst so als drei verschiedene Quellen ihrer Einkünfte, des Profits, der Grundrente und des Arbeitslohns. Und die Einkünfte erscheinen als jährlich zu verzehrende Früchte eines nie vergehenden Baumes oder vielmehr dreier Bäume; sie bilden das jährliche Einkommen dreier Klassen: des Kapitalisten, des Grundeigentümers und des Arbeiters. Aus dem Kapital, dem Grundeigentum und der Arbeit als aus drei verschiedenen, unabhängigen Quellen scheinen also die Werte zu entspringen, welche jene Einkünfte bilden.

Für das Maß der Versorgung mit wirtschaftlichen Gütern sind neben der Höhe der Einkünfte der drei Klassen offenbar die Preise der Waren ausschlaggebend, und die Frage, wonach die Höhe der Preise sich richtet, hat denn auch die politische Ökonomie von jeher auf das eingehendste beschäftigt.

Auf den ersten Blick scheint diese Frage keine Schwierigkeit zu bieten. Betrachten wir ein beliebiges Industrieprodukt, so kommt die Höhe des Preises zustande, indem der Fabrikant auf seine Selbstkosten den in seiner Branche üblichen Profit aufschlägt. Der Preis hängt demnach ab von der Höhe der Selbstkosten und von der Höhe des Profits.

Als Selbstkosten rechnet der Fabrikant alles, was er fiir die Herstellung der Ware ausgegeben hat. Das sind in erster Linie die Ausgaben für Rohstoffe und Hilfsstoffe der Fabrikation (z. B. Baumwolle, Kohlen usw.), ferner für Maschinen, Apparate, Baulichkeiten; sodann was er an Grundrente (z. B. Miete) zahlen muß, und endlich der Arbeitslohn. Man kann also sagen, daß die Selbstkosten des Fabrikanten sich aus drei Posten zusammensetzen:

  1. den Produktionsmitteln (d. h. Rohstoffe, Hilfsstoffe, Maschinen, Apparate, Baulichkeiten);

  2. der zu entrichtenden Grundrente (die auch dann berechnet wird, wenn die Fabrik auf eigenem Grund und Boden steht);

  3. dem Arbeitslohn.

Betrachtet man nun jeden dieser drei Posten näher, so zeigen sich ungeahnte Schwierigkeiten. Nehmen wir zuerst den Arbeitslohn. Je höher oder niedriger er ist, desto höher oder niedriger sind die Selbstkosten, desto höher oder niedriger also auch der Preis der fertigen Ware. Aber wonach richtet sich die Höhe des Arbeitslohnes? Wir wollen sagen, nach Angebot und Nachfrage von Arbeitskraft. Die Nachfrage nach Arbeitskraft geht vom Kapital aus, das Arbeiter für seine Betriebe braucht. Starke Nachfrage nach Arbeitskräften ist also gleichbedeutend mit starker Zunahme des Kapitals. Woraus aber besteht das Kapital? Aus Geld und Waren. Oder vielmehr, da das Geld (wie später noch genauer gezeigt werden wird) auch nur eine Ware ist, so besteht das Kapital einfach aus Waren. Je wertvoller diese Waren, desto größer das Kapital, desto größer die Nachfrage nach Arbeitskräften und ihr Einfluß auf die Höhe des Lohns sowie – weiter wirkend – auf den Preis der Fabrikate. Wonach aber richtet sich der Wert (oder Preis) der Waren, die das Kapital bilden? Nach der Höhe der Selbstkosten, die zu ihrer eigenen Fabrikation nötig waren. Und unter diesen Selbstkosten befindet sich Arbeitslohn! Es wird also letzten Endes die Höhe des Arbeitslohns aus der – Höhe des Arbeitslohns erklärt oder der Preis der Waren aus dem – Preis der Waren!

Außerdem nützt uns das Hereinbringen der Konkurrenz (Nachfrage und Angebot von Arbeitskräften) nichts. Die Konkurrenz macht die Arbeitslöhne steigen oder fallen. Aber gesetzt, Nachfrage und Angebot von Arbeitskraft decken sich. Wodurch wird dann der Arbeitslohn bestimmt?

Oder aber, man nimmt an, daß der Arbeitslohn durch den Preis der notwendigen Lebensmittel der Arbeiter bestimmt wird. Die Lebensmittel jedoch sind selbst Waren, in deren Preisbestimmung der Arbeitslohn mitwirkt, und so liegt der Fehler sofort auf der Hand.

Ein zweiter Posten in den Selbstkosten des Fabrikanten waren die Produktionsmittel. Es bedarf keiner längeren Darlegungen, um einzusehen, daß die Baumwolle, die Maschinen, die Kohlen usw. ebenfalls Waren sind, für die genau das gleiche gilt wie für die Waren, welche die Lebensmittel der Arbeiter oder das Kapital der Kapitalisten bilden.

Der Versuch, die Höhe des Preises aus den Selbstkosten zu erklären, ist also kläglich mißlungen. Er läuft ganz einfach darauf hinaus, die Höhe des Preises aus sich selbst zu erklären.

Auf die Selbstkosten schlägt der Fabrikant den üblichen Profit. Hier scheinen alle Schwierigkeiten beseitigt, denn der Prozentsatz (die Rate) des Profits, den er sich berechnen muß, ist dem Fabrikanten bekannt, er ist in der Branche allgemein üblich. Natürlich schließt das nicht aus, daß ein einzelner Fabrikant infolge besonderer Umstände in einzelnen Fällen mehr oder weniger als den üblichen Profit nimmt. Aber im allgemeinen Durchschnitt ist der Profitsatz in allen Unternehmungen derselben Branche der gleiche. Es besteht also in der Branche eine gemeinsame Durchschnittsprofitrate.

Doch nicht nur das. Auch die Profitraten verschiedener Branchen werden durch die Konkurrenz in einen gewissen Einklang miteinander gesetzt. Das kann ja auch nicht anders sein. Denn sobald in einer Branche besonders hohe Profite gemacht werden, strömen die Kapitale aus anderen Branchen, die nicht so günstig gestellt sind, in die bevorzugte Branche hinein. Oder die fortwährend neu entstehenden Kapitale, die nach gewinnbringender Anlage suchen, wenden sich mit Vorliebe solchen besonders rentablen Branchen zu, die Produktion darin müßte alsbald bedeutend wachsen, und um die stark vermehrten Waren an den Mann zu bringen, müßten die Preise und damit die Profite ermäßigt werden. Das Umgekehrte müßte eintreten, wenn in irgendeiner Branche besonders niedrige Profite gemacht werden: die Kapitale würden diese Branche so schnell wie möglich verlassen, es würde darin um so viel weniger produziert, was eine Erhöhung der Preise und der Profite zur Folge haben müßte.

So wirkt die Konkurrenz auf eine allgemeine Ausgleichung der Profitraten in allen Branchen hin, und man kann mit Recht von einer allgemeinen Durchschnittsprofitrate sprechen, die in sämtlichen Zweigen der Produktion zwar nicht genau, aber doch annähernd die gleiche ist. Allerdings springt das nicht so in die Augen wie die Gleichheit der Profitrate innerhalb einer Branche, weil in den verschiedenen Branchen die allgemeinen Unkosten, die Verwendung und Abnutzung von Maschinen usw. sehr verschieden sein können. Um diese Verschiedenheiten auszugleichen, kann es sein, daß der Bruttoprofit – das ist derjenige Prozentsatz, den der Fabrikant auf seine errechneten Selbstkosten tatsächlich aufschlägt – in der einen Branche wesentlich höher oder niedriger ist als in der anderen. Dies verschleiert den wahren Sachverhalt. Aber nach Abzug der verschiedenen Unkostcn bleibt eben doch in den verschiedenen Branchen ein annähernd gleicher Nettoprofit übrig.

Da somit eine allgemeine Durchschnittsprofitrate besteht, so richtet sich die Höhe des Profits, den eine Unternehmung tatsächlich abwirft, nach der Größe ihres Kapitals. Zwar ist es – wie bereits erwähnt – nicht ganz gleichgültig, ob das Unternehmen Kanonen oder baumwollene Strümpfe fabriziert, weil je nach der Sicherheit der Anlage, der Leichtigkeit des Absatzes usw. der Profitsatz schwankt. Aber diese Unterschiede sind nicht allzu erheblich. Nehmen wir nun an, daß die allgemeine Durchschnittsprofitrate 10% betrage, so leuchtet ein, daß ein Kapital von einer Million 10mal so viel Profit erbringen muß als ein Kapital von 100000 M. (Natürlich unter der Voraussetzung sachgemäßer Geschäftsführung, sowie überhaupt ohne Berücksichtigung aller besonderen Glücks- oder Unglücksfälle, die ein einzelnes Unternehmen treffen können.)

Es kommt hinzu, daß nicht nur die Industriebetriebe – d. h. diejenigen Betriebe, die Waren produzieren – Profit machen, sondern auch die Handelsgeschäfte, welche nur den Umsatz der Waren vom Produzenten bis zum Konsumenten vermitteln; ebenso die Bankgeschäfte, die Transportunternehmer, die Eisenbahnen usw. Und bei ihnen allen richtet sich der Profit, wenn nur die Geschäfte ordentlich erledigt werden, nach der Höhe des in ihnen angelegten Kapitals. Was wunder, daß sich im Bewußtsein derer, welche praktisch mit der Erledigung dieser Geschäfte zu tun haben, die Überzeugung festsetzt, der Profit entstehe gewissermaßen von selbst aus dem Kapital; er wachse aus ihm empor, so wie die Früchte aus einem Baum, wenn er richtig gepflegt wird. Soweit aber nicht als Natureigenschaft des Kapitals, wird der Profit als Frucht der Arbeit des Kapitalisten angesehen. Denn in der Tat: wir mußten immer und immer wieder die Voraussetzung sachgemäßer Geschäftsführung machen. Sehr viel kommt auf die persönliche Tüchtigkeit des Geschaftsführers an. Fehlt es daran, so wird der Profit des einzelnen Unternehmens leicht unter die allgemeine Durchschnittsprofitrate herabsinken, während es einem tüchtigen Geschäftsführer gelingen mag, ihn darüber hinauszutreiben.

2 Profit und Warenumsatz7

Wie kann denn aber „von selbst“ ein Profit aus dem Kapital erwachsen? Zur Produktion einer Ware braucht der Kapitalist eine bestimmte Summe, sagen wir 100 M. Darin sollen seine ganzen Selbstkosten enthalten sein, also Rohstoffe, Zutaten, Arbeitslöhne, Abnutzung von Maschinen, Apparaten, Gebäuden usw. Er verkauft nachher die fertige Ware für 110 M. Annehmen, daß die fertige Ware wirklich 110 M wert sei, hieße annehmen, daß dieser ihr zugewachsene Wert während der Produktion aus nichts entstanden sei. Denn die Werte, die der Kapitalist mit den 100 M bezahlt hat, waren alle schon vor der Produktion dieser Ware vorhanden. Eine solche Schöpfung aus nichts widerstrebt allem gesunden Menschenverstande. Deshalb ist man von jeher und ist man auch heute noch meist der Ansicht, daß während der Produktion der Wert der Ware sich nicht vergrößert, sondern daß auch nach Fertigstellung der Ware der Kapitalist nur denselben Wert in Händen hat wie vorher – in unserem Beispiel also 100 M.

Wo sind aber dann die überschießenden 10 M hergekommen, die er beim Verkauf der Ware kriegt? Durch den bloßen Umstand, daß die Ware aus der Hand des Verkäufers in die des Käufers übergeht, kann ihr Wert ja auch nicht größer werden; denn auch dies wäre eine Schöpfung aus nichts.

Zwei Wege werden gewöhnlich eingeschlagen, um aus dieser Schwierigkeit herauszukommen; die einen sagen: die Ware ist in der Hand des Käufers wirklich mehr wert als in der des Verkäufers, weil sie dem Käufer ein Bedürfnis befriedigt, das der Verkäufer nicht hat; die anderen sagen: die Ware hat in der Tat nicht den Wert, den der Käufer zahlen muß, der Überschuß wird dem Käufer ohne Gegenwert abgenommen.

Betrachten wir beide Wege. Der französische Schriftsteller Condillac schrieb 1776 (in einer Abhandlung über Handel und Regierung): „Es ist falsch, daß man im Warenaustausch gleichen Wert gegen gleichen Wert gibt. Umgekehrt. Jeder der beiden Kontrahenten gibt immer einen kleineren Wert für einen größeren … Tauschte man in der Tat immer gleiche Werte aus, so wäre kein Gewinn zu machen für irgendeinen Kontrahenten. Aber alle beide gewinnen oder sollten doch gewinnen. Warum? Der Wert der Dinge besteht bloß in ihrer Beziehung auf unsere Bedürfnisse. Was für den einen mehr, ist für den andern weniger, und umgekehrt … Wir wollen eine uns nutzlose Sache weggeben, um eine uns notwendige zu erhalten; wir wollen weniger für mehr geben …“

Ein sonderbares Rechenexempel in der Tat! Wenn zwei Leute etwas miteinander austauschen, soll jeder dem andern mehr geben, als er kriegt? Das hieße: wenn ich vom Schneider einen Rock für 20 M kaufe, ist der Rock im Besitze des Schneiders weniger als 20 M wert, in meinem Besitze aber 20 M! Aber auch die Ausflucht, daß der Wert der Dinge bloß in ihrer Beziehung auf unsere Bedürfnisse besteht, hilft nicht weiter. Denn (abgesehen von der Verwechslung zwischen Gebrauchswert und Tauschwert, worauf später zurückzukommen) wenn auch der Rock dem Käufer nützlicher ist als das Geld, so ist doch dem Verkäufer das Geld nützlicher als der Rock.

Wird statt dessen angenommen, daß die Waren allgemein zu einem höheren Preise verkauft werden, als sie wert sind, so ergeben sich noch sonderbarere Konsequenzen. Gesetzt, es sei durch irgendein unerklärliches Privilegium dem Verkäufer gegeben, die Ware über ihrem Werte zu verkaufen, zu 110 M, wenn sie nur 100 M wert ist, also mit einem Preisaufschlag von 10%. Der Verkäufer kassiert also einen Mehrwert von 10 M ein. Aber nachdem er Verkäufer war, wird er Käufer. Ein dritter Warenbesitzer begegnet ihm jetzt als Verkäufer und genießt seinerseits das Privilegium, die Ware 10% zu teuer zu verkaufen. Unser Mann hat als Verkäufer 10 M gewonnen, um als Käufer 10 M zu verlieren. Das Ganze kommt in der Tat darauf hinaus, daß alle Warenbesitzer ihre Waren einander 10% über dem Wert verkaufen, was durchaus dasselbe ist, als ob sie sie zu ihren Werten verkauften. Die Geldnamen, d. h. die Preise der Waren würden anschwellen, aber ihre Wertverhältnisse unverändert bleiben.

Unterstellen wir umgekehrt, es sei das Privilegium des Käufers, die Waren unter ihrem Wert zu kaufen. Hier ist es nicht einmal nötig, zu erinnern, daß der Käufer wieder Verkäufer wird. Er war Verkäufer, bevor er Käufer ward. Er hat bereits 10% als Verkäufer verloren, bevor er 10% als Käufer gewinnt. Alles bleibt wieder beim alten.

Man mag einwenden, daß dieser Ausgleich des Verlustes durch nachfolgenden Gewinn nur für solche Käufer gilt, die später wieder verkaufen, daß es doch aber auch Menschen gibt, die nichts zu verkaufen haben. Die konsequenten Vertreter der Illusion, daß der Mehrwert aus einem nominellen Preisaufschlag entspringt oder aus dem Privilegium des Verkäufers, die Ware zu teuer zu verkaufen, unterstellen daher eine Klasse, die nur kauft, ohne zu verkaufen, also nur konsumiert, ohne zu produzieren. Aber das Geld, womit eine solche Klasse beständig kauft, muß ihr beständig ohne Austausch, umsonst, auf beliebige Rechts- und Gewaltstitel hin von den Warenbesitzern selbst zufließen. Dieser Klasse die Waren über dem Wert verkaufen heißt nur, umsonst weggegebenes Geld sich zum Teil wieder zurückschwindeln. So zahlten im Altertum die kleinasiatischen Städte jährlichen Geldtribut an Rom. Mit diesem Gelde kaufte Rom Waren von ihnen und kaufte sie zu teuer. Die Kleinasiaten prellten die Römer, indem sie den Eroberern einen Teil des Tributs wieder abluchsten auf dem Wege des Handels. Aber dennoch blieben die Kleinasiaten die Geprellten. Ihre Waren wurden ihnen nach wie vor mit ihrem eigenen Gelde gezahlt. Es ist dies keine Methode der Bereicherung oder der Bildung von Mehrwert.

Natürlich soll hiermit keineswegs bestritten werden, daß der einzelne Warenbesitzer sich durch Übervorteilung bei Kauf oder Verkauf bereichern kann. Warenbesitzer A mag so pfiffig sein, seine Kollegen B oder C übers Ohr zu hauen, während sie trotz des besten Willens die Revanche schuldig bleiben. A verkauft Wein zum Wert von 40 M an B und erwirbt im Austausch Getreide zum Wert von 50 M. A hat seine 40 M in 50 M verwandelt, mehr Geld aus weniger Geld gemacht. Aber sehen wir näher zu. Vor dem Austausch hatten wir für 40 M Wein in der Hand von A und für 50 M Getreide in der Hand von B, Gesamtwert 90 M. Nach dem Austausch haben wir denselben Gesamtwert von 90 M. Der umgesetzte Wert hat sich um kein Atom vergrößert, nur seine Verteilung zwischen A und B hat sich verändert. Derselbe Wechsel hätte sich ereignet, wenn A ohne die verhüllende Form des Austausches dem B 10 M direkt gestohlen hätte. Die Summe der umgesetzten Werte kann offenbar durch keinen Wechsel in ihrer Verteilung vermehrt werden, so wenig wie ein Jude die Masse der edlen Metalle in einem Lande dadurch vermehrt, daß er eine Kupfermünze aus dem 18. Jahrhundert für ein Goldstück verkauft. Die Gesamtheit der Kapitalistenklasse eines Landes kann sich nicht selbst übervorteilen.

Man mag sich also drehen und wenden, wie man will, das Fazit bleibt dasselbe. Werden gleiche Werte ausgetauscht, so entsteht kein Mehrwert, und werden ungleiche Werte ausgetauscht, so entsteht auch kein Mehrwert. Die Zirkulation oder der Warenaustausch schafft keinen Wert.

Jedenfalls kann die Wertvergrößerung, die nach dem Verkauf der Ware sichtbar wird, nicht durch den Verkauf entstanden sein. Sie kann nicht aus der Abweichung der Warenpreise von den Warenwerten erklärt werden. Weichen die Preise von den Werten wirklich ab, so muß man sie erst auf die letzteren reduzieren, d. h. von diesem Umstande als einem zufälligen absehen, um nicht durch störende Nebenumstände verwirrt zu werden. Übrigens geschieht diese Reduktion nicht nur in der Wissenschaft. Die beständigen Schwankungen der Marktpreise, ihr Steigen und Sinken, heben sich wechselseitig auf und reduzieren sich selbst zum Durchschnittspreis als ihrer inneren Regel. Diese bildet den Leitstern z. B. des Kaufmanns oder des Industriellen in jeder Unternehmung, die längeren Zeitraum umfaßt. Er weiß also, daß, eine längere Periode im ganzen betrachtet, die Waren wirklich weder unter noch über, sondern zu ihrem Durchschnittspreis verkauft werden. Demgemäß muß die Entstehung des Profits, die Wertvergrößerung erklärt werden unter der Voraussetzung, daß die Waren zu ihren wirklichen Werten verkauft werden. Dann aber muß offenbar der Mehrwert schon in der Produktion entstanden sein. Die Ware muß schon in dem Augenblick, wo sie fertig wird und sich noch in der Hand ihres ersten Verkäufers befindet, so viel wert sein, wie der letzte Käufer, der Konsument, schließlich dafür zahlt. Mit anderen Worten: ihr Wert muß die Selbstkosten des Fabrikanten übersteigen, es muß während der Produktion der Ware neuer Wert entstanden sein.

Dies führt uns auf die Frage, wie denn der Wert der Waren überhaupt entsteht.

3 Gebrauchswert und Tauschwert. Die gesellschaftlich notwendige Arbeit8

Die Ware ist zunächst ein äußerer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt. Jedes nützliche Ding, wie Eisen, Papier usw. ist unter doppeltem Gesichtspunkt zu betrachten, nach Qualität (Beschaffenheit) und Quantität (Menge). Jedes solche Ding hat viele Eigenschaften und kann daher nach verschiedenen Seiten nützlich sein. Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. Aber diese Nützlichkeit schwebt nicht in der Luft. Durch die Eigenschaften des Warenkörpers bedingt, existiert sie nicht ohne ihn. Der Warenkörper selbst, wie Eisen, Weizen, Diamant usw. ist daher ein Gebrauchswert oder Gut.

Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen. Eine bestimmte Menge von einer Ware wird regelmäßig ausgetauscht gegen so und so viel von einer anderen Ware: das ist ihr Tauschwert – ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt. Der Tauschwert scheint daher etwas Zufälliges und rein Relatives zu sein, d. h. (wie Condillac es ausdrückte) er scheint „bloß in der Beziehung der Waren auf unsere Bedürfnisse zu bestehen“. Ein den Waren innewohnender Tauschwert scheint ein Widersinn zu sein. Betrachten wir die Sache näher.

Eine gewisse Ware, ein Zentner Weizen z. B., tauscht sich mit so und so viel Stiefelwichse oder mit so und so viel Seide oder mit so und so viel Gold usw., kurz mit anderen Waren in den verschiedensten Proportionen. Mannigfache Tauschwerte also hat der Weizen. Aber da diese bestimmten Mengen Stiefelwichse, Seide, Gold usw. der Tauschwert von einem Zentner Weizen sind, müssen sie gleich große Tauschwerte sein. Es folgt daher erstens: die gültigen Tauschwerte derselben Ware drücken ein Gleiches aus. Zweitens aber: es muß überhaupt hinter dem Tauschwert ein Gehalt stecken, den er nur ausdrückt.

Nehmen wir ferner zwei Waren, z. B. Weizen und Eisen. Welches immer ihr Austauschverhältnis, es ist stets darstellbar in einer Gleichung, worin ein gegebenes Quantum Weizen irgendeinem Quantum Eisen gleichgesetzt wird. Zum Beispiel ein Zentner Weizen ist gleich zwei Zentner Eisen. Was besagt diese Gleichung? Daß ein Gemeinsames von derselben Größe in zwei verschiedenen Dingen existiert, in einem Zentner Weizen und ebenfalls in zwei Zentnern Eisen. Beide sind also gleich einem Dritten, das an und für sich weder das eine noch das andere ist. Jedes der beiden, soweit es Tauschwert, muß also auf dieses Dritte reduzierbar sein.

Dieses Gemeinsame kann keine natürliche Eigenschaft der Waren sein. Ihre körperlichen Eigenschaften kommen überhaupt nur in Betracht, soweit selbe sie nutzbar machen, also zu Gebrauchswerten. Im Tauschverhältnis wird augenscheinlich vom Gebrauchswert der Waren gerade abgesehen. Da gilt ein Gebrauchswert gerade so viel wie jeder andere, wenn er nur in gehöriger Proportion vorhanden ist. Oder, wie der alte Barbon (1696) sagt: „Die eine Warensorte ist so gut wie die andere, wenn ihr Tauschwert gleich groß ist. Es existiert keine Verschiedenheit oder Unterscheidbarkeit zwischen Dingen von gleich großem Tauschwert … Für 100 M Blei oder Eisen sind von ebenso großem Tauschwert wie für 100 M Silber und Gold.“ Als Gebrauchswerte sind die Waren vor allem von verschiedener Qualität, als Tauschwerte können sie nur von verschiedener Quantität sein.

Sieht man nun vom Gebrauchswert der Warenkörper ab, so bleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten. Jedoch ist uns auch das Arbeitsprodukt bereits in der Hand verwandelt. Sehen wir von seinem Gebrauchswert ab, so sehen wir auch von den körperlichen Bestandteilen und Formen ab, die es zum Gebrauchswert machen. Es ist nicht länger Tisch oder Haus oder Garn oder sonst ein nützlich Ding. Alle seine sinnlichen Beschaffenheiten sind ausgelöscht. Es ist auch nicht länger das Produkt der Tischlerarbeit oder der Bauarbeit oder der Spinnarbeit oder sonst einer bestimmten produktiven Arbeit. Sondern es ist nur noch ein Produkt menschlicher Arbeit schlechthin, abstrakt menschlicher Arbeit, d. h. ein Produkt der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ohne Rücksicht auf die Form ihrer Verausgabung, ohne Rücksicht darauf, ob sie von einem Tischler, einem Maurer, einem Spinner usw. verausgabt ist. Diese Dinge stellen nur noch dar, daß in ihrer Produktion menschliche Arbeitskraft verausgabt, menschliche Arbeit aufgehäuft ist.

Ein Gebauchswert oder Gut hat also nur deshalb einen Wert, weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht ist. Wie nun die Größe seines Wertes messen? Durch das Quantum der in ihm enthaltenen „wertbildenden Substanz“, der Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst mißt sich an ihrer Zeitdauer, und die Arbeitszeit besitzt wieder ihren Maßstab an bestimmten Zeitteilen, wie Stunde, Tag usw.

Wenn der Wert einer Ware durch das während ihrer Produktion verausgabte Quantum Arbeit bestimmt ist, so könnte es scheinen, daß, je fauler oder ungeschickter ein Mann, desto wertvoller seine Ware, weil er desto mehr Zeit zu ihrer Verfertigung braucht. Die Arbeit jedoch, welche die Substanz der Werte bildet, ist gleiche menschliche Arbeit, Verausgabung derselben menschlichen Arbeitskraft. Die gesamte Arbeitskraft der Gesellschaft, die sich in den Werten der Warenwelt darstellt, gilt hier als eine und dieselbe menschliche Arbeitskraft, obgleich sie aus zahllosen individuellen Arbeitskräften besteht. Jede dieser individuellen Arbeitskräfte ist dieselbe menschliche Arbeitskraft wie die andere, soweit sie eine gesellschaftliche Durchschnittsarbeitskraft ist und als solche gesellschaftliche Durchschnittsarbeitskraft wirkt, also in der Produktion einer Ware auch nur die im Durchschnitt notwendige oder gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit braucht. Gesellschaftlich notwendig ist nur diejenige Arbeitszeit, welche erforderlich ist, um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit herzustellen. Nach der Einführung des Dampfwebstuhles in England z. B. genügte vielleicht halb so viel Arbeit als vorher, um ein gegebenes Quantum Garn in Gewebe zu verwandeln. Der englische Handweber brauchte zu dieser Verwandlung in der Tat nach wie vor dieselbe Arbeitszeit, aber das Produkt seiner individuellen Arbeitsstunde stellte jetzt nur noch eine halbe gesellschaftliche Arbeitsstunde dar und fiel daher auf die Hälfte seines früheren Wertes.

Es ist also nur das Quantum gesellschaftlich notwendiger Arbeit oder die zur Herstellung eines Gebrauchswertes gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, welche seine Wertgröße bestimmt. Die einzelne Ware gilt hier überhaupt als Durchschnittsexemplar ihrer Art. Waren, worin gleich große Arbeitsquanta enthalten sind oder die in derselben Arbeitszeit hergestellt werden können, haben daher dieselbe Wertgröße. Der Wert einer Ware verhält sich zum Wert jeder anderen Ware wie die zur Produktion der einen notwendige Arbeitszeit zu der für die Produktion der anderen notwendigen Arbeitszeit. „Als Werte sind alle Waren nur bestimmte Masse festgeronnener Arbeitszeit.“9

Die Wertgröße einer Ware bliebe daher unverändert, wäre die zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit immer dieselbe. Letztere wechselt aber mit jedem Wechsel in der Produktivkraft der Arbeit. Die Produktivkraft der Arbeit ist durch mannigfache Umstände bestimmt, unter anderen durch den Durchschnittsgrad des Geschickes der Arbeiter, die Entwicklungsstufe der Wissenschaft und ihrer technologischen Anwendbarkeit, die Art, wie der Produktionsprozeß geregelt ist, den Umfang und die Wirkungsfähigkeit der Produktionsmittel und durch Naturverhältnisse. Dasselbe Quantum Arbeit stellt sich z. B. mit günstiger Jahreszeit in doppelt so viel Weizen dar wie mit ungünstiger. Dasselbe Quantum Arbeit liefert mehr Metalle in reichhaltigen als in armen Minen usw. Diamanten kommen selten in der Erdrinde vor, und sie zu finden, kostet daher im Durchschnitt viel Arbeitszeit. Folglich stellen sie in wenig Produkt viel Arbeit dar. Mit reichhaltigeren Gruben würde dasselbe Arbeitsquantum sich in mehr Diamanten darstellen und ihr Wert sinken. Gelingt es, mit wenig Arbeit Kohle in Diamant zu verwandeln, so kann sein Wert unter den von Ziegelsteinen fallen. Allgemein: je größer die Produktivkraft der Arbeit, desto kleiner die zur Herstellung eines Artikels erheischte Arbeitszeit, desto kleiner die in ihm enthaltene Arbeitsmasse, desto kleiner sein Wert. Umgekehrt, je kleiner die Produktivkraft der Arbeit, desto größer die zur Herstellung eines Artikels notwendige Arbeitszeit, desto größer sein Wert.

Ein Ding kann Gebrauchswert sein, ohne Wert zu sein. Es ist dies der Fall, wenn sein Nutzen den Menschen ohne Arbeit zur Verfügung steht. So Luft, jungfräulicher Boden, natürliche Wiesen, wildwachsendes Holz usw. Ein Ding kann nützlich und Produkt menschlicher Arbeit sein, ohne Ware zu sein. Wer durch sein Produkt sein eigenes Bedürfnis befriedigt, schafft zwar Gebrauchswert, aber nicht Ware. Um Ware zu produzieren, muß er nicht nur Gebrauchswert produzieren, sondern Gebrauchswert für andere, gesellschaftlichen Gebrauchswert. Endlich kann kein Ding Wert sein, ohne Gebrauchsgegenstand zu sein. Ist es nutzlos, so ist auch die in ihm enthaltene Arbeit nutzlos, zählt nicht als Arbeit und bildet daher keinen Wert.

4 Kauf und Verkauf der Arbeitskraft10

Nachdem wir gesehen haben, daß der Wert der Waren nichts anderes ist als die in ihnen enthaltene menschliche Arbeit, kehren wir zu der Frage zurück, wie es kommt, daß der Fabrikant aus der Produktion seiner Waren einen größeren Wert herausziehen kann, als er in sie hineingetan hat.

Wir wiederholen die Fragestellung: Zur Produktion einer bestimmten Ware braucht der Kapitalist eine bestimmte Summe, sagen wir 100 M. Nachher verkauft er die fertige Ware für 110 M. Da die Untersuchung gezeigt hat, daß der überschießende Wert von 10 M nicht in der Zirkulation (d. h. im Umsatz der Waren) entstanden sein kann, muß er in der Produktion entstanden sein. Und nun handelt es sich darum, nachzuweisen, wie das zugegangen ist.

Zwar ist das Problem zum Teil gelöst, sobald man weiß, daß Wert durch gesellschaftlich notwendige Arbeit entsteht. Um aus den vorhandenen Produktionsmitteln, z. B. Spinnmaschinen und Baumwolle nebst Zubehör, Garn zu machen, wird in der Spinnerei Arbeit geleistet. Soweit diese Arbeit gesellschaftlich notwendig ist, erzeugt sie Wert. Sie setzt also den vorhandenen Produktionsstoffen – in diesem Fall der rohen Baumwolle – einen neuen Wert zu, indem sie zugleich den Wert der vernutzten Maschinen usw. auf das Garn überträgt. Es bleibt jedoch die Schwierigkeit, daß der Kapitalist auch die neu geleistete Arbeit in seinen Selbstkosten bezahlt zu haben scheint. Denn neben dem Wert der Maschinen, Gebäude, Rohstoffe und Zutaten figuriert in seinen Selbstkosten auch der Arbeitslohn. Und den zahlt er doch eben für die geleistete Spinnarbeit. Es scheint also, daß alle nach der Produktion vorhandenen Werte auch schon vor der Produktion vorhanden gewesen seien.

Indessen leuchtet ein, daß der Wert, welcher durch die Spinnarbeit neu erzeugt wird, nicht unbedingt übereinstimmen muß mit dem Wert, welchen der Kapitalist als Arbeitslohn bezahlt. Er kann größer oder kleiner sein. Ist er größer, so hätten wir hier den Ursprung des Mehrwerts gefunden.

Aber haben wir denn nicht die Voraussetzung gemacht, daß bei allen Käufen und Verkäufen der richtige Wert gezahlt wird? Haben wir uns nicht überzeugt, daß Abweichungen der Preise von den Werten zwar oft vorkommen, daß sie uns aber nichts erklären? Es kann deshalb auch der Fall, daß der Kapitalist den Arbeiter unter seinem Wert bezahlt – mag dieser Fall noch so oft vorkommen –, hier nur als Ausnahme betrachtet werden. Die Entstehung des Mehrwertes muß auch für den normalen Fall erklärt werden, daß der Kapitalist den vollen Wert dessen bezahlt, was er für den Arbeitslohn kauft. Es muß deshalb dieser besondere Kauf und Verkauf, der zwischen Kapitalist und Arbeiter vor sich geht, näher betrachtet werden.

Was der Kapitalist durch Zahlung des Lohns in seinen Dienst stellt, was er also dem Arbeiter abkauft, ist dessen Arbeitsvermögen oder Arbeitskraft. Damit jedoch der Geldbesitzer die Arbeitskraft kaufen kann, müssen verschiedene Bedingungen erfüllt sein. Die Arbeitskraft kann als Ware auf dem Markte nur erscheinen, sofern und weil sie von ihrem eigenen Besitzer zum Verkauf angeboten wird. Damit ihr Besitzer sie als Ware verkaufe, muß er über sie verfügen können, also freier Eigentümer seines Arbeitsvermögens, seiner Person sein. Er und der Geldbesitzer begegnen sich auf dem Markt und treten in Verhältnis zueinander als ebenbürtige Warenbesitzer, nur dadurch unterschieden, daß der eine Käufer, der andere Verkäufer, also beide juristisch gleiche Personen sind. Die Fortdauer dieses Verhältnisses erheischt, daß der Eigentümer der Arbeitskraft sie stets nur für eine bestimmte Zeit verkaufe. Denn verkauft er sie in Bausch und Bogen, ein für allemal, so verkauft er sich selbst, verwandelt sich aus einem Freien in einen Sklaven, aus einem Warenbesitzer in eine Ware.

Die zweite wesentliche Bedingung, damit der Geldbesitzer die Arbeitskraft auf dem Markt als Ware vorfinde, ist die, daß ihr Besitzer, statt Waren verkaufen zu können, worin sich seine Arbeit vergegenständlicht hat, vielmehr seine Arbeitskraft selbst, die nur in seiner lebendigen Leiblichkeit existiert, als Ware feilbieten muß. Dies ist der Fall, wenn er keine Produktionsmittel besitzt, z. B. Rohstoffe, Arbeitsinstrumente usw., deren er zur Herstellung von Waren bedarf, und auch keine Lebensmittel, um bis zur Fertigstellung und bis zum Verkauf der Waren sich erhalten zu können.

Der Geldbesitzer muß also den freien Arbeiter auf dem Warenmarkt vorfinden, frei in dem Doppelsinn, daß er als freie Person über seine Arbeitskraft als Ware verfügt, und daß er andererseits andere Waren nicht zu verkaufen hat, los und ledig, frei ist von allen zur Betätigung seiner Arbeitskraft nötigen Sachen.

Die Frage, warum dieser freie Arbeiter ihm auf dem Warenmarkte gegenübertritt, interessiert den Geldbesitzer nicht. Und einstweilen interessiert sie uns ebensowenig. Eins jedoch ist klar: die Natur produziert nicht auf der einen Seite Geld- oder Warenbesitzer und auf der anderen bloße Besitzer der eigenen Arbeitskräfte. Dieses Verhältnis ist kein naturgeschichtliches und ebensowenig ein gesellschaftliches, das allen Geschichtsperioden gemein wäre. Es ist offenbar selbst das Resultat einer vorhergegangenen historischen Entwicklung, das Produkt vieler ökonomischer Umwälzungen, des Unterganges einer ganzen Reihe älterer Formationen der gesellschaftlichen Produktion.

Diese eigentümliche Ware, die Arbeitskraft, ist nun näher zu betrachten. Gleich allen anderen Waren besitzt sie einen Wert. Wie wird er bestimmt?

Der Wert der Arbeitskraft, gleich dem jeder anderen Ware, ist bestimmt durch die zu ihrer Produktion, also auch Reproduktion (Neuherstellung) notwendige Arbeitszeit. Die Arbeitskraft existiert nur als Anlage des lebendigen Individuums, setzt also seine Existenz voraus. Ist das Individuum vorhanden, so wird die Arbeitskraft erzeugt durch seine eigene Erhaltung. Zu seiner Erhaltung bedarf das lebendige Individuum einer gewissen Summe von Lebensmitteln. Die zur Produktion der Arbeitskraft notwendige Arbeitszeit löst sich also auf in die zur Produktion dieser Lebensmittel notwendige Arbeitszeit, oder der Wert der Arbeitskraft ist der Wert der zur Erhaltung ihres Besitzers notwendigen Lebensmittel.

Die Summe der Lebensmittel muß hinreichen, das arbeitende Individuum in seinem normalen Lebenszustand zu erhalten. Die natürlichen Bedürfnisse selbst, wie Nahrung, Kleidung, Heizung, Wohnung usw., sind verschieden je nach der natürlichen Beschaffenheit eines Landes. Andererseits hängt der Umfang der sogenannten notwendigen Bedürfnisse wie die Art ihrer Befriedigung großenteils von der Kulturstufe eines Landes ab, unter anderem auch wesentlich davon, unter welchen Bedingungen und daher mit welchen Gewohnheiten und Lebensansprüchen die Klasse der freien Arbeiter sich gebildet hat. Im Gegensatz zu den anderen Waren enthält also die Wertbestimmung der Arbeitskraft ein historisches und moralisches Element. Für ein bestimmtes Land, zu einer bestimmten Zeit jedoch ist der Durchschnittsumkreis der notwendigen Lebensmittel gegeben.

Der Eigentümer der Arbeitskraft ist sterblich. Soll seinesgleichen dauernd auf dem Markt erscheinen, wie es die dauernden Bedürfnisse des Kapitals verlangen, so müssen die durch Abnutzung oder Tod dem Markt entzogenen Arbeitskräfte zum allermindesten durch eine gleiche Zahl neuer Arbeitskräfte ersetzt werden. Die Summe der zur Produktion der Arbeitskraft notwendigen Lebensmittel schließt also die Lebensmittel der Ersatzkräfte ein, d. h. der Kinder der Arbeiter. – Ferner gehören dazu die Ausbildungskosten zum Erlernen der für einen bestimmten Arbeitszweig erheischten Geschicklichkeit und Fertigkeiten, Kosten, die allerdings für die gewöhnliche Arbeitskraft verschwindend klein sind.

Der Wert der Arbeitskraft besteht aus dem Wert einer bestimmten Summe von Lebensmitteln. Er wechselt daher auch mit dem Wert dieser Lebensmittel, d. h. mit der Größe der zu ihrer Produktion erheischten Arbeitszeit. Ein Teil der Lebensmittel, z. B. Nahrungsmittel, Heizmaterial usw., werden täglich verzehrt und müssen täglich ersetzt werden. Andere Lebensmittel, wie Kleider, Möbel usw. verbrauchen sich in längeren Zeiträumen und sind daher nur in längeren Zeiträumen zu ersetzen. Waren einer Art müssen täglich, andere wöchentlich, vierteljährlich usw. gekauft oder gezahlt werden. Wie sich die Summe dieser Ausgaben aber immer während eines Jahres z. B. verteilen möge, sie muß gedeckt sein durch die Durchschnittseinnahmen tagein, tagaus. Der wirkliche Tageswert der Arbeitskraft wird also herauskommen, wenn man den Wert aller notwendigen Lebensmittel, die der Arbeiter das Jahr über verbraucht, zusammenzählt und die Summe durch 365 teilt. Angenommen, in dieser für den Durchschnittstag nötigen Warenmenge steckten sechs Stunden gesellschaftlicher Arbeit, so vergegenständlicht sich in der Arbeitskraft täglich ein halber Tag gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit oder ein halber Arbeitstag ist zur täglichen Produktion der Arbeitskraft erheischt.11 Dieses zu ihrer täglichen Produktion erheischte Arbeitsquantum bildet den Tageswert der Arbeitskraft oder den Wert der täglich reproduzierten Arbeitskraft. Wenn sich ein halber Tag gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit ebenfalls in einer Goldmenge zum Werte von 3 M oder einem Taler darstellt, so ist ein Taler der dem Tageswert der Arbeitskraft entsprechende Preis. Bietet der Besitzer der Arbeitskraft sie feil für einen Taler täglich, so ist ihr Verkaufspreis gleich ihrem Wert, und nach unserer Voraussetzung zahlt der Geldbesitzer diesen Wert.

Die eigentümliche Natur der Ware Arbeitskraft bringt es mit sich, daß mit der Abschließung des Kontrakts zwischen Käufer und Verkäufer ihr Gebrauchswert noch nicht wirklich in die Hand des Käufers übergegangen ist. Ihr Gebrauchswert besteht erst in der nachträglichen Kraftäußerung. Die Veräußerung der Kraft und ihre wirkliche Äußerung fallen daher der Zeit nach auseinander. Bei solchen Waren aber, wo die formelle Veräußerung des Gebrauchswerts durch den Verkauf und seine wirkliche Überlassung an den Käufer der Zeit nach auseinanderfallen, geschieht die Zahlung meist auch erst nachträglich. In allen Ländern kapitalistischer Produktionsweise wird die Arbeitskraft erst gezahlt, nachdem sie bereits funktioniert hat, z. B. am Ende jeder Woche. Überall schießt daher der Arbeiter dem Kapitalisten den Gebrauchswert der Arbeitskraft vor; er läßt sie vom Kaufer konsumieren, bevor er ihren Preis bezahlt erhält. Überall kreditiert daher der Arbeiter dem Kapitalisten.

5 Wie der Mehrwert entsteht12

Der Gebrauch der Arbeitskraft ist die Arbeit selbst. Der Käufer der Arbeitskraft konsumiert sie, indem er ihren Verkäufer arbeiten läßt. Mit Kennerblick hat der Kapitalist die für sein besonderes Geschäft, Spinnerei, Stiefelfabrikation usw., passenden Produktionsmittel und Arbeitskräfte ausgewählt und läßt nun den Arbeiter durch seine Arbeit die Produktionsmittel verbrauchen. Er muß die Arbeitskraft zunächst nehmen, wie er sie vorfindet, also auch ihre Arbeit, wie sie zu einer Zeit entsprang, wo es noch keinen Kapitalisten gab. Die Verwandlung der Produktionsweise selbst durch die Unterordnung der Arbeit unter das Kapital kann sich erst später ereignen und ist daher erst später zu betrachten.

Der Arbeitsprozeß, als Gebrauch der dem Kapitalisten verkauften Arbeitskraft des Arbeiters, zeigt nun zwei Eigentümlichkeiten.

Der Arbeiter arbeitet unter der Kontrolle des Kapitalisten. Dieser paßt auf, daß die Arbeit ordentlich vonstatten geht und die Produktionsmittel zweckmäßig verwandt werden. Mit anderen Worten: die Selbständigkeit des Arbeiters beim Arbeitsprozeß ist dahin.

Zweitens aber: Das Produkt ist Eigentum des Kapitalisten, nicht des Arbeiters. Da der Kapitalist – nach unserer Voraussetzung – den Tageswert der Arbeitskraft zahlt, so gehört ihm deren Gebrauch. Ebenso gehören ihm die anderen zur Erzeugung des Produkts nötigen Elemente, die Produktionsmittel. Folglich geht der Arbeitsprozeß zwischen Dingen vor sich, die der Kapitalist sämtlich gekauft hat, und somit ist das Produkt sein Eigentum.

Dieses Produkt ist ein Gebrauchswert, Garn, Stiefel usw. Aber obgleich Stiefel z. B. gewissermaßen die Basis des gesellschaftlichen Fortschritts bilden und unser Kapitalist ein entschiedener Fortschrittsmann ist, fabriziert er die Stiefel nicht ihrer selbst wegen. Gebrauchswerte werden hier überhaupt nur produziert, weil und sofern sie Träger des Tauschwerts sind. Unserm Kapitalisten handelt es sich um zweierlei: Erstens will er einen Gebrauchswert produzieren, der einen Tauschwert hat, einen zum Verkauf bestimmten Artikel, eine Ware. Und zweitens will er eine Ware produzieren, deren Wert höher ist als die Wertsumme der Produktionsmittel und der Arbeitskraft, für die er sein gutes Geld auf dem Warenmarkt vorschoß. Er will nicht nur einen Gebrauchswert produzieren, sondern Wert, und nicht nur Wert, sondern auch Mehrwert.

Wir wissen, daß der Wert jeder Ware bestimmt ist durch das Quantum der in ihr enthaltenen Arbeit. Dies gilt auch für das Produkt, das sich unserm Kapitalisten als Resultat des Arbeitsprozesses ergab. Es ist also zunächst die in diesem Produkt vergegenständlichte Arbeit zu berechnen.

Es sei z. B. Garn. Zur Herstellung des Garns war zuerst sein Rohmaterial nötig, z. B. 10 Pfund Baumwolle. Wie hoch der Wert der Baumwolle, ist nicht erst zu untersuchen, denn der Kapitalist hat sie zu ihrem Wert, z. B. zu 10 M, gekauft. In dem Preis der Baumwolle ist die zu ihrer Produktion erheischte Arbeit schon als allgemein gesellschaftliche Arbeit dargestellt. Wir wollen ferner annehmen, daß die in der Verarbeitung der Baumwolle verzehrten Arbeitsmittel, die Spindeln usw., einen Wert von 2 M besitzen. Ist eine Goldmenge von 12 M das Produkt von 24 Arbeitsstunden oder 2 Arbeitstagen, so folgt zunächst, daß im Garn 2 Arbeitstage vergegenständlicht sind. Die zur Produktion der Baumwolle erheischte Arbeitszeit ist Teil der zur Produktion des Garns, dessen Rohmaterial sie bildet, erheischten Arbeitszeit und deshalb im Garn enthalten. Ebenso verhält es sich mit der Arbeitszeit, die zur Produktion der Spindeln erheischt ist, ohne deren Verschleiß die Baumwolle nicht versponnen werden kann. Jedoch ist vorausgesetzt, daß nur die unter den gegebenen gesellschaftlichen Produktionsbedingungen notwendige Arbeitszeit verwandt wurde. Wäre also nur 1 Pfund Baumwolle nötig, um 1 Pfund Garn zu spinnen, so darf nur 1 Pfund Baumwolle verzehrt sein in der Bildung von 1 Pfund Garn. Ebenso verhält es sich mit der Spindel. Hat der Kapitalist die Phantasie, goldene statt eiserner Spindeln anzuwenden, so zählt im Garnwert dennoch nur die gesellschaftlich notwendige Arbeit, d. h. die zur Produktion eiserner Spindeln notwendige Arbeitszeit.

Nunmehr handelt es sich um den Wertteil, welchen die Arbeit des Spinners selbst der Baumwolle zusetzt. Wir nehmen an, daß die Spinnarbeit einfache Arbeit, gesellschaftliche Durchschnittsarbeit ist. Man wird später sehen, daß die gegenteilige Annahme nichts an der Sache ändert.

Es ist nun entscheidend wichtig, daß während der Dauer des Spinnprozesses nur die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit verzehrt wird. Müssen unter normalen Produktionsbedingungen 1231\frac{2}{3} Pfund Baumwolle während einer Arbeitsstunde in 1231\frac{2}{3} Pfund Garn verwandelt sein,13 so gilt nur der Arbeitstag als Arbeitstag von 12 Stunden, der 12×12312\times 1\frac{2}{3} Pfund Baumwolle in 12×12312\times 1\frac{2}{3} Pfund Garn verwandelt. Denn nur die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zählt als wertbildend.

Daß die Arbeit gerade Spinnarbeit, ihr Material Baumwolle und ihr Produkt Garn, ist für die Wertbildung vollkommen gleichgültig. Wäre der Arbeiter, statt in der Spinnerei, in der Kohlengrube beschäftigt, so wäre der Arbeitsgegenstand, die Kohle, von Natur vorhanden. Dennoch stellte ein bestimmtes Quantum aus dem Bett losgebrochener Kohle, z. B. 1 Zentner, ein bestimmtes Quantum aufgesaugter Arbeit dar.

Beim Verkauf der Arbeitskraft ward unterstellt, daß ihr Tageswert = 3 M, und daß in 3 M 6 Arbeitsstunden verkörpert sind, daß also 6 Arbeitsstunden erforderlich sind, um die Durchschnittssumme der täglichen Lebensmittel des Arbeiters zu produzieren. Verwandelt unser Spinner nun während einer Arbeitsstunde 1231\frac{2}{3} Pfund Baumwolle in 1231\frac{2}{3} Pfund Garn, so in 6 Stunden 10 Pfund Baumwolle in 10 Pfund Garn. Während der Dauer des Spinnprozesses saugt die Baumwolle also 6 Arbeitsstunden ein. Dieselbe Arbeitszeit stellt sich in einem Goldquantum von 3 M dar. Der Baumwolle wird also durch das Spinnen selbst ein Wert von 3 M zugesetzt.

Sehen wir uns nun den Gesamtwert des Produkts, der 10 Pfund Garn, an. In ihnen sind 2122\frac{1}{2} Arbeitstage vergegenständlicht, 2 Tage enthalten in Baumwolle und Arbeitsmitteln, 12\frac{1}{2} Tag Arbeit eingesaugt während des Spinnprozesses. Dieselbe Arbeitszeit stellt sich in einer Goldmasse von 15 M dar. Der dem Wert der 10 Pfund Garn entsprechende Preis beträgt also 15 M, der Preis eines Pfundes Garn 1121\frac{1}{2} M.

Unser Kapitalist stutzt. Der Wert des Produkts ist gleich dem Wert des vorgeschossenen Kapitals. Der vorgeschossene Wert hat sich nicht verwertet, hat keinen Mehrwert erzeugt. Der Preis der 10 Pfund Garn ist 15 M, und 15 M wurden verausgabt: 10 M für Baumwolle, 2 M für die verzehrten Arbeitsmittel und 3 M für Arbeitskraft.

Der Kapitalist sagt vielleicht, er habe sein Geld mit der Absicht vorgeschossen, mehr Geld daraus zu machen. Der Weg zur Hölle ist jedoch mit guten Absichten gepflastert, und er konnte ebensogut der Absicht sein, Geld zu machen, ohne zu produzieren. Er droht. Man werde ihn nicht wieder ertappen. Künftig werde er die Ware fertig auf dem Markt kaufen, statt sie selbst zu fabrizieren. Wenn aber alle seine Brüder Kapitalisten desgleichen tun, wo soll er Ware auf dem Markt finden? Und Geld kann er nicht essen. Er wird salbungsvoll. Man soll seine Aufopferung bedenken. Er konnte seine 15 M verprassen. Statt dessen hat er sie produktiv verwandt und Garn daraus gemacht. Aber dafür ist er ja im Besitz von Garn statt von Gewissensbissen. Außerdem, wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren. Welches immer das Verdienst seiner Entsagung, es ist nichts da, um sie extra zu zahlen, da der Wert des Produkts, das aus dem Prozeß herauskommt, nur gleich der Summe der hineingeworfenen Warenwerte. Er beruhige sich also dabei, daß Tugend der Tugend Lohn. Statt dessen wird er zudringlich. Das Garn ist ihm unnütz. Er hat es für den Verkauf produziert. So verkaufe er es oder, noch besser, produziere in Zukunft nur Dinge für seinen eigenen Bedarf. Er stellt sich trutzig auf die Hinterbeine. Sollte der Arbeiter mit seinen eigenen Gliedmaßen in der blauen Luft Waren produzieren? Gab er ihm nicht den Stoff, womit und worin er allein seine Arbeit verleiblichen kann? Da nun der größte Teil der Gesellschaft aus solchen Habenichtsen besteht, hat er nicht der Gesellschaft durch seine Produktionsmittel, seine Baumwolle und seine Spindeln, einen unermeßlichen Dienst erwiesen? Nicht dem Arbeiter selbst, den er obendrein noch mit Lebensmitteln versah? Und soll er den Dienst nicht berechnen? Hat der Arbeiter ihm aber nicht den Gegendienst erwiesen, Baumwolle und Spindel in Garn zu verwandeln? Außerdem handelt es sich hier nicht um Dienste. Ein Dienst ist nichts als die nützliche Wirkung eines Gebrauchswerts, sei es der Ware, sei es der Arbeit. Hier aber gilt’s den Tauschwert. Er zahlte dem Arbeiter den Wert von 3 M. Der Arbeiter gab ihm einen genau gleichen Wert zurück in dem der Baumwolle zugesetzten Wert von 3 M, Wert für Wert. Unser Freund, eben noch so kapitalübermütig, nimmt plötzlich die anspruchslose Haltung seines eigenen Arbeiters an. Hat er nicht selbst gearbeitet?, nicht die Arbeit der Überwachung, der Oberaufsicht über den Spinner verrichtet? Bildet diese seine Arbeit nicht auch Wert? Sein eigener Werkmeister und sein Geschäftsführer zucken die Achseln. Unterdes hat er aber bereits mit heiterem Lächeln seine alte Miene wieder angenommen. Er foppte uns mit der ganzen Litanei. Er gibt keinen Deut darum. Er überläßt diese und ähnliche faule Ausflüchte und hohle Flausen den dafür eigens bezahlten Professoren der politischen Ökonomie. Er selbst ist ein praktischer Mann, der zwar nicht immer bedenkt, was er außerhalb des Geschäfts sagt, aber stets weiß, was er im Geschäft tut.

Sehen wir näher zu. Der Tageswert der Arbeitskraft betrug 3 M, weil in ihr selbst ein halber Arbeitstag vergegenständlicht ist, d. h. weil die täglich zur Produktion der Arbeitskraft nötigen Lebensmittel einen halben Arbeitstag kosten. Aber die vergangene Arbeit, die in der Arbeitskraft steckt, und die lebendige Arbeit, die sie leisten kann, ihre täglichen Erhaltungskosten und ihre tägliche Verausgabung, sind zwei ganz verschiedene Größen. Daß ein halber Arbeitstag nötig, um ihn während 24 Stunden am Leben zu erhalten, hindert den Arbeiter keineswegs, einen ganzen Tag zu arbeiten. Der Wert der Arbeitskraft und ihre Verwertung im Arbeitsprozeß sind zwei verschiedene Größen. Diese Wertdifferenz hatte der Kapitalist im Auge, als er die Arbeitskraft kaufte. Ihre nützliche Eigenschaft, Garn oder Stiefel zu machen, war nur eine unerläßliche Nebenbedingung, weil Arbeit in nützlicher Form verausgabt werden muß, um Wert zu bilden. Was aber entschied, war der besondere Gebrauchswert dieser Ware, Quelle von Wert zu sein und von mehr Wert, als sie selbst hat. Dies ist der Dienst, den der Kapitalist von ihr erwartet. Und er verfährt dabei den ewigen Gesetzen des Warenaustausches gemäß. In der Tat, der Verkäufer der Arbeitskraft wie der Verkäufer jeder anderen Ware bekommt ihren Tauschwert und veräußert ihren Gebrauchswert. Der Gebrauchswert der Arbeitskraft, die Arbeit selbst, gehört ebensowenig ihrem Verkäufer, wie der Gebrauchswert des verkauften Öls dem Ölhändler. Der Geldbesitzer hat den Tageswert der Arbeitskraft gezahlt, ihm gehört daher ihr Gebrauch während des Tages, die tagelange Arbeit. Der Umstand, daß die tägliche Erhaltung der Arbeitskraft nur einen halben Arbeitstag kostet, obgleich die Arbeitskraft einen ganzen Tag wirken kann, daß daher der Wert, den ihr Gebrauch während eines Tages schafft, doppelt so groß ist als ihr eigener Tageswert, ist ein besonderes Glück für den Käufer, aber durchaus kein Unrecht gegen den Verkäufer.

Unser Kapitalist hat den Kasus, der ihn lachen macht, vorgesehen. Der Arbeiter findet daher in der Werkstätte die nötigen Produktionsmittel nicht nur für einen 6stündigen, sondern für einen 12stündigen Arbeitsprozeß. Saugten 10 Pfund Baumwolle 6 Arbeitsstunden ein und verwandelten sich in 10 Pfund Garn, so werden 20 Pfund Baumwolle 12 Arbeitsstunden einsaugen und in 20 Pfund Garn verwandelt. Betrachten wir das Produkt des verlängerten Arbeitsprozesses. In den 20 Pfund Garn sind jetzt 5 Arbeitstage vergegenständlicht, 4 in dem verzehrten Quantum Baumwolle und Arbeitsmittel, einer von der Baumwolle eingesaugt während des Spinnprozesses. Der Goldausdruck von 5 Arbeitstagen ist aber 30 M. Das ist also der Preis der 20 Pfund Garn. Das Pfund Garn kostet nach wie vor 1121\frac{1}{2} M. Aber die Wertsumme der in den Prozeß geworfenen Waren betrug 27 M, der Wert des Garns beträgt 30 M. Der Wert des Produkts ist um 19\frac{1}{9} gewachsen über den zu seiner Produktion vorgeschossenen Wert. So haben sich 27 M in 30 M verwandelt. Sie haben einen Mehrwert von 3 M gesetzt. Das Kunststück ist endlich gelungen.

Alle Bedingungen des Problems sind gelöst und die Gesetze des Warenaustausches in keiner Weise verletzt. Gleicher Wert wurde gegen gleichen Wert ausgetauscht. Der Kapitalist zahlte als Käufer jede Ware zu ihrem Wert, Baumwolle, Spindeln, Arbeitskraft. Er tat dann, was jeder andere Käufer von Waren tut: er konsumierte ihren Gebrauchswert. Der Verbrauch der Arbeitskraft ergab ein Produkt von 20 Pfund Garn mit einem Wert von 30 M. Der Kapitalist kehrt nun zum Markt zurück und verkauft Ware, nachdem er Ware gekauft hat. Er verkauft das Pfund Garn zu 1121\frac{1}{2} M, keinen Deut über oder unter seinem Wert. Und doch zieht er 3 M mehr aus der Zirkulation heraus, als er ursprünglich in sie hineinwarf.

Vergleichen wir nun Wertbildungsprozeß und Verwertungsprozeß, so ist der Verwertungsprozeß nichts als ein über einen gewissen Punkt hinaus verlängerter Werbildungsprozeß. Dauert der letztere nur bis zu dem Punkt, wo der vom Kapital gezahlte Wert der Arbeitskraft ersetzt ist, so ist er einfacher Wertbildungsprozeß. Dauert der Wertbildungsprozeß über diesen Punkt hinaus, so wird er Verwertungsprozeß.

Als wertbildend zählt die Arbeit aber nur, soweit die zur Produktion des Gebrauchswertes verbrauchte Zeit gesellschaftlich notwendig ist. Die Arbeitskraft muß unter normalen Bedingungen funktionieren. Ist die Spinnmaschine das gesellschaftlich herrschende Arbeitsmittel für die Spinnerei, so darf dem Arbeiter nicht ein Spinnrad in die Hand gegeben werden. Statt Baumwolle von normaler Güte muß er nicht Schund erhalten, der jeden Augenblick reißt. In beiden Fällen würde er mehr als die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur Produktion eines Pfundes Garn verbrauchen, diese überschüssige Zeit würde aber nicht Wert oder Geld bilden. Ferner muß die Arbeitskraft selbst normal sein. In dem Fach, worin sie verwandt wird, muß sie das herrschende Durchschnittsmaß von Geschick, Fertigkeit und Raschheit besitzen. Sie muß in dem gewöhnlichen Durchschnittsmaß der Anstrengung, mit dem gesellschaftlich üblichen Grad von Intensität verausgabt werden. Darüber wacht der Kapitalist ebenso ängstlich, als daß keine Zeit ohne Arbeit vergeudet wird. Er hat die Arbeitskraft für bestimmte Zeitfrist gekauft. Er hält darauf, das Seine zu haben. Er will nicht bestohlen sein. Endlich darf kein zweckwidriger Verbrauch von Rohmaterial und Arbeitsmitteln stattfinden, weil vergeudetes Material oder Arbeitsmittel überflüssig verausgabte Arbeit darstellen, also nicht zählen und nicht in das Produkt der Wertbildung eingehen.

Es wurde früher bemerkt, daß es für den Verwertungsprozeß durchaus gleichgültig ist, ob die vom Kapitalisten angeeignete Arbeit einfache gesellschaftliche Durchschnittsarbeit oder komplizierte Arbeit ist. Die Arbeit, die als höhere, kompliziertere Arbeit gilt, ist die Äußerung einer Arbeitskraft, worin höhere Bildungskosten eingehen, deren Produktion mehr Arbeitszeit kostet und die daher einen höheren Wert hat als die einfache Arbeitskraft. Ist der Wert dieser Kraft höher, so äußert sie sich aber auch in höherer Arbeit und vergegenständlicht sich daher, in denselben Zeiträumen, in verhältnismäßig höheren Werten. Welches jedoch immer der Gradunterschied zwischen Spinnarbeit und Juwelierarbeit, die Portion Arbeit, wodurch der Juwelenarbeiter nur den Wert seiner eigenen Arbeitskraft ersetzt, unterscheidet sich qualitativ in keiner Weise von der zusätzlichen Portion Arbeit, wodurch er Mehrwert schafft. Nach wie vor kommt der Mehrwert nur heraus durch die verlängerte Dauer desselben Arbeitsprozesses, in dem einen Fall Garnproduktion, in dem andern Fall Juwelenproduktion.14

6 Konstantes und variables Kapital. Fixes und zirkulierendes (flüssiges) Kapital15

Nachdem wir nun wissen, daß und auf welche Weise der Mehrwert in der Produktion der Ware entsteht, ist es klar, daß der in jedem einzelnen Unternehmen erzeugte Mehrwert verschieden groß sein muß, und zwar ohne Rücksicht auf die Größe des Kapitals. Denn wir haben gesehen, daß der Mehrwert nur aus der lebendigen, neu geleisteten Arbeit entspringt, nicht aus den schon vorhandenen Produktionsmitteln. In unserem Beispiel des Baumwollspinners hat der Kapitalist für die sämtlichen Produktionsmittel (Baumwolle und Arbeitsinstrumente) 24 M bezahlt; dazu 3 M Arbeitslohn. An den 24 M – d. h. an dem Wert der Produktionsmittel – hat die Spinnarbeit nichts geändert; sie hat ihn in genau derselben Größe auf das Garn übertragen. Dagegen sind die 3 M Arbeitslohn verzehrt worden, und an ihre Stelle ist ein neuer Wert von 6 M getreten.

Der Teil des Kapitals also, den der Kapitalist für Produktionsmittel – d. h. für Rohmaterial, Hilfsstoffe und Arbeitsmittel – verwendet, ändert seine Wertgröße nicht im Produktionsprozeß. Wir nennen ihn daher konstantes Kapital.

Der in Arbeitskraft umgesetzte Teil des Kapitals verändert dagegen seinen Wert im Produktionsprozeß. Er reproduziert seinen eigenen Wert und einen Überschuß darüber, den Mehrwert, der selbst größer oder kleiner sein kann. Aus einer konstanten (feststehenden) Größe verwandelt sich dieser Teil des Kapitals fortwährend in eine variable (veränderliche). Wir nennen ihn daher variables Kapital.

Nun liegt auf der Hand, daß auf dieselbe Menge Arbeitslohn (variables Kapital) in den verschiedenen Branchen sehr verschiedene Mengen Produktionsmittel (konstantes Kapital) kommen können. In einer Maschinenfabrik wird die Masse Produktionsmittel, die eine Arbeitskraft verarbeitet, anders sein als in einer Baumwollspinnerei, wieder anders in einer Kohlengrube usw. Die organische Zusammensetzung“ des Kapitals (wie wir dieses Verhältnis zwischen seinem konstanten und seinem variablen Teil nennen wollen), wechselt also von Branche zu Branche. Die allerverschiedensten Verhältnisse sind da nicht nur denkbar, sondern auch wirklich vorhanden.

Stellen wir uns nun drei verschiedene Kapitale (aus drei verschiedenen Branchen) mit der folgenden organischen Zusammensetzung vor: I80c(konstant)+20v(variabel)II50c+50vIII20c+80v\begin{aligned} \mathrm{I}\quad 80\ & c\ \mathrm{(konstant)} & + 20\ & v\ \mathrm{(variabel)} \\ \mathrm{II}\quad 50\ & c & + 50\ & v \\ \mathrm{III}\quad 20\ & c & + 80\ & v \end{aligned}

Wenn wir annehmen, daß die Ausnutzung der Arbeitskraft in allen drei Branchen genau dieselbe ist, also z. B. daß überall die Arbeitskräfte genau doppelt so viel Wert liefern, wie sie im Arbeitslohn kriegen, so ergibt sich folgendes Resultat: KapitalIerzielt20m(Mehrwert),,II,,50,,,,,,III,,80,,,,\begin{aligned} & \mathrm{Kapital} & \mathrm{I} & \mathrm{erzielt} & 20\ & m\ \mathrm{(Mehrwert)} \\ & \quad \mathrm{,,} & \mathrm{II} & \mathrm{,,}\quad & 50\ & \mathrm{,,}\qquad \mathrm{,,} \\ & \quad \mathrm{,,} & \mathrm{III} & \mathrm{,,}\quad & 80\ & \mathrm{,,}\qquad \mathrm{,,} \end{aligned}

Da der Profit als Prozentsatz des Überschusses auf das ganze verzehrte Kapital berechnet wird, so bedeutet dies einen Profit von 20% und 50% und 80%. Dazu kommt noch, daß ja die Ausnutzung der Arbeiter nicht überall dieselbe, sondern in dem einen Unternehmen größer, in dem anderen kleiner ist. Es kommt ferner hinzu, daß noch andere Umstände auf die Größe des Mehrwerts in den einzelnen Branchen und sogar in den einzelnen Unternehmungen einwirken, wie z. B. die Geschwindigkeit, mit der das Kapital umgeschlagen wird, wovon später noch zu handeln. Aus alledem folgt, daß die Menge des wirklich erzeugten Mehrwerts noch nicht einmal von einem Unternehmen zum andern, geschweige denn von einer Branche zur andern gleich sein kann. Wie kommt trotzdem die doch tatsächlich vorhandene gleiche Profitrate zustande?

Nehmen wir fünf verschiedene Produktionszweige mit jedesmal verschiedener organischer Zusammensetzung der in ihnen angelegten Kapitale (und unter der Voraussetzung, daß die Arbeitskraft jedesmal 100% ihres eigenen Wertes als Mehrwert liefert), etwa wie folgt:

Kapital Mehrwert Wert des Produkts Profitrate
I. 80cc + 20vv 20 120 20%
II. 70cc + 30vv 30 130 30%
III. 60cc + 40vv 40 140 40%
IV. 85cc + 15vv 15 115 15%
V. 95cc + 5vv 5 105 5%

Wir haben hier für verschiedene Branchen bei gleichmäßiger Ausnutzung der Arbeit sehr verschiedene Profitraten.

Die Gesamtsumme der in den fünf Branchen angelegten Kapitale ist = 500; die Gesamtsumme des von ihnen produzierten Mehrwertes = 110; der Gesamtwert der von ihnen produzierten Waren = 610. Betrachten wir die 500 als ein einziges Kapital, von dem I bis V nur verschiedene Teile bilden (wie etwa in einer Baumwollfabrik in den verschiedenen Abteilungen, im Kardierraum, Vorspinnraum, Spinnsaal und Websaal verschiedenes Verhältnis von variablem und konstantem Kapital existiert und das Durchschnittsverhältnis für die ganze Fabrik erst berechnet werden muß), so wäre erstens die Durchschnittszusammensetzung des Kapitals von 500 = 390cc+ 110vv oder, in Prozente umgerechnet, 78cc + 22vv. Jedes der Kapitale von 100 nur als 15\frac{1}{5} des Gesamtkapitals betrachtet, wäre seine Zusammensetzung diese durchschnittliche von 78cc + 22vv; ebenso fiele auf jedes 100 als durchschnittlicher Mehrwert 22. Daher wäre die Durchschnittsrate des Profits 22%, und endlich wäre der Preis von jedem Fünftel des Gesamtprodukts = 122. Das Produkt von jedem Fünftel des vorgeschossenen Gesamtkapitals müßte also zu 122 verkauft werden.

Nun ist aber, um nicht zu ganz falschen Schlüssen zu kommen, noch ein Umstand zu berücksichtigen. Das konstante Kapital – d. h. also die Produktionsmittel – besteht selbst wieder aus zwei wesentlich verschiedenen Teilen. Die Produktionsmittel, welche das konstante Kapital bilden, sind von verschiedener Art. Es sind im wesentlichen Gebäude, Maschinen und Apparate, Rohstoffe, Hilfsstoffe; also die Arbeitsmittel, mit deren Hilfe gearbeitet wird, und die Arbeitsgegenstände, an denen die Arbeit sich vollzieht. Es leuchtet ein, daß die Arbeitsmittel in der Produktion eine wesentlich andere Rolle spielen als die Arbeitsgegenstände. Die Kohle, womit die Maschine geheizt wird, verschwindet spurlos, ebenso das Öl, womit man die Achse des Rades schmiert usw. Farbe und andere Hilfsstoffe verschwinden, zeigen sich aber in den Eigenschaften des Produkts. Das Rohmaterial bildet die Substanz des Produkts, hat aber seine Form verändert. Kurz, das Rohmaterial und die Hilfsstoffe werden in der Produktion vollständig verzehrt; von der selbständigen Gestalt, womit sie in den Arbeitsprozeß eintraten, bleibt nichts übrig. Anders mit den Arbeitsmitteln. Ein Instrument, eine Maschine, ein Fabrikgebäude, ein Gefäß usw. dienen im Arbeitsprozeß nur, solange sie ihre ursprüngliche Gestalt bewahren und morgen wieder in eben derselben Form in den Arbeitsprozeß eingehen wie gestern. Wie sie während ihres Lebens, des Arbeitsprozesses, ihre selbständige Gestalt dem Produkt gegenüber bewahren, so auch nach ihrem Tode. Die Leichen von Maschinen, Werkzeugen, Arbeitsgebäuden usw. existieren immer noch getrennt von den Produkten, die sie bilden halfen. Betrachten wir nun die ganze Zeit, während der ein solches Arbeitsmittel dient, von dem Tage seines Eintritts in die Werkstätte bis zum Tage seiner Verbannung in die Rumpelkammer, so ist während dieser Zeit sein Gebrauchswert von der Arbeit vollständig verzehrt worden und sein Tauschwert daher vollständig auf das Produkt übergegangen. Hat eine Spinnmaschine z. B. in 10 Jahren ausgelebt, so ist während des 10jährigen Arbeitsprozesses ihr Gesamtwert auf das 10jährige Produkt übergegangen. Die Lebensperiode eines Arbeitsmittels umfängt also eine größere oder kleinere Anzahl stets von neuem wiederholter Arbeitsprozesse. Und es geht dem Arbeitsmittel wie dem Menschen. Jeder Mensch stirbt täglich um 24 Stunden ab. Man sieht aber keinem Menschen genau an wie, wieviel Tage er bereits verstorben ist. Dies verhindert Lebensversicherungsgesellschaften jedoch nicht, aus dem Durchschnittsleben der Menschen sehr sichere und, was noch viel mehr ist, sehr profitliche Schlüsse zu ziehen. So mit dem Arbeitsmittel. Man weiß aus der Erfahrung, wie lang ein Arbeitsmittel, z. B. eine Maschine von gewisser Art, durchschnittlich vorhält. Gesetzt, sein Gebrauchswert im Arbeitsprozeß dauere nur sechs Tage, so verliert es im Durchschnitt jeden Arbeitstag 16\frac{1}{6} seines Gebrauchswertes und gibt daher 16\frac{1}{6} seines Wertes an das tägliche Produkt ab. In dieser Art wird der Verschleiß aller Arbeitsmittel berechnet.

Es zeigt sich so schlagend, daß ein Produktionsmittel nie mehr Wert an das Produkt abgibt, als es im Arbeitsprozeß durch Vernichtung seines eigenen Gebrauchswertes verliert. Hätte es keinen Wert zu verlieren, d. h. wäre es nicht selbst Produkt menschlicher Arbeit, so würde es keinen Wert an das Produkt abgeben. Es diente als Bildner von Gebrauchswert, ohne als Bildner von Tauschwert zu dienen. Dies ist daher der Fall mit allen Produktionsmitteln, die von Natur, ohne menschliches Zutun, vorhanden sind, mit Erde, Wind, Wasser, dem Eisen in der Erzader, dem Holze des Urwaldes usw.

Wenn aber auch mit vermindertem Tauschwert, so muß doch das Arbeitsmittel stets mit seiner ganzen Leiblichkeit am Produktionsprozeß mitwirken. Eine Maschine sei z. B. 1000 M wert und schleiße sich in 1000 Tagen ab. In diesem Fall geht täglich ein Tausendstel des Wertes der Maschine von ihr selbst auf ihr tägliches Produkt über. Zugleich, wenn auch mit abnehmender Lebenskraft, wirkt stets die Gesamtmaschine im Arbeitsprozeß.

Das Eigentümliche dieses Teils des konstanten Kapitals – der Arbeitsmittel – ist also das: mit der Funktion und daher der Abnutzung des Arbeitsmittels geht ein Teil seines Wertes auf das Produkt über, ein anderer bleibt fixiert im Arbeitsmittel und daher im Produktionsprozeß. Der so fixierte Wert nimmt beständig ab, bis das Arbeitsmittel ausgedient und daher auch sein Wert sich über eine Masse von Produkten verteilt hat, die aus einer Reihe beständig wiederholter Arbeitsprozesse hervorgehen. Solange es aber noch als Arbeitsmittel wirksam ist, also nicht durch ein neues Exemplar derselben Art ersetzt werden muß, bleibt stets konstanter Kapitalwert in ihm fixiert, während ein anderer Teil des ursprünglich in ihm fixierten Wertes auf das Produkt übergeht und daher als Bestandteil des Warenwertes zirkuliert.

Dieser im Arbeitsmittel fixierte Teil des Kapitalwerts zirkuliert so gut wie jeder andere. Der ganze Kapitalwert ist in beständiger Zirkulation begriffen, und in diesem Sinne ist daher alles Kapital zirkulierendes Kapital. Aber die Zirkulation des hier betrachteten Kapitalteils ist eigentümlich. Er zirkuliert nicht in seiner Gebrauchsform, sondern nur sein Wert zirkuliert, und zwar allmählich, bruchweis, im Maß, wie er von ihm auf das Produkt übergeht, das als Ware zirkuliert. Während seiner ganzen Funktionsdauer bleibt ein Teil seines Werts stets in ihm fixiert, selbständig gegenüber den Waren, die es produzieren hilft. Durch diese Eigentümlichkeit erhält dieser Teil des konstanten Kapitals die Form: Fixes Kapital. Alle andern Bestandteile des vorgeschossenen Kapitals dagegen bilden im Gegensatz dazu: Zirkulierendes oder flüssiges Kapital.

Es versteht sich, daß dieser Unterschied, wie die einzelnen Teile des Kapitals ihren Wert an das Produkt abgeben, auch einen Einfluß ausüben muß auf die Menge Mehrwert, die von jedem einzelnen Kapital tatsächlich produziert wird. Außerdem trägt er dazu bei, die Entstehung des Mehrwerts überhaupt zu verschleiern.

Wenn der Kapitalist16 die fertiggestellte Ware betrachtet, so kann ihm darin der Unterschied zwischen konstantem Kapital (Produktionsmitteln) und variablem Kapital (Arbeitslohn) nicht auffallen. Wohl weiß er, daß von seinen Selbstkosten (dem Kostpreis der Ware) ein Teil für Produktionsmittel und ein anderer Teil für Arbeitslohn ausgegeben ist, und daß er, soll die Produktion fortgesetzt werden, das durch den Verkauf der Ware erzielte Geld wieder in der gleichen Weise zum Ankauf von Produktionsmitteln und Arbeitskraft teilen muß. Aber über die Entstehung des Wertes und des Mehrwerts sagt ihm das nichts. Was er sieht, ist vielmehr nur, daß im Kostpreis der Ware der Wert der Produktionsmittel genau so wiederkehrt, wie er vor Beginn der Produktion vorhanden war, und der Arbeitslohn ebenfalls genau so wiederkehrt, wie er vor Beginn der Produktion vorhanden war. Der charakteristische Unterschied zwischen konstantem und variablem Kapital ist also durch den Schein der Dinge ausgelöscht, und der nach Abschluß der Produktion vorhandene Mehrwert scheint aus allen Teilen des Kapitals gleichmäßig hervorgegangen zu sein.

Dagegen fällt der Unterschied zwischen fixem und zirkulierendem Kapital sehr deutlich in die Augen. Nehmen wir an, es seien ursprünglich Arbeitsmittel im Werte von 1200 M vorhanden gewesen, dazu Rohstoffe usw. für 380 M und Arbeitskräfte für 100 M. Nehmen wir weiter an, es seien bei diesem Produktionsvorgang für 20 M Arbeitsmittel verschlissen, so ist der Kostpreis des Produkts = 20 M für Verschleiß der Arbeitsmittel + 380 M für Roh- und Hilfsstoffe + 100 M für Arbeitslohn = 500 M. Diesen Wert von 500 M (noch nicht gerechnet den Mehrwert) hält der Kapitalist in der fertigen Ware in seiner Hand. Daneben aber existieren17 noch Maschinen, Fabrikgebäude usw. im Werte von 1180 M.18 Die können schlechterdings nicht aus den Augen verloren werden, und somit kleidet sich der Sachverhalt im Kopf des Kapitalisten in folgende Form: 20 M des Warenwerts sind entstanden durch Verbrauch von Arbeitsmitteln (fixem Kapital), 480 M durch Verbrauch von Rohstoffen und Arbeitslohn (zirkulierendem Kapital). Oder: alles, was ich (der Kapitalist) an Rohstoffen und Arbeitslohn in die Produktion werfe, bekomme ich durch einmalige Produktion wieder heraus; was mich die Arbeitsmittel kosten, bleibt länger drin stehen und kommt nur stückweise wieder heraus, muß deshalb auch stückweise wieder angesammelt werden, damit nach vollständiger Abnutzung der Maschinen usw. der Gegenwert zu ihrer Neuanschaffung wieder da ist. So wird der Unterschied zwischen fixem und zirkulierendem Kapital dem Kapitalisten sozusagen in den Kopf gehämmert. Aber in diesem Sinne gilt der Arbeitslohn ohne weiteres mit als zirkulierendes Kapital. Genau wie die Ausgaben für Rohstoffe, muß auch er aus der einmaligen Produktion wieder hervorgehen und zu neuem Ankauf von Arbeitskraft bereitstehen. So wird der Arbeitslohn (das variable Kapital) durch den Schein der Dinge mit den Rohstoffen (einem Teil des konstanten Kapitals) in einen Topf geworfen und in gemeinsamen Gegensatz gebracht zu den Arbeitsmitteln (dem anderen Teil des konstanten Kapitals). Für den oberflächlichen Beobachter der Praxis stehen jetzt auf der einen Seite die Gebäude, Maschinen usw. als fixes Kapital, auf der anderen Seite die Rohstoffe und Hilfsstoffe gemeinsam mit dem Arbeitslohn als zirkulierendes Kapital. Daß zwischen dem Arbeitslohn und den anderen Teilen des zirkulierenden Kapitals gewichtige Unterschiede bestehen, wird hierdurch ganz und gar verschleiert.

7 Wie der gleichmäßige Profit zustande kommt19

Kehren wir nun zu der Frage zurück, wie der Unterschied zwischen fixem und zirkulierendem Kapital die Profitrate beeinflußt. In unserer Tabelle (oben) haben wir angenommen, daß das ganze konstante Kapital im Wert des Produkts sofort wiedererscheint (daß es also ganz und gar zirkulierendes Kapital ist). Dies kann wohl unter Umständen der Fall sein, aber es ist nicht die Regel. Es muß deshalb berücksichtigt werden, daß gewöhnlich von dem konstanten Kapital nur ein Teil verbraucht wird, der Rest dagegen stehenbleibt. Je nachdem der stehenbleibende Rest größer oder kleiner ist, muß natürlich auch – unter sonst gleichen Umständen – der von mehreren gleich großen Kapitalen tatsächlich erzeugte Mehrwert verschieden sein. Nehmen wir folgende Tabelle (immer unter der Voraussetzung, daß die Mehrwertrate 100% beträgt, d. h. daß die Arbeitskraft außer ihrem eigenen Wert genau noch einmal so viel Mehrwert ergibt):

Kapital Mehrwert Profitrate Verbrauchtes cc Wert der Waren Kostpreis
I. 80cc + 20vv 20 20% 50 90 70
II. 70cc + 30vv 30 30% 51 111 81
III. 60cc + 40vv 40 40% 51 131 91
IV. 85cc + 15vv 15 15% 40 70 55
V. 95cc + 5vv 5 5% 10 20 15
390cc + 110vv 110 110% Summe
78cc + 22vv 22 22% Durchschnitt

Betrachtet man die Kapitale I–V wieder als ein einziges Gesamtkapital, so sieht man, daß auch in diesem Fall die Zusammensetzung der fünf Kapitale =500=390c+110v= 500 = 390c + 110v, also die Durchschnittszusammensetzung =78c+22v= 78c + 22v dieselbe bleibt; ebenso der Durchschnittsmehrwert =22%= 22\%. Diesen Mehrwert gleichmäßig auf I–V verteilt, kämen folgende Warenpreise heraus:

Kapital Mehr- wert Wert der Waren Kostpreis der Waren Preis der Waren Profitrate Abweichung des Preises vom Wert
I. 80c+20v80c + 20v 20 90 70 92 22% + 2
II. 70c+30v70c + 30v 30 111 81 103 22% - 8
III. 60c+40v60c + 40v 40 131 91 113 22% - 18
IV. 85c+15v85c + 15v 15 70 55 77 22% + 7
V. 95c+5v95c + 5v 5 20 15 37 22% + 17

Zusammengenommen, werden die Waren verkauft: +2und8+718+1726über26unterdemWert,\begin{aligned} + 2 & \mathrm{und} & - 8 & \\ + 7 & & - 18 & \\ + 17 & & & \\ 26 & \mathrm{über} & 26 & \mathrm{unter\ dem\ Wert,} \end{aligned} so daß die Preisabweichungen durch gleichmäßige Verteilung des Mehrwerts oder durch Zuschlag des durchschnittlichen Profits von 22 auf 100 vorgeschossenes Kapital zu den verschiedenen Kostpreisen der Waren I–V sich gegenseitig aufheben; in demselben Verhältnis, worin ein Teil der Waren über seinem Wert verkauft wird, wird ein anderer Teil unter seinem Wert verkauft. Und nur ihr Verkauf zu solchen Preisen ermöglicht, daß die Profitrate für I–V gleichmäßig ist, 22%, ohne Rücksicht auf die verschiedene organische Zusammensetzung der Kapitale I–V. Die Preise, die dadurch entstehen, sind die Produktionspreise.20 Der Produktionspreis der Ware ist also gleich ihrem Kostpreis plus dem Durchschnittsprofit.

Beim Verkauf ihrer Waren ziehen daher die Kapitalisten der verschiedenen Branchen genau die in der Produktion dieser Waren verbrauchten Kapitalwerte zurück. Anders dagegen steht es mit dem Mehrwert oder Profit. Hiervon fließt dem einzelnen Kapitalisten nicht diejenige Summe zu, die bei der Produktion seiner Waren erzeugt worden ist, sondern so viel, wie nach dem geltenden Durchschnittsprofit vom gesamten Mehrwert der ganzen Kapitalistenklasse auf sein Kapital entfällt. Pro 100 zieht jedes vorgeschossene Kapital, welches immer seine Zusammensetzung, in jedem Jahr den Profit, der für dieses Jahr auf 100 des Gesamtkapitals kommt. Die verschiedenen Kapitalisten verhalten sich hier, soweit der Profit in Betracht kommt, wie bloße Aktionäre einer Aktiengesellschaft, worin die Anteile am Profit gleichmäßig pro 100 verteilt werden und daher für die verschiedenen Kapitalisten sich nur unterscheiden nach der Größe des von jedem in das Gesamtunternehmen gesteckten Kapitals, nach der Zahl seiner Aktien. Und in dieser Weise ist in der Gesellschaft selbst – die Gesamtheit aller Produktionszweige betrachtet – die Summe der Produktionspreise aller Waren gleich der Summe ihrer Werte.

Diesem Satz scheint die Tatsache zu widersprechen, daß die Waren, welche dem einen Kapitalisten als Produktionsmittel dienen – also die Maschinen, Rohstoffe usw. –, in der Regel von einem anderen Kapitalisten gekauft sind und daher in ihrem Preise bereits dessen Profit enthalten; daß also der Profit des einen Industriezweigs in dem Kostpreis des andern drinsteckt. Aber wenn wir alle Kostpreise des ganzen Landes auf der einen Seite zusammenaddieren und auf der anderen alle Profite, so muß die Rechnung sich richtigstellen. Zur Produktion von Leinenjacken z. B. ist Leinwand erforderlich, die ihrerseits Flachs braucht. Es beschäftigen sich also eine Anzahl Kapitalisten mit der Produktion von Flachs und verwenden dazu ein Kapital von, sage, 100 (z. B. 100000 M). Beträgt die Profitrate 10%, so müssen die Leinwandfabrikanten diesen Flachs zu 110 kaufen und verkaufen ihn an die Jackenhersteller zu 121. Das gesamte in diesen drei Branchen verwandte Kapital beträgt dann: inderFlachsproduktion100,,,,Leinwandproduktion110,,,,Jackenproduktion121̲331\begin{aligned} & \mathrm{in} & \mathrm{der} & \mathrm{Flachsproduktion} & 100 \\ & \mathrm{,,} & \mathrm{,,}\ & \mathrm{Leinwandproduktion} & 110 \\ & \mathrm{,,} & \mathrm{,,}\ & \mathrm{Jackenproduktion} & \underline{121} \\ & & & & 331 \end{aligned} Dieses muß einen Profit von insgesamt 33,1 erbringen, was dadurch geschieht, daß die Jacken zuletzt für 133,1 verkauft werden.21 Von diesem Profit kommt den Jackenfabrikanten aber nur die Summe von 12,1 zu; den überschießenden Betrag von 21 müssen sie beim Ankauf der Leinwand an deren Produzenten zahlen, die ihrerseits davon nur 11 behalten und den Rest von 10 an die Flachsproduzenten weitergeben. So bekommt jedes der beteiligten Kapitale denjenigen Anteil am Profit, der ihm kraft seiner Größe gehört.

Sobald eine allgemeine Profitrate hergestellt ist und infolgedessen der Durchschnittsprofit in allen Branchen der Größe des angewandten Kapitals sich anpaßt, ist es nur noch Zufall, wenn in einer bestimmten Branche der wirklich erzeugte Mehrwert mit dem im Verkaufspreis der Ware enthaltenen Profit übereinstimmt. In der Regel sind Profit und Mehrwert nun wirklich verschiedene Größen. Wieviel Mehrwert in einer bestimmten Branche erzeugt wird, ist direkt wichtig nur für den Gesamt-Durchschnittsprofit sämtlicher Kapitale. Aber für die einzelnen Branchen oder gar für die einzelnen Kapitalisten ist es nur indirekt insofern wichtig, als größerer Mehrwert in seiner Branche den gesamten vorhandenen Mehrwert erhöht und somit einen höheren Durchschnittsprofit ergibt. Aber dies ist ein Prozeß, der hinter seinem Rücken vorgeht, den er nicht sieht, nicht versteht, und der ihn in der Tat nicht interessiert. Der tatsächlich vorhandene Größenunterschied zwischen Profit und Mehrwert in den einzelnen Branchen versteckt nun völlig die wahre Natur und den Ursprung des Profits, nicht nur für den Kapitalisten, der hier ein besonderes Interesse hat, sich zu täuschen, sondern auch für den Arbeiter. Schon durch die Tatsache, daß in der Praxis Kostpreis und Profit sich gegenübertreten, kommt dem Kapitalisten der Begriff des Wertes abhanden, weil er nicht die Gesamtarbeit vor sich hat, die die Produktion der Ware kostet, sondern nur den Teil der Gesamtarbeit, den er in den lebendigen und toten Produktionsmitteln bezahlt hat, und ihm so der Profit als etwas außerhalb des inneren Werts der Ware Stehendes erscheint. Diese falsche Vorstellung wird jetzt vollständig bestätigt, befestigt, verknöchert, indem der zum Kostpreis zugeschlagene Profit in der Tat – wenn man die einzelne Branche betrachtet, die der Kapitalist naturgemäß allein im Auge hat – nicht durch die in ihr selbst vorgehende Wertbildung bestimmt, sondern ganz äußerlich dagegen festgesetzt ist. Wirft ja doch in der Praxis tatsächlich jeder Teil des Kapitals gleichmäßig Profit ab. Wie immer das Kapital zusammengesetzt sei, ob es 14\frac{1}{4} tote Arbeit und 34\frac{3}{4} lebendige Arbeit, oder 34\frac{3}{4} tote und 14\frac{1}{4} lebendige Arbeit in Bewegung setzt, ob es in dem einen Fall dreimal so viel Mehrarbeit einsaugt und Mehrwert produziert als in dem anderen – bei gleich starker Ausbeutung der Arbeit (und abgesehen von individuellen Unterschieden, die ohnehin verschwinden, weil wir beidemal nur die Durchschnittszusammensetzung der ganzen Branche vor uns haben) wirft es in beiden Fällen gleich viel Profit ab. Der einzelne Kapitalist, dessen Blick begrenzt ist, glaubt mit Recht, daß sein Profit nicht allein aus der von ihm oder in seiner Branche beschäftigten Arbeit herstamme. Es ist ganz richtig für seinen Durchschnittsprofit. Wie weit dieser Profit vermittelt ist durch die Gesamtausbeutung der Arbeit durch das Gesamtkapital, d. h. durch alle seine Kapitalistengenossen, dieser Zusammenhang ist ihm ein vollständiges Geheimnis, um so mehr, als selbst die Bourgeoistheoretiker, die Professoren der politischen Ökonomie, es bis jetzt nicht enthüllt hatten. Ersparung an Arbeit – nicht nur an der Arbeit, notwendig um eine bestimmte Ware zu produzieren, sondern auch Ersparung an der Anzahl der beschäftigten Arbeiter – und größere Anwendung toter Arbeit (konstanten Kapitals) erscheint als wirtschaftlich ganz richtige Operation. Wie sollte daher die lebendige Arbeit ausschließliche Quelle des Profits sein, da Verminderung der zur Produktion nötigen Menge Arbeit unter gewissen Umständen als nächste Quelle zur Vermehrung des Profits erscheint, wenigstens für den einzelnen Kapitalisten?

8 Methoden zur Steigerung des Mehrwerts22

Mehrwert wird erzeugt durch Anwendung der Arbeitskraft. Das Kapital kauft die Arbeitskraft und zahlt dafür den Lohn. Indem dann der Arbeiter arbeitet, erzeugt er neuen Wert, der nicht ihm, sondern dem Kapitalisten gehört. Eine gewisse Zeit muß er arbeiten, um nur den Wert des Arbeitslohns wiederzuerstatten. Aber, nachdem dies geschehen, hört er nicht auf, sondern arbeitet noch einige Stunden des Tages. Der neue Wert, den er jetzt erzeugt, und der also den Betrag des Arbeitslohns übersteigt, ist der Mehrwert.

Das Kapital erzwingt demnach die Erzeugung von Mehrwert zunächst einfach durch Verlängerung des Arbeitstages über die „notwendige“ Arbeitszeit hinaus („notwendig“ zum Ersatz des Wertes der Arbeitskraft). Das Kapital ordnet sich zunächst die Arbeit unter mit den technischen Bedingungen, worin es sie historisch vorfindet. Es verändert daher nicht unmittelbar die Produktionsweise. Die Erzeugung von Mehrwert durch einfache Verlängerung des Arbeitstages war in der altmodischen Bäckerei nicht minder wirksam als in der modernen Baumwollspinnerei.

Jedoch hat der Arbeitstag eine Schranke. Er ist über eine gewisse Grenze hinaus nicht verlängerbar. Diese Schranke ist doppelt bestimmt. Einmal durch die körperlichen Bedürfnisse der Arbeitskraft. Ein Mensch kann während 24 Stunden nur ein bestimmtes Quantum Lebenskraft verausgaben. So kann ein Pferd tagaus, tagein nur 8 Stunden arbeiten. Während eines Teils des Tages muß die Kraft ruhen, schlafen, während eines anderen Teils muß der Mensch sich nähren, reinigen, kleiden usw. Außer dieser rein körperlichen Schranke stößt die Verlängerung des Arbeitstages auf moralische Schranken. Der Arbeiter braucht Zeit zur Befriedigung geistiger und sozialer Bedürfnisse, deren Umfang und Zahl durch den allgemeinen Kulturzustand bedingt sind. Beide Schranken sind aber sehr elastischer Natur und erlauben den größten Spielraum. So finden wir Arbeitstage von 8, 10, 12, 14, 16, 18 Stunden, also von der verschiedensten Länge.

Das ständige Streben des Kapitals, den Arbeitstag zu verlängern, rief den Widerstand der Arbeiterklasse hervor und führte zu erbitterten sozialen und politischen Kämpfen.

Indessen gibt es noch andere Methoden, den Mehrwert zu steigern. Vor allem die schärfere Anspannung der Arbeitskraft, so daß sie in gegebener Zeit mehr leisten muß. Sodann die Herabdrückung des Lohns unter den Wert der Arbeitskraft. Trotz der wichtigen Rolle, welche die Methode in der wirklichen Bewegung des Arbeitslohns spielt, muß sie hier außer Betracht bleiben wegen unserer Voraussetzung, daß die Waren, also auch die Arbeitskraft, zu ihrem vollen Wert gekauft und verkauft werden.

Bleibt endlich noch die Steigerung des sogenannten „relativen“ Mehrwerts. Damit hat es folgende Bewandtnis.

Wenn der Arbeitstag, sagen wir, 10 Stunden lang ist, wovon 6 Stunden den Wert der Arbeitskraft ersetzen, so wird in den übrigen 4 Stunden eine bestimmte Menge Mehrwert erzeugt. Gelingt es, den Arbeitstag auf 11 Stunden zu verlängern oder während der 10 Stunden eine größere Leistung aus den Arbeitern herauszuholen, oder gar beides zugleich, so wird die Menge des Mehrwerts entsprechend vergroßert. Es tritt eine absolute Steigerung des Mehrwerts ein.

Ist es dagegen unmöglich, den Arbeitstag über 10 Stunden hinaus zu verlängern, und ebenso unmöglich, die Arbeiter zu größerer Intensität zu zwingen, so mag man vielleicht die „notwendige“ Arbeitszeit verkürzen können. Sie betrug in unserm Beispiel 6 Stunden, weil diese Zeit notwendig war, um die Lebensmittel zu produzieren, welche die tägliche Erhaltung der Arbeitskraft erfordert. Können diese Lebensmittel in geringerer Zeit, mit geringerem Arbeitsaufwand produziert werden, dann genügen statt der 6 Stunden vielleicht 5, und von dem 10stündigen Arbeitstag blieben statt 4 Stunden 5 übrig zur Erzeugung von Mehrwert; dieser wäre „relativ“ zum Arbeitstag gesteigert.

Um solche „relative“ Steigerung des Mehrwerts zu verwirklichen, müssen die Waren, welche zum Konsum der Arbeiter dienen, in geringerer Zeit produziert werden. Dies bedeutet mit anderen Worten: Die Produktivkraft der Arbeit muß gesteigert werden, so daß zur Produktion derselben Warenmengen ein geringeres Quantum Arbeit erheischt ist. Hierfür genügt es keineswegs, daß das Kapital sich des Arbeitsprozesses in seiner historisch überlieferten Gestalt bemächtigt und nur seine Dauer verlängert. Es muß die technischen und gesellschaftlichen Bedingungen des Arbeitsprozesses, also die Produktionsweise selbst, umwälzen, um die Produktivkraft der Arbeit zu erhöhen, dadurch den Wert der Arbeitskraft zu senken und so den zum Ersatz dieses Wertes notwendigen Teil des Arbeitstages zu verkürzen.

Um den Wert der Arbeitskraft zu senken, muß die Steigerung der Produktivkraft Industriezweige ergreifen, deren Produkte den Wert der Arbeitskraft bestimmen, also entweder gewohnheitsmäßige Lebensmittel sind oder sie ersetzen können. Dazu gehören nicht nur die Industrien, welche die Lebensmittel selbst produzieren, sondern auch die, welche ihnen die Produktionsmittel liefern. Ist ja doch der Wert eines Stiefels z. B. nicht nur durch die Schusterarbeit bestimmt, sondern auch durch den Wert von Leder, Pech, Draht usw. In Produktionszweigen dagegen, die weder notwendige Lebensmittel liefern noch Produktionsmittel zu ihrer Herstellung, läßt die erhöhte Produktivkraft den Wert der Arbeitskraft unberührt.

Wenn ein einzelner Kapitalist durch Steigerung der Produktivkraft der Arbeit z. B. Hemden verwohlfeilert, schwebt ihm keineswegs notwendig der Zweck vor, den Wert der Arbeitskraft zu senken; aber nur soweit er schließlich zu diesem Resultat beiträgt, trägt er bei zur Erhöhung der allgemeinen Rate des Mehrwerts. Es ist daher der innere Trieb und die beständige Tendenz des Kapitals, die Produktivkraft der Arbeit zu steigern, um die Ware und durch die Verwohlfeilerung der Ware den Arbeiter selbst zu verwohlfeilern.

Da also derselbe Vorgang die Waren verwohlfeilert und den in ihnen enthaltenen Mehrwert steigert, löst sich das Rätsel, daß der Kapitalist, dem es nur um die Produktion von Tauschwert zu tun ist, den Tauschwert der Waren beständig zu senken strebt. Die Steigerung der Produktivkraft der Arbeit, innerhalb der kapitalistischen Wirtschaft, bezweckt, den Teil des Arbeitstages, den der Arbeiter für sich selbst arbeiten muß, zu verkürzen, um gerade dadurch den andern Teil des Arbeitstages, den er für den Kapitalisten umsonst arbeiten kann, zu verlängern.

9 Die Umwälzung der Produktionsweise durch das Kapital

9.1 Kooperation23

Die kapitalistische Produktion beginnt, wo dasselbe individuelle Kapital eine größere Anzahl Arbeiter gleichzeitig beschäftigt. Das Wirken einer größeren Arbeiteranzahl zur selben Zeit in demselben Raum (oder, wenn man will, auf demselben Arbeitsfeld) zur Produktion derselben Warensorte, unter dem Kommando desselben Kapitalisten, bildet historisch und begrifflich den Beginn der kapitalistischen Produktion. Mit Bezug auf die Produktionsweise selbst unterscheidet sich z. B. die Manufaktur in ihren Anfängen kaum anders von der zünftigen Handwerksindustrie als durch die große Zahl der gleichzeitig von demselben Kapital beschäftigten Arbeiter. Die Werkstatt des Zunftmeisters ist nur erweitert.

Der Unterschied ist also zunächst bloß quantitativ. Indes findet doch innerhalb gewisser Grenzen auch ein sachlicher Unterschied statt. In jedem Industriezweig weicht der einzelne Arbeiter, Peter oder Paul, mehr oder minder vom Durchschnittsarbeiter ab. Diese individuellen Abweichungen gleichen sich gegenseitig aus und verschwinden, sobald man eine größere Anzahl Arbeiter zusammennimmt. Der englische Schriftsteller Edmund Burke (1729–1797) will aus seinen praktischen Erfahrungen als Pächter sogar wissen, daß schon beim Zusammenarbeiten von fünf Ackerknechten aller individuelle Unterschied der Arbeit verschwindet, also die ersten besten im Mannesalter befindlichen fünf englischen Ackerknechte zusammengenommen in derselben Zeit geradeso viel Arbeit verrichten als beliebige andere fünf englische Ackerknechte. Wie dem auch sei, es ist klar, daß der gemeinschaftliche Arbeitstag einer größeren Anzahl gleichzeitig beschäftigter Arbeiter an und für sich einen Durchschnitt darstellt. Beschäftigt der Kapitalist z. B. 12 Arbeiter je 12 Stunden, so ist das für den Kapitalisten ein Arbeitstag von 144 Stunden. Obgleich nun die Arbeit eines jeden der zwölf mehr oder minder vom Durchschnitt abweichen, jeder einzelne etwas mehr oder minder Zeit zu derselben Verrichtung brauchen mag – für den Kapitalisten zählt der Arbeitstag jedes einzelnen als ein Zwölftel des Gesamtarbeitstags von 144 Stunden. Werden dagegen von den 12 Arbeitern je 2 von einem Meister beschäftigt, so wird es zufällig, ob jeder einzelne Meister dieselbe Wertmenge produziert und daher die allgemeine Rate des Mehrwerts erreicht. Es fänden individuelle Abweichungen statt. Verbrauchte ein Arbeiter bedeutend mehr Zeit in der Produktion einer Ware, als gesellschaftlich erheischt ist, so gälte seine Arbeit nicht als Durchschnittsarbeit. Von den 6 Kleinmeistern würde der eine mehr, der andere weniger als die allgemeine Rate des Mehrwerts herausschlagen. Die Ungleichheiten würden sich für die Gesellschaft kompensieren, aber nicht für den einzelnen Meister.

Auch bei gleichbleibender Arbeitsweise bewirkt die gleichzeitige Anwendung einer größeren Arbeiteranzahl eine totale Änderung in den Arbeitsmitteln. Baulichkeiten, worin viele arbeiten, Lager für Rohmaterial usw., Gefäße, Instrumente, Apparate usw., die vielen gleichzeitig oder abwechselnd dienen, werden jetzt gemeinsam im Arbeitsprozeß verbraucht. Die erhöhte Ausnutzung ihres Gebrauchswertes vergrößert nicht ihren Tauschwert: sie kosten darum nicht mehr. Und dieser Vorteil wächst mit der Größe des Kapitals. Ein Zimmer, worin 20 Weber mit ihren 20 Webstühlen arbeiten, muß weiter gestreckt sein als das Zimmer eines unabhängigen Webers mit 2 Gesellen. Aber die Herstellung einer Werkstatt für 20 Personen kostet weniger Arbeit als die von 10 Werkstätten für 2 Personen, und so wächst überhaupt der Wert massenweise konzentrierter und gemeinsamer Produktionsmittel nicht verhältnismäßig mit ihrem Umfang und ihrem Nutzeffekt. Gemeinsam vernutzte Produktionsmittel geben also geringeren Wertbestandteil an das einzelne Produkt ab. Damit sinkt der Gesamtwert der Ware. Diese Einsparung in der Anwendung der Produktionsmittel entspringt nur aus ihrem gemeinsamen Verbrauch im Arbeitsprozeß vieler, selbst wenn die vielen nur räumlich zusammen, nicht miteinander arbeiten.

Die Form der Arbeit vieler, die in demselben Produktionsprozeß oder in verschiedenen, aber zusammenhängenden Produktionsprozessen planmäßig neben- oder miteinander arbeiten, heißt Kooperation.

Wie die Angriffskraft einer Kavallerieschwadron oder die Widerstandskraft eines Infanterieregiments wesentlich verschieden ist von der Summe der von jedem Kavalleristen und Infanteristen vereinzelt entwickelten Angriffs- und Widerstandskräfte, so verschieden ist die bloße Summe der Kräfte vereinzelter Arbeiter von der Gesamtkraft, die sich entwickelt, wenn viele Hände gleichzeitig in derselben Tätigkeit zusammenwirken, z. B. wenn es gilt, eine Last zu heben, eine Kurbel zu drehen oder einen Widerstand aus dem Wege zu räumen. Die Wirkung der kombinierten Arbeit könnte hier von der vereinzelten gar nicht oder nur in viel längeren Zeiträumen oder nur auf einem Zwergmaßstab hervorgebracht werden. Es handelt sich hier nicht nur um Erhöhung der individuellen Produktivkraft durch die Kooperation, sondern um die Schöpfung einer Produktivkraft, die an und für sich Massenkraft sein muß. („Während 1 Mann überhaupt nicht imstande ist und 10 Mann sich sehr quälen müßten, um eine 20-Zentner-Last zu heben, schaffen es 100 Mann, wenn jeder nur mit der Kraft eines Fingers zufaßt.“ John Bellers, London 1696.)

Abgesehen von der neuen Kraft, die aus der Verschmelzung vieler Kräfte in eine Gesamtkraft entspringt, erzeugt bei den meisten produktiven Arbeitern der bloße gesellschaftliche Kontakt einen Wetteifer und eine eigene Erregung der Lebensgeister, welche die Leistungsfähigkeit des einzelnen erhöhen, so daß ein Dutzend Personen zusammen in einem gleichzeitigen Arbeitstag von 144 Stunden ein viel größeres Gesamtprodukt liefern als 12 vereinzelte Arbeiter, von denen jeder 12 Stunden, oder als 1 Arbeiter, der 12 Tage nacheinander arbeitet. Dies rührt daher, daß der Mensch von Natur – wenn auch nicht, wie Aristoteles meint, ein politisches – jedenfalls ein gesellschaftliches Tier ist.

Obgleich viele dasselbe oder Gleichartiges gleichzeitig miteinander verrichten, kann die individuelle Arbeit eines jeden dennoch als Teil der Gesamtarbeit verschiedene Phasen des Arbeitsprozesses selbst darstellen, die der Arbeitsgegenstand infolge der Kooperation rascher durchläuft. Zum Beispiel wenn Maurer eine Reihe von Händen bilden, um Bausteine vom Fuß eines Gestells bis zu seiner Spitze zu befördern, so tut jeder von ihnen dasselbe, aber dennoch bilden die einzelnen Verrichtungen zusammenhängende Teile einer Gesamtverrichtung, wodurch etwa die 24 Hände des Gesamtarbeiters den Baustein rascher fördern als die 2 Hände jedes einzelnen Arbeiters, der das Gerüst auf- und abstiege. Der Arbeitsgegenstand durchläuft denselben Raum in kürzerer Zeit. Andererseits findet Kombination der Arbeit statt, wenn ein Bau z. B. von verschiedenen Seiten gleichzeitig angegriffen wird, obgleich die Kooperierenden dasselbe oder Gleichartiges tun. Der kombinierte Arbeitstag von 144 Stunden, der den Arbeitsgegenstand vielseitig im Raum angreift, weil der kombinierte Arbeiter oder Gesamtarbeiter vorn und hinten Augen und Hände hat und in gewissem Grad Allgegenwart besitzt, fördert das Gesamtprodukt rascher als 12 zwölfstündige Arbeitstage mehr oder minder vereinzelter Arbeiter, die ihr Werk einseitiger angreifen müssen. In derselben Zeit reifen verschiedene Raumteile des Produkts.

Ist der Arbeitsprozeß kompliziert, so erlaubt die bloße Tatsache, daß mehrere zusammenarbeiten, die verschiedenen Tätigkeiten unter verschiedene Hände zu verteilen, daher gleichzeitig zu verrichten und dadurch die zur Herstellung des Gesamtprodukts nötige Arbeitszeit zu verkürzen. („Alle zusammen erzielen ein Ergebnis, das ein einzelner nicht hätte erreichen können. Der eine rudert, während der andere das Steuer führt und ein dritter das Netz oder die Harpune auswirft, und auf diese Weise hat der Fischfang einen Erfolg, der ohne dieses Zusammenwirken unmöglich wäre.“ Destutt de Tracy, „Vom Willen und seinen Wirkungen“, Paris 1826, S. 78.)

In vielen Produktionszweigen gibt es kritische Momente, d. h. durch die Natur des Arbeitsprozesses selbst bestimmte Zeiträume, während deren bestimmte Arbeitsresultate erzielt werden müssen. Soll z. B. eine Herde Schafe geschoren oder eine Anzahl Morgen Kornland gemäht und geherbstet werden, so hängt Quantität und Qualität des Produkts davon ab, daß die Arbeit zu einer gewissen Zeit begonnen und zu einer gewissen Zeit beendet wird. Der Zeitraum, den der Arbeitsprozeß einnehmen darf, ist hier vorgeschrieben, wie etwa beim Heringsfang. Die rechtzeitige Wirkung hängt hier ab von der gleichzeitigen Anwendung vieler kombinierter Arbeitstage, der Umfang des Nutzeffekts von der Arbeiteranzahl, die jedoch stets kleiner bleibt als die Anzahl der Arbeiter, die vereinzelt in demselben Zeitraum denselben Wirkungsraum ausfüllen würden. Weil diese Kooperation fehlt, wird im Westen der Vereinigten Staaten eine Masse Korn und in den Teilen Ostindiens, wo englische Herrschaft das alte Gemeinwesen zerstört hat, eine Masse Baumwolle jährlich verwüstet.

Auf der einen Seite erlaubt die Kooperation, den Betätigungsraum der Arbeit auszurecken, und wird daher für gewisse Arbeitsprozesse schon durch den räumlichen Zusammenhang des Arbeitsgegenstandes erheischt, wie bei Trockenlegung von Land, Eindämmung, Bewässerung, Kanal-, Straßen-, Eisenbahnbauten usw. Andererseits ermöglicht sie, verhältnismäßig zum Umfang der Produktion, räumliche Verengung des Produktionsgebiets. Diese Beschränkung des Betätigungsraumes der Arbeit bei gleichzeitiger Ausdehnung ihrer Wirkung, wodurch eine Menge Unkosten erspart werden, entspringt aus der Zusammendrängung der Arbeiter, dem Zusammenrücken verschiedener Arbeitsprozesse und der Konzentration der Produktionsmittel.

Verglichen mit einer gleich großen Summe vereinzelter Arbeitstage, produziert der kombinierte Arbeitstag größere Massen von Gebrauchswert und vermindert daher die zur Produktion eines bestimmten Nutzeffekts nötige Arbeitszeit. Wie unsere Übersicht gezeigt hat, entspringt diese Steigerung der Produktivkraft unter allen Umständen aus der Kooperation selbst. Nun können aber Lohnarbeiter nicht kooperieren, ohne daß dasselbe Kapital, derselbe Kapitalist sie gleichzeitig anwendet, also ihre Arbeitskräfte gleichzeitig kauft. Der Gesamtwert dieser Arbeitskräfte oder die Lohnsumme der Arbeiter für den Tag, die Woche usw. muß daher in der Tasche des Kapitalisten vereint sein, bevor die Arbeitskräfte selbst im Produktionsprozeß vereint werden. Zahlung von 300 Arbeitern auf einmal, auch nur für einen Tag, bedingt mehr Kapitalauslage als Zahlung weniger Arbeiter Woche fur Woche während des ganzen Jahres. Die Anzahl der kooperierenden Arbeiter (oder die „Stufenleiter“ der Kooperation) hängt also zunächst ab von der Größe des Kapitals, das der einzelne Kapitalist im Ankauf von Arbeitskraft auslegen kann.

Und wie mit dem variablen verhält es sich mit dem konstanten Kapital. Die Auslage für Rohmaterial z. B. ist 30mal größer für den einen Kapitalisten, der 300, als für jeden der 30 Kapitalisten, die je 10 Arbeiter beschäftigen. Wert und Menge der gemeinsam benutzten Arbeitsmittel wachsen zwar nicht in demselben Grad wie die beschäftigte Arbeiteranzahl, aber sie wachsen beträchtlich. Konzentration größerer Massen von Produktionsmitteln in der Hand einzelner Kapitalisten ist also materielle Bedingung für die Kooperation von Lohnarbeitern, und der Umfang der Kooperation (oder die „Stufenleiter“ der Produktion) hängt davon ab, wieviel Produktionsmittel der einzelne Kapitalist in seiner Hand vereinigt hat.

Das Kommando des Kapitals über die Arbeit erschien ursprünglich nur als formelle Folge davon, daß der Arbeiter, statt für sich, für den Kapitalisten und daher unter dem Kapitalisten arbeitet. Mit der Kooperation vieler Lohnarbeiter entwickelt sich das Kommando des Kapitals zum Erheischnis für die Ausführung des Arbeitsprozesses selbst, zu einer wirklichen Produktionsbedingung. Der Befehl des Kapitalisten auf dem Produktionsfeld wird jetzt so unentbehrlich wie der Befehl des Generals auf dem Schlachtfeld.

Alle gemeinschaftliche Arbeit auf größerem Maßstab bedarf mehr oder minder einer Direktion, welche die Harmonie der individuellen Tätigkeiten vermittelt und die allgemeinen Funktionen vollzieht, die aus der Bewegung des Gesamtkörpers im Unterschied von der Bewegung seiner selbständigen Organe entspringen. Ein einzelner Violinspieler dirigiert sich selbst, ein Orchester bedarf des Musikdirektors. Diese Funktion der Leitung, Überwachung und Vermittlung wird zur Funktion des Kapitals, sobald die ihm untergeordnete Arbeit kooperativ wird. Als spezifische Funktion des Kapitals erhält sie spezifische Charaktermale.

Zunächst ist das treibende Motiv und der bestimmende Zweck der kapitalistischen Produktion die Erzeugung von möglichst großem Mehrwert, also möglichst große Ausbeutung der Arbeitskraft durch den Kapitalisten. Mit der Masse der gleichzeitig beschäftigten Arbeiter wächst ihr Widerstand und damit notwendig der Druck des Kapitals zur Bewältigung dieses Widerstandes. Die Leitung des Kapitalisten ist nicht nur eine aus der Natur des gesellschaftlichen Arbeitsprozesses entspringende und ihm angehörige besondere Funktion, sie ist zugleich Funktion der Ausbeutung eines gesellschaftlichen Arbeitsprozesses und daher bedingt durch den unvermeidlichen Gegensatz zwischen dem Ausbeuter und den Ausgebeuteten. Ebenso wächst mit dem Umfang der Produktionsmittel, die dem Lohnarbeiter als fremdes Eigentum gegenüberstehen, die Notwendigkeit der Kontrolle über deren sachgemäße Verwendung. Die Kooperation der Lohnarbeiter ist ferner bloße Wirkung des Kapitals, das sie gleichzeitig anwendet. Der Zusammenhang ihrer Funktionen und ihre Einheit als produzierender Gesamtkörper liegen außer ihnen, im Kapital, das sie zusammenbringt und zusammenhält. Der Zusammenhang ihrer Arbeiten tritt ihnen daher ideell als Plan, praktisch als Autorität des Kapitalisten gegenüber, als Macht eines fremden Willens, der ihr Tun seinem Zweck unterwirft. Daher ist die kapitalistische Leitung despotisch. Mit der Entwicklung der Kooperation auf größerem Maßstab entwickelt dieser Despotismus seine eigentümlichen Formen. Der Kapitalist tritt die unmittelbare und fortwährende Beaufsichtigung der einzelnen Arbeiter und Arbeitergruppen ab an eine besondere Sorte von Lohnarbeitern. Wie eine Armee, bedarf eine unter dem Kommando desselben Kapitalisten zusammenwirkende Arbeitermasse industrieller Oberoffiziere (Direktoren, Geschäftsführer) und Unteroffiziere (Aufseher, Vorarbeiter, Werkmeister), die während der Arbeit im Namen des Kapitals kommandieren.

Wie man sieht, entspringt die Leitung und Beaufsichtigung des Kapitals über den Arbeitsprozeß aus zwei Quellen: einmal daraus, daß jede gemeinschaftliche Arbeit einer Direktion bedarf; sodann daraus, daß diese gemeinschaftliche Arbeit dem Kapital Mehrwert bringen soll. Beides ist wohl zu unterscheiden und darf nicht miteinander vermengt werden, will man die Natur der Vorgänge richtig verstehen.

Man hat gesehen, daß aus dem bloßen Zusammenarbeiten vieler Arbeiter neue Produktivkräfte erwachsen und die vorhandenen Produktivkräfte gesteigert werden. Diese Vorteile entstehen erst in der Kooperation. Die Kooperation aber beginnt erst im Arbeitsprozeß, und sobald die Arbeiter in diesen eintreten, haben sie bereits aufgehört sich selbst zu gehören und sind dem Kapital einverleibt. Die Produktivkraft, die der Arbeiter in der Kooperation entwickelt, ist daher Produktivkraft des Kapitals. Sie entsteht unentgeltlich, sobald die Arbeiter unter bestimmte Bedingungen gestellt sind, und das Kapital stellt sie unter diese Bedingungen. Weil die gesellschaftliche Produktivkraft der Arbeit (d. h. die Produktivkraft, die beim Zusammenwirken mit anderen Arbeitern entsteht) dem Kapital nichts kostet, weil sie andererseits nicht von dem Arbeiter entwickelt wird, bevor seine Arbeit selbst dem Kapitalisten gehört, erscheint sie als Produktivkraft, die das Kapital von Natur besitzt, als eine ihm innewohnende Produktivkraft.

Kolossal zeigt sich die Wirkung der einfachen Kooperation in den Riesenwerken der alten Asiaten, Ägypter, Etrusker usw. „Es geschah in vergangenen Zeiten, daß diese asiatischen Staaten nach Bestreitung ihrer Zivil- und Militärausgaben sich im Besitz eines Überschusses von Lebensmitteln befanden, die sie für Werke der Pracht und des Nutzens verausgaben konnten. Ihr Kommando über die Hände und Arme fast der ganzen nicht ackerbauenden Bevölkerung und die ausschließliche Verfügung des Monarchen und der Priesterschaft über jenen Überschuß boten ihnen die Mittel zur Errichtung jener mächtigen Monumente, womit sie das Land erfüllten … In der Bewegung der kolossalen Statuen und der enormen Massen, deren Transport Staunen erregt, wurde fast nur menschliche Arbeit verschwenderisch angewandt. Die Zahl der Arbeiter und die Konzentration ihrer Mühen genügte … Die nicht ackerbauenden Arbeiter einer asiatischen Monarchie haben außer ihren individuellen körperlichen Bemühungen wenig zum Werk zu bringen, aber ihre Zahl ist ihre Kraft, und die Macht der Direktion über diese Massen gab jenen Riesenwerken den Ursprung. Was solche Unternehmungen möglich machte, war die Konzentration der Einkünfte, wovon die Arbeiter leben, in eine Hand oder in wenige Hände.“ (R. Jones, 1852.) Diese Macht asiatischer und ägyptischer Könige oder etruskischer Herrscher usw. ist in der modernen Gesellschaft auf den Kapitalisten übergegangen.

Die Kooperation im Arbeitsprozeß, wie wir sie in den Kulturanfängen der Menschheit, bei Jägervölkern oder etwa in der Landwirtschaft indischer Gemeinwesen vorherrschend finden, beruht einerseits auf dem Gemeineigentum an den Produktionsbedingungen, andererseits darauf, daß das einzelne Individuum sich von der Nabelschnur des Stammes oder des Gemeinwesens noch ebensowenig losgerissen hat wie die einzelne Biene vom Bienenstock. Beides unterscheidet sie von der kapitalistischen Kooperation. Die hin und wieder sich findende Anwendung der Kooperation auf großem Maßstab im Altertum, dem Mittelalter und den modernen Kolonien beruht auf unmittelbaren Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnissen, zumeist auf der Sklaverei. Die kapitalistische Form setzt dagegen von vornherein den freien Lohnarbeiter voraus, der seine Arbeitskraft dem Kapital verkauft. Historisch jedoch entwickelt sie sich im Gegensatz zur Bauernwirtschaft und zum unabhängigen Handwerksbetrieb. Ihnen gegenüber erscheint die kapitalistische Kooperation nicht als eine besondere historische Form der Kooperation, sondern es gewinnt den Anschein, als ob die Kooperation überhaupt etwas dem kapitalistischen Produktionsprozeß Eigentümliches sei.

Gleichzeitige Beschäftigung einer größeren Anzahl von Lohnarbeitern in demselben Arbeitsprozeß bildet den Anfangspunkt der kapitalistischen Produktion. Es ist die erste Änderung, welche der wirkliche Arbeitsprozeß durch seine Unterordnung unter das Kapital erfährt.

9.2 Teilung der Arbeit und Manufaktur24

Die auf Teilung der Arbeit beruhende Kooperation schafft sich ihre klassische Gestalt in der Manufaktur, die ungefähr von Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum letzten Drittel des 18. die vorherrschende Form der kapitalistischen Produktion gewesen ist. Die Manufaktur entspringt auf doppelte Weise.

Entweder werden Arbeiter von verschiedenartigen, selbständigen Handwerken, durch deren Hände ein Produkt bis zu seiner letzten Reife laufen muß, in eine Werkstatt unter dem Kommando desselben Kapitalisten vereinigt. Zum Beispiel eine Kutsche war das Gesamtprodukt der Arbeiten einer großen Anzahl unabhängiger Handwerker, wie Stellmacher, Sattler, Schneider, Schlosser, Gürtler, Drechsler, Posamentierer, Glaser, Maler, Lackierer, Vergolder usw. Die Kutschenmanufaktur vereinigt alle diese verschiedenen Handwerker in ein Arbeitshaus, wo sie einander gleichzeitig in die Hand arbeiten. Man kann eine Kutsche zwar nicht vergolden, bevor sie gemacht ist. Werden aber viele Kutschen gleichzeitig gemacht, so kann ein Teil beständig vergoldet werden, während ein anderer Teil eine frühere Phase des Produktionsprozesses durchläuft. Soweit stehen wir noch auf dem Boden der einfachen Kooperation, die ihr Material an Menschen und Dingen vorfindet. Indes tritt sehr bald eine wesentliche Veränderung ein. Der Schneider, Schlosser, Gürtler usw., der nur im Kutschenmachen beschäftigt ist, verliert nach und nach mit der Gewohnheit auch die Fähigkeit, sein altes Handwerk in seiner ganzen Ausdehnung zu betreiben. Andererseits wird sein vereinseitigtes Tun jetzt dem verengten Wirkungskreis angepaßt und erhält die dafür zweckmäßigste Form. Ursprünglich erschien die Kutschenmanufaktur als eine Kombination selbständiger Handwerke. Sie wird allmählich Teilung der Kutschenproduktion in ihre verschiedenen Sonderoperationen, wovon jede einzelne zur ausschließlichen Funktion eines Arbeiters sich auswächst, und deren Gesamtheit vom Verein dieser Teilarbeiter verrichtet wird. Ebenso entstand die Tuchmanufaktur und eine ganze Reihe anderer Manufakturen aus der Kombination verschiedener Handwerke unter dem Kommando desselben Kapitals.

Die Manufaktur entspringt aber auch auf entgegengesetztem Wege. Es werden viele Handwerker, die dasselbe oder Gleichartiges tun, z. B. Papier oder Bleibuchstaben (Typen) oder Nadeln machen, von demselben Kapital gleichzeitig in derselben Werkstatt beschäftigt. Es ist dies Kooperation in der einfachsten Form. Jeder dieser Handwerker (vielleicht mit einem oder zwei Gesellen) macht die ganze Ware und vollbringt also die verschiedenen zu ihrer Herstellung erheischten Operationen der Reihe nach. Er arbeitet in seiner alten handwerksmäßigen Weise fort. Indes veranlassen bald äußere Umstände, das Beisammensein der Arbeiter in demselben Raum und die Gleichzeitigkeit ihrer Arbeiten anders zu vernutzen. Es soll z. B. ein größeres Quantum fertiger Ware in einer bestimmten Frist geliefert werden. Die Arbeit wird daher verteilt. Statt die verschiedenen Operationen von demselben Handwerker nacheinander verrichten zu lassen, wird jede einzelne einem anderen Handwerker zugewiesen und so alle gleichzeitig ausgeführt. Diese zufällige Verteilung wiederholt sich, zeigt ihre eigentümlichen Vorteile und verknöchert nach und nach zur dauernden planmäßigen Teilung der Arbeit. Aus dem individuellen Produkt eines selbständigen Handwerkers, der vielerlei tut, verwandelt sich die Ware in das gesellschaftliche Produkt eines Vereins von Handwerkern, von denen jeder fortwährend nur ein und dieselbe Teiloperation verrichtet.

Gehen wir nun näher auf das einzelne ein, so ist zunächst klar, daß ein Arbeiter, der lebenslang ein und dieselbe einfache Operation verrichtet, seinen ganzen Körper in ihr automatisch einseitiges Organ verwandelt und daher weniger Zeit dazu verbraucht als der Handwerker, der eine ganze Reihe von Operationen abwechselnd ausführt. Der kombinierte Gesamtarbeiter, der den lebendigen Mechanismus der Manufaktur bildet, besteht aber aus lauter solchen einseitigen Teilarbeitern. Im Vergleich zum selbständigen Handwerk wird daher mehr in weniger Zeit produziert oder die Produktivkraft der Arbeit gesteigert. Auch vervollkommnet sich die Methode der Teilarbeit, nachdem sie zur ausschließlichen Funktion einer Person verselbständigt ist. Die stete Wiederholung desselben beschränkten Tuns und die Konzentration der Aufmerksamkeit auf dieses Beschränkte lehren erfahrungsmäßig den bezweckten Nutzeffekt mit geringstem Kraftaufwand erreichen. Da aber immer verschiedene Arbeitergenerationen gleichzeitig zusammenleben und in denselben Manufakturen zusammenwirken, befestigen, häufen und übertragen sich bald die so gewonnenen technischen Kunstgriffe. Die Manufaktur bringt in der Tat den Detailarbeiter zur Virtuosität, indem sie die naturwüchsige Sonderung der Gewerbe, die sie vorfand, ins Innere der Werkstatt überträgt und planmäßig auf die äußerste Spitze treibt. „Die Musseline von Dakka sind an Feinheit, die Kattune und andere Zeuge von Koromandel an Pracht und Dauerhaftigkeit der Farben niemals übertroffen worden. Und dennoch werden sie produziert ohne Kapital, Maschinerie, Teilung der Arbeit oder irgendeines der anderen Mittel, die der Fabrikation in Europa so viele Vorteile bieten. Der Weber ist ein vereinzeltes Individuum, der das Gewebe auf Bestellung eines Kunden verfertigt, und mit einem Webstuhl von der einfachsten Konstruktion, manchmal nur bestehend aus hölzernen, roh zusammengefügten Stangen. Er besitzt nicht einmal einen Apparat zum Aufziehen der Kette, der Webstuhl muß daher in seiner ganzen Länge ausgestreckt bleiben und wird so unförmlich und weit, daß er keinen Raum findet in der Hütte des Webers, der seine Arbeit daher in freier Luft verrichten muß, wo sie durch jede Wetteränderung unterbrochen wird.“25 Es ist nur das von Generation auf Generation gehäufte und von Vater auf Sohn vererbte Sondergeschick, das dem Hindu wie der Spinne diese Virtuosität verleiht. Und dennoch verrichtet ein solcher indischer Weber sehr komplizierte Arbeit, verglichen mit der Mehrzahl der Manufakturarbeiter.

Ein Handwerker, der die verschiedenen Teiloperationen in der Produktion eines Machwerks nacheinander ausführt, muß bald den Platz, bald die Instrumente wechseln. Der Übergang von einer Operation zur anderen unterbricht den Fluß seiner Arbeit und bildet gewissermaßen Poren in seinem Arbeitstag. Diese Poren verkleinern sich, sobald er den ganzen Tag andauernd ein und dieselbe Operation verrichtet, oder sie verschwinden in dem Maße, wie der Wechsel seiner Tätigkeit abnimmt. Die Produktivität wird hier gesteigert entweder durch wachsende Intensität der Arbeit, weil in dem gegebenen Zeitraum mehr Arbeitskraft verausgabt wird, oder weil weniger Arbeitskraft unproduktiv verlorengeht. Jeder Übergang nämlich aus der Ruhe in die Bewegung erheischt einen gewissen Kraftaufwand, der bei längerer Fortdauer der einmal erreichten Normalgeschwindigkeit wegfällt. Andererseits zerstört die andauernd gleichförmige Arbeit die Spann- und Schwungkraft der Lebensgeister, die im Wechsel der Tätigkeit selbst ihre Erholung und ihren Reiz finden.

Die Produktivität der Arbeit hängt nicht nur von der Virtuosität des Arbeiters ab, sondern auch von der Vollkommenheit seiner Werkzeuge. Werkzeuge derselben Art, wie Schneide-, Schlaginstrumente usw., werden in verschiedenen Arbeitsprozessen gebraucht, und in demselben Arbeitsprozeß dient dasselbe Instrument zu verschiedenen Verrichtungen. Sobald jedoch die verschiedenen Operationen eines Arbeitsprozesses voneinander losgelöst sind und jede Teiloperation in der Hand des Teilarbeiters eine möglichst entsprechende und daher ausschließliche Form gewinnt, werden Veränderungen der vorher zu verschiedenen Zwecken dienenden Werkzeuge notwendig. Die Richtung ihres Formwechsels ergibt sich aus der Erfahrung der besonderen Schwierigkeiten, welche die unveränderte Form in den Weg legt. Die Differenzierung und Spezialisierung der Werkzeuge charakterisieren die Manufaktur. Zu Birmingham allein produziert man etwa 500 verschiedene Arten von Hämmern, wovon jeder nicht nur für einen besonderen Produktionsprozeß, sondern eine Anzahl Arten oft nur für verschiedene Operationen in demselben Prozeß dient. Die Manufaktur vereinfacht, verbessert und vermannigfacht die Werkzeuge durch deren Anpassung an die ausschließlichen Sonderfunktionen der Teilarbeiter.26 Sie schafft damit zugleich eine der materiellen Bedingungen der Maschinerie, die aus einer Kombination einfacher Instrumente besteht.

Der Teilarbeiter und sein Werkzeug bilden die einfachen Elemente der Manufaktur. Wenden wir uns jetzt zu ihrer Gesamtgestalt.

Die Manufaktur ist in zwei wesentlich verschiedene Grundformen gegliedert, die namentlich auch bei der späteren Verwandlung der Manufaktur in die mit Maschinen betriebene große Industrie eine ganz verschiedene Rolle spielen, je nachdem das Machwerk gebildet wird durch bloß mechanische Zusammensetzung selbständiger Teilprodukte oder seine fertige Gestalt einer Reihenfolge zusammenhängender Prozesse und Verrichtungen verdankt.

Eine Lokomotive z. B. besteht aus mehr als 5000 selbständigen Teilen. Sie kann jedoch nicht als Beispiel der ersten Art der eigentlichen Manufaktur gelten, weil sie ein Gebilde der großen Industrie ist. Wohl aber die Uhr. Aus dem individuellen Werk eines Nürnberger Handwerkers verwandelte sich die Uhr in das gesellschaftliche Produkt einer Unzahl von Teilarbeitern, wie Rohwerkmacher, Uhrfedermacher, Zifferblattmacher, Spiralfedermacher, Steinloch- und Rubinhebelmacher, Zeigermacher, Gehäusemacher, Schraubenmacher, Vergolder, mit vielen Unterabteilungen wie z. B. Räderfabrikant (Messing- und Stahlräder wieder geschieden), Triebmacher, Zeigerwerkmacher, Acheveur de pignon (befestigt die Räder auf den Trieben, poliert die Facetten usw.), Zapfenmacher, Planteur de finissage (setzt verschiedene Räder und Triebe in das Werk), Finisseur de barillet (läßt Zähne einschneiden, macht die Löcher zur richtigen Weite, härtet Stellung und Gesperr), Hemmungmachcr, bei der Zylinderhemmung wieder Zylindermacher, Steigradmacher, Unruhemacher, Raquettemacher (das Rückwerk, woran die Uhr reguliert wird), Planteur d’échappement (eigentliche Hemmungmacher); dann der Repasseur de barillet (macht Federhaus und Stellung ganz fertig), Stahlpolierer, Räderpolierer, Schraubenpolierer, Zahlenmaler, Blattmaler (schmilzt das Email auf das Kupfer), Fabricant de pendants (macht bloß die Bügel des Gehäuses), Finisseur de charnière (steckt den Messingstift in die Mitte des Gehäuses usw.), Faiseur de secret (macht die Federn im Gehäuse, die den Deckel aufspringen machen), Graveur, Ziseleur, Polisseur de bolte (Gehäusepolierer) usw. usw., endlich der Repasseur, der die ganze Uhr zusammensetzt und sie gehend abliefert. Nur wenige Teile der Uhr laufen durch verschiedene Hände, und alle diese zerstreuten Teile sammeln sich erst in der Hand, die sie schließlich in ein mechanisches Ganzes verbindet. Dies äußerliche Verhältnis des fertigen Produkts zu seinen verschiedenartigen Elementen läßt hier, wie bei ähnlichem Machwerk, das Beisammensein der Teilarbeiter in derselben Werkstatt zufällig. Die Teilarbeiten können selbst wieder als voneinander unabhängige Handwerke betrieben werden, wie im Kanton Waadt und Neuenburg, während in Genf z. B. große Uhrenmanufakturen bestehen, d. h. die Teilarbeiter unmittelbar unter dem Kommando eines Kapitals zusammenarbeiten. Auch im letzten Fall werden Zifferblatt, Feder und Gehäuse selten in der Manufaktur selbst verfertigt. Die Zusammenziehung der Arbeiter ist hier nur unter ausnahmsweisen Verhältnissen profitlich, weil die Konkurrenz unter den Arbeitern, die zu Hause arbeiten wollen, am größten ist, die Zersplitterung der Produktion in eine Masse ungleichartiger Prozesse wenig Verwendung gemeinschaftlicher Arbeitsmittel erlaubt und der Kapitalist bei der zerstreuten Fabrikation die Auslage für Arbeitsgebäude usw. erspart.27 Indes ist auch die Stellung dieser Detailarbeiter, die zu Hause, aber für einen Kapitalisten arbeiten, ganz und gar verschieden von der des selbständigen Handwerkers, welcher für seine eigenen Kunden arbeitet.28

Die zweite Art der Manufaktur, ihre vollendete Form, produziert Machwerke, die zusammenhängende Entwicklungsphasen, eine Reihenfolge von Stufenprozessen durchlaufen, wie z. B. der Draht in der Nähnadelmanufaktur die Hände von 72 und selbst 92 Teilarbeitern durchläuft.

Betrachtet man ein bestimmtes Quantum Rohmaterial, z. B. Lumpen in der Papiermanufaktur oder Draht in der Nadelmanufaktur, so durchläuft es in den Händen der verschiedenen Teilarbeiter nacheinander eine Reihenfolge von Produktionsphasen bis zu seiner Schlußgestalt. Betrachtet man dagegen die Werkstatt als Ganzes, so befindet sich das Rohmaterial gleichzeitig in allen seinen Produktionsphasen auf einmal. Mit einem Teil seiner vielen instrumentbewaffneten Hände zieht der aus den Einzelarbeitern zusammengesetzte Gesamtarbeiter den Draht, während er gleichzeitig mit anderen Händen und Werkzeugen ihn streckt, mit anderen schneidet, spitzt usw. Daher Lieferung von mehr fertiger Ware in demselben Zeitraum. Die Manufaktur erreicht diese gesellschaftliche Organisation des Arbeitsprozesses nur durch Festschmieden desselben Arbeiters an dieselbe Teiltätigkeit.

Da das Teilprodukt jedes Teilarbeiters zugleich nur eine besondere Entwicklungsstufe desselben Machwerks ist, liefert ein Arbeiter dem andern oder eine Arbeitergruppe der anderen ihr Rohmaterial. Das Arbeitsresultat des einen bildet den Ausgangspunkt für die Arbeit des andern. Die notwendige Arbeitszeit zur Erreichung des bezweckten Nutzeffekts in jedem Teilprozeß wird erfahrungsmäßig festgestellt, und der Betrieb der Manufaktur beruht auf der Voraussetzung, daß in gegebener Arbeitszeit ein gegebenes Resultat erzielt wird. Nur unter dieser Voraussetzung können die verschiedenen einander ergänzenden Arbeitsprozesse ununterbrochen, gleichzeitig und räumlich nebeneinander fortgehen. Es ist klar, daß diese unmittelbare Abhängigkeit der Arbeiten und daher der Arbeiter voneinander jeden einzelnen zwingt, nur die notwendige Zeit zu seiner Funktion zu verwenden, und so eine ganz andere Kontinuität (ununterbrochenes Weiterlaufen), Gleichförmigkeit, Regelmäßigkeit, Ordnung und namentlich auch Intensität der Arbeit erzeugt wird als im unabhängigen Handwerk oder selbst in der einfachen Kooperation.

Verschiedene Operationen bedürfen jedoch ungleicher Zeitlängen und liefern daher in gleichen Zeiträumen ungleiche Mengen von Teilprodukten. Soll also derselbe Arbeiter tagaus, tagein stets nur dieselbe Operation verrichten, so müssen für verschiedene Operationen Arbeiter in verschiedener, genau dem gegenseitigen Verhältnis angepaßter Anzahl verwandt werden, z. B. vier Gießer und zwei Abbrecher auf einen Frottierer in einer Typenmanufaktur, wo der Gießer stündlich 2000 Typen gießt, der Abbrecher 4000 abbricht und der Frottierer 8000 blank reibt.

Ist die passendste Verhältniszahl der verschiedenen Gruppen von Teilarbeitern erfahrungsmäßig festgesetzt für eine bestimmte Stufenleiter der Produktion, so kann man diese Stufenleiter nur ausdehnen, indem man ein Vielfaches jeder besonderen Arbeitergruppe verwendet. Man kann z. B. in der Typenmanufaktur nicht einen Frottierer mehr beschäftigen, ohne zugleich zwei neue Abbrecher und vier neue Gießer einzustellen. Es kommt hinzu, daß dasselbe Individuum gewisse Arbeiten ebensogut auf größerer als kleinerer Staffel ausführt, z. B. die Arbeit der Oberaufsicht, den Transport der Teilprodukte aus einer Produktionsphase in die andere usw. Die Verselbständigung dieser Funktionen oder ihre Zuweisung an besondere Arbeiter wird also erst vorteilhaft mit Vergrößerung der beschäftigten Arbeiterzahl, aber diese Vergrößerung muß sofort alle Gruppen im gleichen Verhältnis ergreifen.

Es gibt Manufakturen, worin die einzelne Arbeitergruppe ein in sich gegliederter Arbeitskörper ist. Nehmen wir z. B. die Manufaktur von Glasflaschen. Sie zerfällt in drei wesentlich unterschiedene Phasen. Erstens die vorbereitende Phase, wie Bereitung der Glasmischung, Mengung von Sand, Kalk usw., und Schmelzung dieser Mischung zu einer flüssigen Glasmasse. In dieser ersten Phase sind verschiedene Teilarbeiter beschäftigt, ebenso in der Schlußphase, der Entfernung der Flaschen aus den Trockenöfen, ihrer Sortierung, Verpackung usw. Zwischen beiden Phasen steht in der Mitte die eigentliche Glasmacherei oder Verarbeitung der flüssigcn Glasmasse. An demselben Munde eines Glasofens arbeitet eine Gruppe, die in England das hole (Loch) heißt und aus einem Flaschenmacher, einem Bläser, einem Sammler, einem Aufhäufer oder Abschleifer und einem Einnehmer zusammengesetzt ist. Diese fünf Teilarbeiter bilden ebenso viele Sonderorgane eines einzigen Arbeitskörpers, der nur als Einheit, durch unmittelbares Zusammenwirken der fünf wirken kann. Fehlt ein Glied des fünfteiligen Körpers, so ist er lahmgelegt. Derselbe Glasofen hat aber verschiedene Öffnungen, in England z. B. 4–6, deren jede einen irdenen Schmelztiegel mit flüssigem Glas birgt, und wovon jede eine eigene Arbeitergruppe von derselben fünfgliedrigen Form beschäftigt. Die Gliederung jeder einzelnen Gruppe beruht hier unmittelbar auf der Teilung der Arbeit, während das Band zwischen den verschiedenen gleichartigen Gruppen einfache Kooperation ist, die eins der Produktionsmittel, hier den Glasofen, durch gemeinsamen Gebrauch besser ausnutzt. Ein solcher Glasofen mit seinen 4–6 Gruppen bildet eine Glashütte, und eine Glasmanufaktur umfaßt eine Mehrzahl solcher Hütten, zugleich mit den Vorrichtungen und Arbeitern für die einleitenden und abschließenden Produktionsphasen.

Endlich kann die Manufaktur sich zu einer Kombination verschiedener Manufakturen entwickeln. Die größeren englischen Glashütten z. B. fabrizieren ihre irdenen Schmelztiegel selbst, weil von deren Güte das Gelingen oder Mißlingen des Produktes wesentlich abhängt. Die Manufaktur von Flintglas findet man kombiniert mit der Glasschleiferei und der Gelbgießerei, letztere für die metallische Einfassung mannigfacher Glasartikel. Die verschiedenen kombinierten Manufakturen bilden dann mehr oder minder räumlich getrennte Abteilungen einer Gesamtmanufaktur, zugleich voneinander unabhängige Produktionsprozesse, jeder mit eigener Teilung der Arbeit. Trotz mancher Vorteile, welche die kombinierte Manufaktur bietet, gewinnt sie, auf eigener Grundlage, keine wirklich technische Einheit. Diese entsteht erst bei ihrer Verwandlung in den maschinenmäßigen Betrieb.

Die Manufakturperiode, welche Verminderung der zur Warenproduktion notwendigen Arbeitszeit bald als bewußtes Prinzip ausspricht, entwickelt hier und da auch den Gebrauch von Maschinen, namentlich für gewisse einfache erste Prozesse, die massenhaft und mit großem Kraftaufwand auszuführen sind. So wird z. B. bald in der Papiermanufaktur das Zermalmen der Lumpen durch Papiermühlen und in der Metallverhüttung das Zerstoßen der Erze durch sogenannte Pochmühlen verrichtet. Die elementarische Form aller Maschinerie hatte das römische Kaiserreich überliefert in der Wassermühle.29 Die Handwerksperiode vermachte die großen Erfindungen des Kompasses, des Pulvers, der Buchdruckerei und der automatischen Uhr. Im großen und ganzen jedoch spielt die Maschinerie (in der Manufakturzeit) eine Nebenrolle neben der Teilung der Arbeit. Sehr wichtig wurde die gelegentliche Anwendung der Maschinerie im 17. Jahrhundert, weil sie den großen Mathematikern jener Zeit praktische Anhaltspunkte und Reizmittel zur Schöpfung der modernen Mechanik darbot.

Die der Manufaktur eigentümliche Maschinerie bleibt der aus vielen Teilarbeitern kombinierte Gesamtarbeiter selbst. Die verschiedenen Operationen, die der Produzent einer Ware abwechselnd verrichtet, nehmen ihn verschiedenartig in Anspruch. In der einen muß er mehr Kraft entwickeln, in der anderen mehr Gewandtheit, in der dritten mehr geistige Aufmerksamkeit usw., und dasselbe Individuum besitzt diese Eigenschaften nicht in gleichem Grad. Nach der Trennung und Verselbständigung der verschiedenen Operationen werden die Arbeiter ihren vorwiegenden Eigenschaften gemäß geteilt und gruppiert. Bilden ihre Naturbesonderheiten die Grundlage, worauf sich die Teilung der Arbeit pfropft, so entwickelt die Manufaktur, einmal eingeführt, Arbeitskräfte, die von Natur nur zu einseitiger Sonderfunktion taugen. Der Gesamtarbeiter besitzt jetzt alle produktiven Eigenschaften in gleich hohem Grad der Virtuosität und verausgabt sie zugleich aufs zweckentsprechendste, indem er alle seine Organe, wie sie in besonderen Arbeitern oder Arbeitergruppen existieren, ausschließlich zu ihren besonderen Funktionen verwendet. Die Einseitigkeit und selbst die Unvollkommenheit des Teilarbeiters werden zu seiner Vollkommenheit als Glied des Gesamtarbeiters. (z. B. einseitige Muskelentwicklung, Knochenverkrümmung usw.) Die Gewohnheit einer einseitigen Funktion verwandelt ihn in ihr naturgemäß sicher wirkendes Organ, während der Zusammenhang aller Teilarbeiter ihn zwingt, mit der Regelmäßigkeit eines Maschinenteils zu wirken. Da die verschiedenen Funktionen des Gesamtarbeiters einfacher oder zusammengesetzter, niedriger oder höher sind, erheischen seine Organe, die individuellen Arbeitskräfte, sehr verschiedene Grade der Ausbildung und besitzen daher sehr verschiedene Werte. Die Manufaktur entwickelt also eine Hierarchie (Rangordnung) der Arbeitskräfte, der eine Stufenleiter der Arbeitslöhne entspricht. Jeder Produktionsprozeß bedingt indes gewisse einfache Hantierungen, deren jeder Mensch, wie er geht und steht, fähig ist. Auch sie werden jetzt von ihrem flüssigen Zusammenhang mit den inhaltvolleren Momenten der Tätigkeit losgelöst und zu ausschließlichen Funktionen verknöchert. Die Manufaktur erzeugt daher in jedem Handwerk, das sie ergreift, eine Klasse sogenannter ungelernter Arbeiter, die der Handwerksbetrieb streng ausschloß. Neben die hierarchische Abstufung tritt die einfache Scheidung der Arbeiter in gelernte und ungelernte. Für letztere fallen die Erlernungskosten ganz weg, für erstere sinken sie, im Vergleich zum Handwerker, infolge vereinfachter Funktion. In beiden Fällen sinkt der Wert der Arbeitskraft. Ausnahme findet statt, soweit die Zersetzung des Arbeitsprozesses neue zusammenfassende Funktionen erzeugt, die im Handwerksbetrieb gar nicht oder nicht in demselben Umfang vorkommen.

Die hier geschilderte Teilung der Arbeit innerhalb der Manufaktur war eine Fortsetzung der Arbeitsteilung, die seit Beginn der geschichtlich bekannten Zeiten vor sich gegangen war und bis dahin im Handwerk ihren höchsten Ausdruck gefunden hatte. Es versteht sich, daß die neue, durch das Kapital hervorgerufene Arbeitsteilung zahlreiche Wechselwirkungen und Ähnlichkeiten mit der alten aufwies. Trotzdem sind beide – also die seit Jahrhunderten bekannte Arbeitsteilung, welche die Menschen z. B. in verschiedene Handwerke gliederte, und die erst durch das Kapital aufgekommene Arbeitsteilung innerhalb ein und derselben Werkstatt – wesentlich voneinander unterschieden. Am schlagendsten scheint die Ähnlichkeit unstreitig, wo ein inneres Band verschiedene Geschäftszweige umschlingt. Der Viehzüchter z. B. produziert Häute, der Gerber verwandelt die Häute in Leder, der Schuster das Leder in Stiefel. Jeder produziert hier ein Stufenprodukt, und die letzte fertige Gestalt ist das kombinierte Produkt ihrer Sonderarbeiten. Es kommen hinzu die mannigfachen Arbeitszweige, die dem Viehzüchter, Gerber, Schuster Produktionsmittel liefern. Was aber stellt den Zusammenhang her zwischen den unabhängigen Arbeiten von Viehzüchter, Gerber, Schuster? Daß jedes ihrer Produkte eine Ware ist. Was charakterisiert dagegen die manufakturmäßige Teilung der Arbeit? Daß der Teilarbeiter keine Ware produziert. Erst das gemeinsame Produkt der Teilarbeiter verwandelt sich in Ware. Die allgemeine Arbeitsteilung in der Gesellschaft ist vermittelt durch den Kauf und Verkauf der Produkte verschiedener Arbeitszweige; der Zusammenhang der Teilarbeiten in der Manufaktur durch den Verkauf verschiedener Arbeitskräfte an denselben Kapitalisten, der sie als kombinierte Arbeitskraft verwendet. Die manufakturmäßige Teilung der Arbeit unterstellt Konzentration der Produktionsmittel in der Hand eines Kapitalisten, die gesellschaftliche Teilung der Arbeit erfordert Zersplitterung der Produktionsmittel unter viele voneinander unabhängige Warenproduzenten. Statt daß in der Manufaktur das eherne Gesetz der Verhältniszahl oder Proportionalität bestimmte Arbeitermassen unter bestimmte Funktionen einordnet, treiben Zufall und Willkür ihr buntes Spiel in der Verteilung der Warenproduzenten und ihrer Produktionsmittel unter die verschiedenen gesellschaftlichen Arbeitszweige. Die manufakturmäßige Teilung der Arbeit unterstellt die unbedingte Autorität des Kapitalisten über Menschen, die bloße Glieder eines ihm gehörigen Gesamtmechanismus bilden; die gesellschaftliche Teilung der Arbeit stellt unabhängige Warenproduzenten einander gegenüber, die keine andere Autorität anerkennen als die der Konkurrenz, den Zwang, den der Druck ihrer wechselseitigen Interessen auf sie ausübt. Dasselbe bürgerliche Bewußtsein, das die manufakturmäßige Teilung der Arbeit, die lebenslängliche Gebundenheit des Arbeiters an eine Detailverrichtung und die unbedingte Unterordnung der Teilarbeiter unter das Kapital als eine Organisation der Arbeit feiert, welche ihre Produktivkraft steigere, denunziert daher ebenso laut jede bewußte gesellschaftliche Kontrolle und Regelung des gesellschaftlichen Produktionsprozesses als einen Eingriff in die unverletztlichen Eigentumsrechte, Freiheit und sich selbst bestimmende „Genialität“ des individuellen Kapitalisten. Es ist sehr charakteristisch, daß die begeisterten Lobredner des Fabriksystems nichts Ärgeres gegen jede allgemeine Organisation der gesellschaftlichen Arbeit zu sagen wissen, als daß sie die ganze Gesellschaft in eine Fabrik verwandeln würde.

Die Zunftgesetze verhinderten planmäßig, durch äußerste Beschränkung der Gesellenzahl, die ein einzelner Zunftmeister beschäftigen durfte, seine Verwandlung in einen Kapitalisten. Ebenso konnte er Gesellen nur beschäftigen in dem ausschließlichen Handwerk, worin er selbst Meister war. Die Zunft wehrte eifersüchtig jeden Übergriff des Kaufmannskapitals ab, der einzig freien Form des Kapitals, die ihr gegenüberstand. Der Kaufmann konnte alle Waren kaufen, nur nicht die Arbeit als Ware. Er war nur geduldet als Verleger der Handwerksprodukte. Riefen äußere Umstände eine fortschreitende Teilung der Arbeit hervor, so zerspalteten sich bestehende Zünfte in Unterarten oder lagerten sich neue Zünfte neben die alten hin, jedoch ohne Zusammenfassung verschiedener Handwerke in einer Werkstatt. Die Zunftorganisation, so sehr ihre Besonderung, Abgrenzung und Ausbildung der Gewerbe zu den Vorbedingungen der Manufaktur gehören, schloß daher die manufakturmäßige Teilung der Arbeit aus. Im großen und ganzen blieben der Arbeiter und seine Produktionsmittel miteinander verbunden wie die Schnecke mit dem Schneckenhaus, und so fehlte die erste Grundlage der Manufaktur, die Verselbständigung der Produktionsmittel als Kapital gegenüber dem Arbeiter.

Während die Teilung der Arbeit im Ganzen einer Gesellschaft, ob vermittelt oder unvermittelt durch den Warenaustausch, den verschiedenartigsten ökonomischen Gesellschaftsformationen angehört, ist die manufakturmäßige Teilung der Arbeit eine ganz spezifische Schöpfung der kapitalistischen Produktionsweise.

* * *

Ist die Manufaktur einmal eingeführt, so erheischt jeder weitere Fortschritt der Arbeitsteilung das Vorhandensein von größerem Kapital in der Hand der einzelnen Kapitalisten. Denn, wie wir gesehen, ist die Mindestanzahl von Arbeitern, die der einzelne Kapitalist anwenden muß, ihm jetzt durch die vorhandene Teilung der Arbeit vorgeschrieben. (Man denke an das Beispiel der Schriftgießerei: auf einen Frottierer kommen zwei Abbrecher und vier Gießer; mindestens diese sieben Mann muß der Kapitalist einstellen, will er seine Gießerei überhaupt betreiben. Um den Betrieb zu erweitern, braucht er mindestens noch einmal sieben Mann.) Mit dem variablen muß aber auch der konstante Kapitalteil wachsen, die Arbeitsmittel und Arbeitsstoffe, die Baulichkeiten, Öfen usw., namentlich aber auch das Rohmaterial, und dieses viel schneller als die Arbeiterzahl. Denn durch die Vergrößerung wächst ja die Produktivkraft der Arbeit, es wird also in derselben Zeit und von derselben Arbeiteranzahl um so viel mehr Rohmaterial verarbeitet. Dieses muß im Besitz des Kapitalisten vorhanden sein. In demselben Verhältnis also, wie die Manufaktur wächst, werden die in der Gesellschaft vorhandenen Lebensmittel und Produktionsmittel zu Kapital in den Händen der Kapitalisten. „Es genügt nicht, daß das zur Unterabteilung der Handwerke nötige Kapital (sollte heißen, die dazu nötigen Lebensmittel und Produktionsmittel) sich in der Gesellschaft vorhanden vorfinde; es ist außerdem nötig, daß es in den Händen der Unternehmer in hinreichend beträchtlichen Massen angehäuft sei, um sie zur Arbeit auf großer Stufenleiter zu befähigen … Je mehr die Teilung zunimmt, erheischt die ständige Beschäftigung einer selben Zahl von Arbeitern immer beträchtlicheres Kapital in Werkzeugen, Rohstoffen usw.“ (Storch, Lehrgang der polit. Ökonomie. Pariser Ausgabe, B. I, S. 250/51.)

Ebenso wie die einfache Kooperation, ist auch die Manufaktur durch das Kapital zustande gekommen. Die aus der Kombination der Arbeiten entspringende Produktivkraft erscheint daher als Produktivkraft des Kapitals. Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch zwischen einfacher Kooperation und Manufaktur. Während die einfache Kooperation die Arbeitsweise der einzelnen im großen und ganzen unverändert läßt, wälzt die Manufaktur sie von Grund aus um und ergreift die individuelle Arbeitskraft an ihrer Wurzel. Sie verkrüppelt den Arbeiter, indem sie sein Detailgeschick treibhausmäßig fördert, durch Unterdrückung einer Welt von produktiven Trieben und Anlagen, wie man in den La-Plata-Staaten ein ganzes Tier abschlachtet, um sein Fell oder seinen Talg zu erbeuten. Die besonderen Teilarbeiten werden nicht nur unter verschiedene Individuen verteilt, sondern das Individuum selbst wird geteilt, in das automatische Triebwerk einer Teilarbeit verwandelt und die abgeschmackte Fabel des Menenius Agrippa30 verwirklicht, die einen Menschen als bloßes Bruchstück seines eigenen Körpers darstellt. Wenn der Arbeiter ursprünglich seine Arbeitskraft an das Kapital verkauft, weil ihm die materiellen Mittel zur Produktion einer Ware fehlen, versagt jetzt seine Arbeitskraft selbst ihren Dienst, sobald sie nicht an das Kapital verkauft wird. Sie funktioniert nur noch in einem Zusammenhang, der erst nach ihrem Verkauf existiert, in der Werkstatt des Kapitalisten. Seiner natürlichen Beschaffenheit nach verunfähigt, etwas Selbständiges zu machen, entwickelt der Manufakturarbeiter produktive Tätigkeit nur noch als Zubehör zur Werkstatt des Kapitalisten. („Der Arbeiter, der in seinen Armen ein ganzes Handwerk trägt, kann überall sein Gewerbe ausüben und seinen Lebensunterhalt gewinnen; der Manufakturarbeiter ist nur ein Zubehör, losgetrennt von seinen Arbeitskameraden kann er nichts schaffen, ist deshalb unselbständig und muß über sich ergehen lassen, was man ihm aufzuerlegen für gut befindet.“ Storch, Petersburger Ausgabe, 1815, B. I, S. 204.)

Die Kenntnisse, die Einsicht und der Wille, die der selbständige Bauer oder Handwerker, wenn auch auf kleinem Maßstab, entwickelt, sind jetzt nur noch für das Ganze der Werkstatt erheischt. Die Teilarbeiter verlieren die geistigen Kräfte der Produktion, die sich ihnen gegenüber im Kapital ansammeln. Es ist eine Wirkung der manufakturmäßigen Teilung der Arbeit, den einzelnen Arbeitern die geistigen Kräfte der Produktion zu entziehen und sie ihnen als fremdes Eigentum und sie beherrschende Macht gegenüberzustellen. Dieser Scheidungsprozeß beginnt in der einfachen Kooperation, wo der Kapitalist den einzelnen Arbeitern gegenüber die Einheit und den Willen des gesamten Arbeitskörpers vertritt. Er setzt sich fort in der Manufaktur, die den Arbeiter zum Teilarbeiter verstümmelt. Er vollendet sich in der großen Industrie, welche die Wissenschaft als selbständige Produktionskraft von der Arbeit trennt und in den Dienst des Kapitals preßt.

In der Manufaktur ist die Bereicherung des Gesamtarbeiters und daher des Kapitals an gesellschaftlicher Produktivität bedingt durch die Verarmung des Arbeiters an individuellen Produktivkräften. „Die Unwissenheit ist die Mutter der Industrie wie des Aberglaubens. Nachdenken und Einbildungskraft sind dem Irrtum unterworfen; aber die Gewohnheit, den Fuß oder die Hand zu bewegen, hängt weder von dem einen noch von der andern ab. So könnte man sagen, daß mit Bezug auf Manufakturen ihre Vollkommenheit darin besteht, sich des Geistes entschlagen zu können, in der Art, daß die Werkstatt als eine Maschine betrachtet werden kann, deren Teile Menschen sind.“31 In der Tat wandten einige Manufakturen in der Mitte des 18. Jahrhunderts für gewisse einfache Operationen, welche aber Fabrikgeheimnisse bildeten, mit Vorliebe halbe Idioten an.

Anschaulich schildert der englische Forscher Adam Smith (in seinem Werk „Reichtum der Nationen“, erschienen 1776, Buch V, Kapitel I, zweiter Abschnitt) die geistige Verkümmerung des Arbeiters infolge der Manufaktur. „Der Geist der großen Mehrzahl der Menschen“, sagt A. Smith, „entwickelt sich notwendig aus und an ihren Alltagsverrichtungen. Ein Mensch, der sein ganzes Leben in der Verrichtung weniger einfacher Operationen verausgabt …, hat keine Gelegenheit, seinen Verstand zu üben … Er wird im allgemeinen so stupid und unwissend, wie eine menschliche Kreatur nur werden kann … Aber in jeder industriellen und zivilisierten Gesellschaft ist dies der Zustand, worin der arbeitende Arme, d. h. die große Masse des Volks, notwendig verfallen muß.“ Aber auch der Körper des Teilarbeiters verkümmert, und so hat die Manufaktur zuerst das Material und den Anstoß zur Erforschung der Gewerbekrankheiten geliefert.

„Einen Menschen unterabteilen heißt ihn hinrichten, wenn er das Todesurteil verdient, ihn meuchelmorden, wenn er es nicht verdient. Die Unterabteilung der Arbeit ist der Meuchelmord eines Volkes.“ (D. Urquhart, London 1855.)

Ursprünglich aus den Bedürfnissen der Arbeit gewissermaßen von selbst erwachsen, wird die Manufaktur – d. h. das auf Teilung der Arbeit beruhende Zusammenwirken –, sobald sie sich einigermaßen befestigt und ausgedehnt hat, von den Kapitalisten bewußt und planmäßig angewandt und weiterentwickelt. Die Geschichte der eigentlichen Manufaktur zeigt, wie die ihr eigentümliche Teilung der Arbeit zunächst erfahrungsgemäß, gleichsam hinter dem Rücken der handelnden Personen, die sachgemäßen Formen gewinnt, dann aber, gleich dem zünftigen Handwerke, die einmal gefundene Form durch Überlieferung von einer Generation zur andern festzuhalten strebt und in einzelnen Fällen jahrhundertelang festhält. Ändert sich diese Form, so außer in Nebendingen immer nur infolge einer Umwälzung der Arbeitsinstrumente. Die moderne Manufaktur – ich spreche hier nicht von der auf Maschinerie beruhenden großen Industrie – findet entweder, wie z. B. die Kleidermanufaktur, in den großen Städten, wo sie entsteht, ihre verschiedenen Glieder bereits fertig vor und hat sie nur aus ihrer Zerstreuung zu sammeln, oder das Prinzip der Teilung liegt auf flacher Hand, indem einfach die verschiedenen Verrichtungen der handwerksmäßigen Produktion (z. B. beim Buchbinden) besonderen Arbeitern ausschließlich zugeteilt werden. Es kostet noch keine Woche Erfahrung, in solchen Fällen die Verhältniszahl zwischen den für jede Funktion nötigen Händen zu finden.32

Die manufakturmäßige Teilung der Arbeit schafft also eine bestimmte Organisation gesellschaftlicher Arbeit und entwickelt damit zugleich neue gesellschaftliche Produktivkraft der Arbeit. Als spezifisch kapitalistische Form der Produktion – und auf den vorgefundenen Grundlagen konnte sie sich nicht anders als in der kapitalistischen Form entwickeln – ist sie nur eine besondere Methode, relativen Mehrwert zu erzeugen oder die Selbstverwertung des Kapitals – was man „gesellschaftlichen Reichtum“ usw. nennt – auf Kosten der Arbeiter zu erhöhen. Nicht nur entwickelt sie die gesellschaftliche Produktivkraft der Arbeit für den Kapitalisten statt für den Arbeiter, sondern durch die Verkrüppelung des Arbeiters. Sie produziert neue Bedingungen der Herrschaft des Kapitals über die Arbeit. Wenn sie daher einerseits als historischer Fortschritt erscheint, so andererseits als ein Mittel zivilisierter und raffinierter Ausbeutung.

Die politische Ökonomie, die als eigene Wissenschaft erst in der Manufakturzeit aufkommt, betrachtet die Teilung der Arbeit überhaupt nur als Mittel, mit demselben Quantum Arbeit mehr Ware zu produzieren, daher die Waren zu verwohlfeilern und die Anhäufung des Kapitals zu beschleunigen. Im strengsten Gegensatz zu dieser Betonung der Quantität und des Tauschwertes halten sich die Schriftsteller des klassischen Altertums ausschließlich an Qualität und Gebrauchswert. Infolge der Scheidung der Produktionszweige werden die Waren besser gemacht, die verschiedenen Triebe und Talente der Menschen wählen sich entsprechende Wirkungskreise, und ohne Beschränkung ist nirgendwo Bedeutendes zu leisten.

Während der eigentlichen Manufakturperiode, d. h. der Zeit, worin die Manufaktur die herrschende Form der kapitalistischen Produktion, stößt die volle Ausführung ihrer eigenen Tendenzen auf vielseitige Hindernisse. Obgleich sie, wie wir sahen, neben der Rangordnung der gelernten Arbeiter eine einfache Scheidung zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern schafft, bleibt die Zahl der letzteren sehr beschränkt. Obgleich sie die einzelnen Operationen dem verschiedenen Grad von Reife und Kraft der Arbeiter anpaßt und daher zur Ausbeutung von Weibern und Kindern drängt, scheitert diese Tendenz im großen und ganzen an den Gewohnheiten und dem Widerstand der männlichen Arbeiter. Obgleich die Zersetzung des Handwerks in Teiloperationen die Bildungskosten und den Wert der Arbeiter senkt, bleibt für schwierigere Detailarbeit eine längere Erlernungszeit nötig und wird auch da, wo sie überflüssig, eifersüchtig von den Arbeitern aufrechterhalten. Wir finden z. B. in England die Gesetze über das Lehrlingswesen mit ihrer siebenjährigen Lernzeit bis zum Ende der Manufakturperiode in Vollkraft und erst von der großen Industrie über den Haufen geworfen. Da das Handwerksgeschick die Grundlage der Manufaktur bleibt, ringt das Kapital beständig mit der Unbotmäßigkeit der Arbeiter. Durch die ganze Manufakturperiode läuft daher die Klage über den Disziplinmangel der Arbeiter. Vom 16. Jahrhundert bis zum Beginn der großen Industrie gelang es dem Kapital nicht, sich der ganzen möglichen Arbeitszeit der Manufakturarbeiter zu bemächtigen; mit der Ein- oder Auswanderung der Arbeiter mußten die Manufakturen ihren Sitz in dem einen Lande verlassen und in dem anderen aufschlagen.

Zugleich konnte die Manufaktur die gesellschaftliche Produktion weder in ihrem ganzen Umfang ergreifen noch in ihrer Tiefe umwälzen. Eins ihrer vollendetsten Gebilde war die Werkstatt zur Produktion der Arbeitsinstrumente selbst und namentlich auch der komplizierteren mechanischen Apparate. Dieses Produkt der manufakturmäßigen Teilung der Arbeit produzierte seinerseits – Maschinen. Damit fallen die Schranken, welche die Abhängigkeit des Werks von den persönlichen Fähigkeiten des Arbeiters noch der Herrschaft des Kapitals auferlegte.

9.3 Maschinerie und große Industrie33

John Stuart Mill sagt in seinen „Prinzipien der politischen Ökonomie“: „Es ist fraglich, ob alle bisher gemachten mechanischen Erfindungen die Tagesmühe irgendeines menschlichen Wesens erleichtert haben.“34 Solches ist jedoch auch keineswegs der Zweck der kapitalistisch verwandten Maschinerie. Gleich jeder andren Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit soll sie Waren verwohlfeilern und den Teil des Arbeitstags, den der Arbeiter für sich selbst braucht, verkürzen, um den andren Teil seines Arbeitstags, den er dem Kapitalisten umsonst gibt, zu verlängern. Sie ist Mittel zur Produktion von Mehrwert.

Die Umwälzung der Produktionsweise nimmt in der Manufaktur die Arbeitskraft zum Ausgangspunkt, in der großen Industrie das Arbeitsmittel. Es ist also zunächst zu untersuchen, wodurch sich die Maschine vom Handwerksinstrument unterscheidet.

Mathematiker und Mechaniker erklären das Werkzeug für eine einfache Maschine und die Maschine für ein zusammengesetztes Werkzeug. Sie sehen hier keinen wesentlichen Unterschied. In der Tat besteht jede Maschine aus einfachen Werkzeugen, wie immer verkleidet und kombiniert. Vom ökonomischen Standpunkt jedoch taugt die Erklärung nichts. Andrerseits sucht man den Unterschied zwischen Werkzeug und Maschine darin, daß beim Werkzeug der Mensch die Bewegungskraft liefert, bei der Maschine eine andre Naturkraft, wie Tier, Wasser, Wind usw. Danach wäre ein mit Ochsen bespannter Pflug eine Maschine, ein im 18. Jahrhundert gebräuchlicher Rundwebstuhl, der, von der Hand eines einzigen Arbeiters bewegt, 96000 Maschen in einer Minute verfertigt, wäre ein bloßes Werkzeug. Ja derselbe Webstuhl wäre Werkzeug, wenn er mit der Hand, und wäre Maschine, wenn er mit Dampf bewegt wird. Da die Anwendung von Tierkraft eine der ältesten Erfindungen der Menschheit ist, ginge in der Tat die Maschinenproduktion der Handwerksproduktion voraus.

Alle entwickelte Maschinerie besteht aus drei wesentlich verschiedenen Teilen: der Bewegungsmaschine, dem Transmissions- (Kraftübertragungs-) Apparat und der Werkzeugmaschine oder Arbeitsmaschine. Die Bewegungsmaschine wirkt als Triebkraft des Ganzen. Sie erzeugt ihre eigene Bewegungskraft wie die Dampfmaschine, Heißluftmaschine, elektro-magnetische Maschine usw., oder sie empfängt den Anstoß von einer fertigen Naturkraft, wie das Wasserrad, der Windflügel usw. Der Transmissionsapparat, zusammengesetzt aus Schwungrädern, Treibwellen, Zahnrädern, Kreiselrädern, Schäften, Schnüren, Riemen, Zwischengeschirr und Vorgelege der verschiedensten Art, regelt die Bewegung, verwandelt, wo es nötig, ihre Form, z. B. aus einer hin und her schwingenden in eine kreisförmige, verteilt und überträgt sie auf die Werkzeugmaschinerie. Beide Teile des Mechanismus sind nur vorhanden, um der Werkzeugmaschine die Bewegung mitzuteilen, wodurch sie den Arbeitsgegenstand anpackt und zweckgemäß verändert. Dieser Teil der Maschinerie, die Werkzeugmaschine ist es, wovon die industrielle Umwälzung im 18. Jahrhundert ausgeht. Sie bildet noch jeden Tag von neuem den Ausgangspunkt, sooft Handwerksbetrieb oder Manufakturbetrieb in Maschinenbetrieb übergeht.

Sehen wir uns nun die Werkzeugmaschine oder eigentliche Arbeitsmaschine näher an, so erscheinen im großen und ganzen, wenn auch oft in sehr veränderter Form, die Apparate und Werkzeuge wieder, womit der Handwerker und Manufakturarbeiter arbeitet. Entweder ist die ganze Maschine nur eine mehr oder minder veränderte mechanische Ausgabe des alten Handwerksinstruments, wie bei dem mechanischen Webstuhl, oder die an der Arbeitsmaschine angebrachten Organe sind alte Bekannte, wie Spindeln, Nadeln, Sägeblätter, Messer usw. Die Werkzeugmaschine ist also ein Mechanismus, der nach Empfang der Bewegungskraft mit seinen Werkzeugen dieselben Operationen verrichtet, welche früher der Arbeiter mit ähnlichen Werkzeugen verrichtete. Ob die Triebkraft nun vom Menschen ausgeht oder selbst wieder von einer Maschine, ändert am Wesen der Sache nichts. Sobald das eigentliche Werkzeug, das auf den Rohstoff einwirkt, nicht vom Menschen, sondern von einem mechanischen Apparat gehandhabt wird, ist aus dem bloßen Werkzeug eine Maschine geworden.

Der Unterschied springt sofort in die Augen, auch wenn der Mensch selbst noch die Triebkraft liefert. Die Anzahl von Arbeitsinstrumenten, womit er gleichzeitig wirken kann, ist durch die Anzahl seiner körperlichen Organe beschränkt. Man versuchte in Deutschland erst einen Spinner zwei Spinnräder treten, ihn also gleichzeitig mit zwei Händen und zwei Füßen arbeiten zu lassen. Dies war zu anstrengend. Später erfand man ein Tretspinnrad mit zwei Spindeln. Aber die Spinnvirtuosen, die zwei Fäden gleichzeitig spinnen konnten, waren fast so selten wie zweiköpfige Menschen. Die Jenny spinnt dagegen von vornherein mit 12–18 Spindeln, der Strumpfwirkerstuhl strickt mit viel tausend Nadeln auf einmal usw. Die Anzahl der Werkzeuge, womit dieselbe Werkzeugmaschine gleichzeitig spielt, ist von vornherein unabhängig von der Schranke, wodurch das Handwerkszeug eines Arbeiters beengt wird.

Die Dampfmaschine selbst, wie sie Ende des 17. Jahrhunderts erfunden ward und bis zum Anfang der 80er Jahre des 18. Jahrhunderts fortexistierte, rief keine industrielle Umwälzung hervor. Es war vielmehr umgekehrt die Schöpfung der Werkzeugmaschine, welche die Dampfmaschine notwendig machte.

Die Werkzeugmaschine, von welcher die industrielle Umwälzung ausgeht, ersetzt den Arbeiter, der ein einzelnes Werkzeug handhabt, durch einen Mechanismus, der mit einer Masse derselben oder gleichartiger Werkzeuge auf einmal operiert und von einer einzigen Triebkraft, welches immer deren Form sei, bewegt wird. („Die Vereinigung aller dieser einfachen Instrumente, durch einen einzigen Motor in Bewegung gesetzt, bildet eine Maschine.“ Babbage, London 1832.)

Die Erweiterung des Umfangs der Arbeitsmaschine und der Zahl ihrer gleichzeitig operierenden Werkzeuge bedingt einen größeren Bewegungsmechanismus, und dieser braucht zur Überwältigung seines eigenen Widerstandes eine mächtigere Triebkraft als die menschliche, abgesehen davon, daß der Mensch nur sehr unvollkommen gleichmäßige und andauernde Bewegung zu liefern vermag. Naturkräfte können ihn jetzt auch als Triebkraft ersetzen, und damit konnte dann eine Bewegungsmaschine viele Arbeitsmaschinen gleichzeitig betreiben.

Es gab Mules, Dampfmaschinen usw., bevor es Arbeiter gab, deren ausschließliches Geschäft es war, Dampfmaschinen, Mules usw. zu machen, ganz wie der Mensch Kleider trug, bevor es Schneider gab. Die Erfindungen des 18. Jahrhunderts (Vaucanson, Arkwright, Watt usw.) waren jedoch nur ausführbar, weil jene Erfinder ein von der Manufakturzeit fertig geliefertes und beträchtliches Quantum geschickter mechanischer Arbeiter vorfanden. Mit der Zunahme der Erfindungen und der wachsenden Nachfrage nach den neu erfundenen Maschinen entwickelte sich mehr und mehr einerseits die Spaltung der Maschinenfabrikation in mannigfache selbständige Zweige, andererseits die Teilung der Arbeit im Innern der maschinenbauenden Manufakturen. Wir erblicken hier also in der Manufaktur die unmittelbare technische Grundlage der großen Industrie. Jene produzierte die Maschinerie, womit diese in den Produktionszweigen, die sie zunächst ergriff, den handwerks- und manufakturmäßigen Betrieb aufhob. Der Maschinenbetrieb erhob sich also naturwüchsig auf einer ihm unangemessenen Grundlage. Die große Industrie war in ihrer ganzen Entwicklung gelähmt, solange die Maschine persönlicher Kraft und persönlichem Geschick ihre Existenz verdankte, also abhing von der Muskelentwicklung, der Schärfe des Blicks und der Virtuosität der Hand, womit der Teilarbeiter in der Manufaktur und der Handwerker ihr Zwerginstrument führten. Abgesehen von der Verteuerung der Maschinen infolge dieser Ursprungsweise, blieb so die Ausdehnung der bereits maschinenmäßig betriebenen Industrie und das Eindringen der Maschinerie in neue Produktionszweige rein bedingt durch das Wachstum einer Arbeitergruppe, die wegen der halbkünstlerischen Natur ihres Geschäfts nur allmählich und nicht sprungweise vermehrt werden konnte. Aber auf einer gewissen Entwicklungsstufe geriet die große Industrie auch technisch in Widerstreit mit ihrer handwerks- und manufakturmäßigen Unterlage. Es erwuchsen dem Maschinenbau Aufgaben, welche die Manufaktur nicht lösen konnte. Maschinen z. B. wie die moderne Druckerpresse, der moderne Dampfwebstuhl und die moderne Kardiermaschine konnten nicht von der Manufaktur geliefert werden.

Die Umwälzung der Produktionsweise in einer Industrie bedingt ihre Umwälzung in der andern. So machte die Maschinenspinnerei Maschinenweberei nötig und beide zusammen die mechanisch-chemischen Neuerungen in der Bleicherei, Druckerei und Färberei. So rief andrerseits die Umwälzung in der Baumwollspinnerei die Erfindung des Gin zur Trennung der Baumwollfaser vom Samen hervor, womit erst die Baumwollproduktion auf dem nun erheischten großen Maßstab möglich ward. Die Umwälzung in Industrie und Landwirtschaft ernötigte namentlich aber auch eine Umwälzung in den Verkehrs- und Transportmitteln. Die von der Manufakturzeit überlieferten Verkehrs- und Transportmittel erwiesen sich bald als unerträgliche Hemmschuhe für die große Industrie mit ihrer fieberhaften Geschwindigkeit, ihrer Massenproduktion, ihrem beständigen Werfen von Kapital- und Arbeitermassen aus einem Produktionszweig in den andren und ihren neugeschaffenen weltmarktlichen Zusammenhängen. Abgesehen von ganz umgewälztem Segelschiffbau, wurde das Verkehrs- und Transportwesen daher allmählich durch ein System von Flußdampfschiffen, Eisenbahnen, Ozeandampfern und Telegraphen der großen Industrie angepaßt. Die furchtbaren Eisenmassen aber, die jetzt zu schmieden, zu schweißen, zu schneiden, zu bohren und zu formen waren, erforderten ihrerseits zyklopische Maschinen, deren Schöpfung der manufakturmäßige Maschinenbau versagte. Die große Industrie mußte sich also auf den Maschinenbau ausdehnen und Maschinen durch Maschinen produzieren.

Betrachten wir nun den Teil der zum Maschinenbau angewandten Maschinerie, der die eigentliche Werkzeugmaschine bildet, so erscheint das handwerksmäßige Instrument wieder, aber in zyklopischem Umfang. Die Bohrmaschine z. B. arbeitet mit einem ungeheuren Bohrer, die durch eine Dampfmaschine getrieben wird, und ohne den umgekehrt die Zylinder großer hydraulischer Pressen nicht produziert werden könnten. Die mechanische Drechselbank ist die zyklopische Wiedergeburt der gewöhnlichen Fußdrechselbank, die Hobelmaschine ein eiserner Zimmermann, der mit denselben Werkzeugen in Eisen arbeitet wie der Zimmermann in Holz; das Werkzeug, welches in den Londoner Schiffswerften das Furnierwerk schneidet, ist ein riesenartiges Rasiermesser; das Werkzeug der Schermaschine, welche Eisen schneidet, wie die Schneiderschere Tuch, ist eine Monstreschere, und der Dampfhammer operiert mit einem gewöhnlichen Hammerkopf, aber von solchem Gewicht, daß Thor selbst ihn nicht schwingen könnte. Einer dieser Dampfhämmer z. B. wiegt über 6 Tonnen (120 Zentner) und stürzt aus einer Höhe von 7 Fuß auf einen Amboß von 36 Tonnen Gewicht (720 Zentner). Er zerschlägt spielend einen Granitblock zu Pulver und ist nicht minder fähig, einen Nagel in weiches Holz mit einer Anzahl leiser Schläge einzutreiben.

In der einfachen, und selbst in der durch Arbeitsteilung verfeinerten Kooperation erscheint die Verdrängung des vereinzelten Arbeiters durch den vergesellschafteten immer noch mehr oder minder zufällig. Die Maschinerie (mit einigen später zu erwähnenden Ausnahmen) erfordert ohne weiteres vergesellschaftete Arbeit (d. h. planmäßig gemeinsame Arbeit vieler). Die Natur des Arbeitsmittels selbst macht jetzt das planmäßige Zusammenwirken zur technischen Notwendigkeit.

* * *

Man sah, daß die aus Kooperation und Teilung der Arbeit entspringenden Produktivkräfte dem Kapital nichts kosten. Naturkräfte, wie Dampf, Wasser usw., kosten ebenfalls nichts. Wie aber der Mensch eine Lunge zum Atmen braucht, braucht er ein „Gebild von Menschenhand“, um Naturkräfte bei der Produktion zu benutzen. Ein Wasserrad ist nötig, um die Bewegungskraft des Wassers, eine Dampfmaschine, um die Spannkraft des Dampfes auszunutzen. Wie mit den Naturkräften verhält es sich mit der Wissenschaft. Einmal entdeckt, kostet das Gesetz über die Abweichung der Magnetnadel im Wirkungskreise eines elektrischen Stromes oder über Erzeugung von Magnetismus im Eisen, um das ein elektrischer Strom kreist, keinen Deut. Aber zur Ausnutzung dieser Gesetze für Telegraphie usw. bedarf es eines sehr kostspieligen und weitläufigen Apparates. Wenn es daher auf den ersten Blick klar ist, daß die große Industrie durch Nutzbarmachung ungeheurer Naturkräfte die Produktivkraft der Arbeit außerordentlich steigern muß, ist es keineswegs ebenso klar, daß dies nicht durch vermehrte Arbeitsausgabe erkauft wird. Wie das konstante Kapital überhaupt, schafft die Maschinerie keinen Wert, gibt aber ihren eigenen Wert an das Produkt ab, und es ist handgreiflich, daß die Maschinerie unverhältnismäßig an Wert schwillt, verglichen mit den Arbeitsmitteln des Handwerks- und Manufakurbetriebes. Statt das Produkt zu verwohlfeilern, verteuert sie es im Verhältnis zu ihrem eigenen Wert.

Nun setzt aber die Maschinerie dem einzelnen Produkt niemals mehr Wert zu, als sie im Durchschnitt durch ihre Abnutzung verliert. Es besteht also ein großer Unterschied zwischen dem Wert, den die Maschine besitzt, und dem Wertteilchen, das sie jedesmal auf das Produkt überträgt. Und dieses Wertteilchen ist um so kleiner, je länger die Maschine vorhält. Das gilt allerdings für jedes eigentliche Arbeitsmittel, für jedes Produktionsinstrument. Jedoch ist der Unterschied zwischen Benutzung und Abnutzung bei der Maschinerie viel größer als beim Werkzeug, weil sie, aus dauerhafterem Material gebaut, länger lebt, weil ihre Anwendung, durch streng wissenschaftliche Gesetze geregelt, größere Sparsamkeit ermöglicht, und endlich weil ihr Produktionsfeld unverhältnismäßig größer ist als das des Werkzeugs. Herr Baynes aus Blackburn schätzt in einer 1858 veröffenthchten Vorlesung, daß „jede reale mechanische Pferdekraft 450 Selfaktor-Mulespindeln nebst Vorgeschirr treibt oder 200 Throstlespindeln oder 15 Webstühle für 40zölliges Tuch nebst den Vorrichtungen zum Aufziehen der Kette, Schlichten usw.“ Die täglichen Kosten einer Dampfpferdekraft und der Verschleiß der von ihr in Bewegung gesetzten Maschinerie verteilen sich also über das Tagesprodukt von 450 Mulespindeln oder von 200 Throstlespindeln oder von 15 mechanischen Webstühlen, so daß hierdurch auf eine Unze Garn oder eine Elle Geweb nur ein winziger Wertteil übertragen wird. Ebenso im obigen Beispiel mit dem Dampfhammer. Da sich sein täglicher Verschleiß, Kohlenverbrauch usw. auf die furchtbaren Eisenmassen verteilen, die er täglich hämmert, hängt sich jedem Zentner Eisen nur ein geringer Wertteil an, der sehr groß wäre, sollte das zyklopische Instrument kleine Nägel eintreiben.

Schon bei der Betrachtung der Kooperation und Manufaktur ergab sich, daß gewisse allgemeine Produktionserfordernisse, wie Baulichkeiten usw., durch den gemeinsamen Verbrauch sparsamer vernutzt werden, daher das Produkt weniger verteuern. Dies steigert sich bei der Maschinerie, denn hier wird nicht nur eine Arbeitsmaschine von ihren vielen Werkzeugen, sondern dieselbe Bewegungsmaschine nebst einem Teil des Transmissionsapparates von vielen Arbeitsmaschinen gemeinsam verbraucht.

Wieviel Wert die Maschinerie insgesamt auf das Produkt übertragen kann, hängt natürlich davon ab, wieviel Wert sie selbst hat. Je weniger Arbeit sie selbst enthält, desto weniger Wert setzt sie dem Produkt zu. Je weniger Wert sie abgibt, desto produktiver ist sie und desto mehr nähert sich ihr Dienst dem kostenlosen Dienst der Naturkräfte.

Es ist klar, daß die Gesamtsumme der zur Produktion einer Ware erheischten Arbeit nicht vermindert (oder die Produktivkraft der Arbeit nicht vermehrt) wird, wenn die Produktion einer Maschine so viel Arbeit kostet, wie ihre Anwendung erspart. Die Differenz jedoch zwischen der Arbeit, die sie kostet, und der Arbeit, die sie erspart, hängt offenbar nicht ab von der Differenz zwischen ihrem eigenen Wert und dem Wert des von ihr ersetzten Werkzeugs. Die Differenz dauert so lange, als die Arbeitskosten der Maschine (und daher der von ihr dem Produkt zugesetzte Wertteil) kleiner bleiben als der Wert, den der Arbeiter mit seinem Werkzeug dem Arbeitsgegenstand zusetzen würde. Die Produktivität der Maschine mißt sich daher an dem Grad, worin sie menschliche Arbeitskraft ersetzt.

Jedoch darf die Arbeit, welche die Maschine erspart, nicht verwechselt werden mit dem Arbeitslohn. Gesetzt, eine Maschine verdränge 150 Arbeiter und koste selbst ebensoviel wie der Jahreslohn dieser 150 Arbeiter, z. B. 60000 M. Nun sind aber die 60000 M keineswegs der Geldausdruck der von den 150 Arbeitern gelieferten und dem Arbeitsgegenstand zugesetzten Arbeit, sondern nur desjenigen Teils ihrer Jahresarbeit, der für sie selbst zu Arbeitslohn wird. Sie erhielten das Jahr über 60000 M Lohn, aber sie lieferten dafür einen größeren Wert als 60000 M. Kostet nun die Maschine ebenfalls 60000 M, worin alle während ihrer Produktion aufgewandte Arbeit enthalten ist, gleichgültig, wie diese Arbeit sich in Lohn für die Arbeiter und Mehrwert für die Kapitalisten teilte, so ist der Wert der Maschine kleiner als der früher von den 150 Arbeitern erzeugte Wert. Mit anderen Worten: kostet die Maschine ebensoviel wie die von ihr ersetzte Arbeitskraft, so ist die in ihr selbst vergegenständlichte Arbeit stets viel kleiner als die von ihr ersetzte lebendige Arbeit.

Würde es sich nur darum handeln, die Produkte zu verwohlfeilern, so würde sich die Anwendung der Maschine lohnen, solange die Produktion der Maschine weniger Arbeit kostet, als ihre Anwendung Arbeit ersetzt. Veranschaulichen wir uns das durch Zahlen: Im obigen Beispiel bekamen 150 Arbeiter das Jahr 60000 M Lohn und lieferten dafür, sagen wir, für insgesamt 120000 M Arbeit (der Mehrwert betrug 100% ihres Lohns). Solange nun die Herstellung der Maschine, welche die Arbeit der 150 Mann übernimmt, weniger kostet als 120000 M, würde sich ihre Anwendung für die Gesellschaft lohnen, denn sie erspart Arbeit. – So kann aber der Kapitalist nicht rechnen. Für die Arbeit, welche die 150 Mann leisten, zahlt er nur 60000 M; für ihn ist die Maschine daher unanwendbar, sobald sie mehr als 60000 M kostet.35 Nur der wirklich gezahlte Lohn spielt für den Kapitalisten in den Produktionskosten eine Rolle. Dieser Lohn ist für das gleiche Quantum Arbeit in verschiedenen Ländern verschieden; auch wechselt er, indem er bald unter den Wert der Arbeitskraft sinkt, bald über ihn steigt. Es werden daher heute Maschinen in England erfunden, die nur in Nordamerika angewandt werden, wie Deutschland im 16. und 17. Jahrhundert Maschinen erfand, die nur Holland anwandte und wie manche französische Erfindung des 18. Jahrhunderts nur in England ausgebeutet ward. In älter entwickelten Ländern bewirkt die Maschine selbst durch ihre Anwendung in einigen Geschäftszweigen ein solches Überangebot von Arbeitskräften in anderen, daß hier der Lohn unter den Wert der Arbeitskraft sinkt und so den Gebrauch der Maschine verhindert. In einigen Zweigen der englischen Wollmanufaktur ist während der letzten Jahre die Kinderarbeit sehr vermindert, hier und da fast verdrängt worden. Warum? Das Fabrikgesetz ernötigte eine doppelte Schicht Kinder, von denen je eine 6, die andere 4 Stunden oder jede nur 5 Stunden arbeitet. Die Eltern wollten aber die „Halbzeitler“ nicht wohlfeiler verkaufen als früher die „Vollzeitler“. Daher Ersetzung der Halbzeitler durch Maschinerie. Vor dem Verbot der Arbeit von Weibern und Kindern (unter 10 Jahren) in Bergwerken unter Tage fand das Kapital die Methode, nackte Weiber und Mädchen, oft mit Männern zusammengebunden, in Kohlen- und anderen Gruben zu vernutzen, so übereinstimmend mit seinem Moralkodex und namentlich auch seinem Hauptbuch, daß es erst nach dem Verbot zur Maschinerie griff. Die Yankees haben Maschinen zum Steinklopfcn erfunden. Die Engländer wenden sie nicht an, weil der „Elende“ (wretch == Elender ist Fachausdruck der englischen politischen Ökonomie für den Landarbeiter), der diese Arbeit verrichtet, einen so geringen Teil seiner Arbeit bezahlt erhält, daß Maschinerie die Produktion für den Kapitalisten verteuern würde. In England werden gelegentlich statt der Pferde immer noch (1863) Weiber zum Ziehen usw. bei den Kanalbooten verwandt, weil die zur Produktion von Pferden und Maschinen erheischte Arbeit ein mathematisch gegebenes Quantum ist, die zur Erhaltung von Weibern der Überbevölkerung dagegen unter aller Berechnung steht. Man findet daher nirgendwo schamlosere Verschwendung von Menschenkraft für Lumpereien als gerade in England, dem Land der Maschinen.

[Fortsetzung folgt]


  1. Siehe „Zimmerwalder Linke: Vorschlag der Resolution und des Manifestes“, 5. September 1915, nach: Horst Lademacher (Hrsg.): Die Zimmerwalder Bewegung. I. Protokolle, Den Haag/Paris, 1967, S. 117–126.

  2. Abgedruckt in Ergebnisse & Perspektiven, Nr. 1, Januar 2020.

  3. ganz am Schluß des Abschnittes, in der „Volksausgabe“ S. 330. [In Marx/Engels, Werke, Bd. 23, S. 407 – E&P.]

  4. In Marx/Engels, Werke, Bd. 24, S. 83 – E&P.

  5. In der neuen Bearbeitung von 1931 vergleiche man hierzu auch die Stelle in Kapitel 25 (Krisen), die ich dort im Text von mir geändert, in der Anmerkung im Originalwortlaut von Marx gegeben habe.

  6. Bd. III, 1. Teil, Abschnitt 1 [Marx/Engels, Werke, Bd. 25, S. 33–150 – E&P] und 2 [a.a.O., S. 151–220 – E&P]; dazu Bd. III, 2. Teil, S. 356–358 und 398–402. [Der 2. Teil beginnt a.a.O., S. 481 – E&P.]

  7. Bd. III, 1. Teil, Abschnitt 1 [Marx/Engels, Werke, Bd. 25, S. 33–150 – E&P] und 2 [a.a.O., S. 151–220 – E&P]; Bd. I, Kapitel 4, Nr. 2 [a.a.O., Bd. 23, S. 170–181 – E&P].

  8. Bd. I, Kapitel 1 [Marx/Engels, Werke, Bd. 23, S. 49–98 – E&P] und 2 [a.a.O., S. 99-108 – E&P].

  9. Karl Marx, „Zur Kritik der politischen Ökonomie“, Berlin, 1859. Neue Ausgabe, Stuttgart, 1897, S. 5. [In Marx/Engels, Werke, Bd. 13, S. 18 – E&P.]

  10. Bd. I, Kapitel 4, Nr. 3 [Marx/Engels, Werke, Bd. 23, S. 181–191 – E&P].

  11. Es wird gebeten, dies recht aufmerksam zu lesen. Herr Dr. juris Friedrich Kleinwächter, k.k. österr. Hofrat und Professor der Staatswissenschaften an der Franz-Josefs-Universität zu Czernowitz, hat dies so verstanden, daß Marx behauptet, der Arbeiter produziere in etwa 6 Stunden das, was er zur Fristung seines Lebens braucht! (Siehe des Herrn Professors „Lehrbuch der Nationalökonomie“, S. 153). J. B.

  12. Bd. I, Kapitel 5 [Marx/Engels, Werke, Bd. 23, S. 192–213 – E&P].

  13. Die Zahlen sind hier ganz willkürlich.

  14. Der Unterschied zwischen höherer und einfacherer, qualifizierter und unqualifizierter Arbeit beruht zum Teil auf bloßen Illusionen oder wenigstens auf Unterschieden, die längst aufgehört haben, wirklich vorhanden zu sein und nur noch in herkömmlicher Einbildung fortleben; zum Teil auf der hilfloseren Lage gewisser Schichten der Arbeiterklasse, die ihnen minder als anderen erlaubt, den Wert ihrer Arbeitskraft zu ertrotzen. Zufällige Umstände spielen dabei eine so große Rolle, daß dieselben Arbeitsarten den Platz wechseln. Wo z. B. die körperliche Kraft der Arbeiterklasse abgeschwächt und relativ erschöpft ist, wie in allen Ländern entwickelter kapitalistischer Produktion, verkehren sich im allgemeinen wenig komplizierte Arbeiten, die viel Muskelkraft erfordern, in höhere gegenüber viel feineren Arbeiten, die auf die Stufe einfacher Arbeit herabsinken, wie z. B. die Arbeit eines Maurers in England eine viel höhere Stufe einnimmt als die eines Damastwirkers. Auf der anderen Seite figuriert die Arbeit eines Baumwollsamtscherers, obgleich sie viel körperliche Anstrengung kostet und obendrein sehr ungesund ist, als einfache Arbeit. Übrigens muß man sich nicht einbilden, daß die sogenannte qualifizierte Arbeit einen bedeutenden Umfang in der Arbeit einer Nation einnimmt. Laing rechnet, daß in England und Wales die Existenz von 11 Millionen auf einfacher Arbeit beruht. Nach Abzug einer Million Aristokraten und einer anderen Million Armenhäusler, Vagabunden, Verbrecher, Prostituierte usw. von den 18 Millionen der Bevölkerungszahl zur Zeit seiner Schrift bleiben 4 Millionen Mittelklasse mit Einschluß kleinerer Rentner, Beamten, Schriftsteller, Künstler, Schulmeister usw. Um diese 4 Millionen herauszubekommen zählt er zum arbeitenden Teil der Mittelklasse, außer Bankiers usw., alle besserbezahlten „Fabrikarbeiter“! Auch die Maurer fehlen nicht unter den qualifizierten Arbeitern. Bleiben ihm dann die besagten 11 Millionen. (S. Laing, „Das Elend der Nation“ usw., London 1844.) „Die große Klasse, die für ihren Lebensunterhalt nichts zu bieten hat als gewöhnliche Arbeit, bildet die große Masse des Volkes.“ (James Mill in Artikel „Colony“, Nachtrag zur Britischen Enzyklopädie, 1831.)

  15. Bd. I, Kapitel 6–7 [Marx/Engels, Werke, Bd. 23, S. 214–225 und S. 226–244 – E&P]; Bd. III, 1. Teil, Kapitel 8–10 [Marx/Engels, Werke, Bd. 25, S. 151–163, S. 164–181 und S. 182–209 – E&P]; Bd. II, Kapitel 8 [Marx/Engels, Werke, Bd. 24, S. 158–182 – E&P].

  16. Von hier ab Bd. III, I. Teil, Kapitel I [Marx/Engels, Werke, Bd. 25, S. 33–50 – E&P].

  17. Fälschlich als „fixieren“ gedruckt – E&P.

  18. Die Zahlen sind alle nur beispielsweise gewählt; es können ebensogut 1180 Millionen M sein.

  19. Bd. III, 1. Teil, Kapitel 9 [Marx/Engels, Werke, Bd. 25, S. 164–181 – E&P].

  20. So wollen wir die Preise nennen, die herauskommen, wenn auf den Kostpreis des Kapitalisten der Durchschnittsprofit aufgeschlagen wird.

  21. In Wirklichkeit muß der Preis der Jacken natürlich viel höher sein. Wir haben nur denjenigen Teil des Kapitals in Betracht gezogen, der für den Ankauf der Leinwand erheischt ist.

  22. Bd. I, Kapitel 8 [Marx/Engels, Werke, Bd. 23, S. 245–320 – E&P], 9 [a.a.O., S. 321–330 – E&P], 10 [a.a.O., S. 331–340 – E&P].

  23. Bd. I, Kapitel 11 [Marx/Engels, Werke, Bd. 23, S. 341–355 – E&P]

  24. Bd. I, Kapitel 12 [Marx/Engels, Werke, Bd. 23, S. 356–390 – E&P]

  25. „Historischer und beschreibender Bericht von Britisch-Indien.“ Von Hugh Murray, James Wilson usw. Edinburg 1832, Bd. II, S. 449. Der indische Webstuhl ist hochschäftig, d. h. die Kette ist senkrecht aufgespannt.

  26. Darwin bemerkt in seinem epochemachenden Werk über „Die Entstehung der Arten“ mit Bezug auf die natürlichen Organe der Pflanzen und Tiere: „Solange ein und dasselbe Organ verschiedene Arbeiten zu verrichten hat, läßt sich ein Grund für eine Veränderlichkeit vielleicht darin finden, daß natürliche Züchtung jede kleine Abweichung der Form weniger sorgfältig erhält oder unterdrückt, als wenn dasselbe Organ nur zu einem besonderen Zwecke allein bestimmt wäre. So mögen Messer, welche allerlei Dinge zu schneiden bestimmt sind, im ganzen so ziemlich von einerlei Form sein, während ein nur zu einerlei Gebrauch bestimmtes Werkzeug für jeden anderen Gebrauch auch eine andere Form haben muß.“

  27. Genf hat im Jahre 1854 80000 Uhren produziert, noch nicht 15\frac{1}{5} der Uhrenproduklion des Kantons Neuenburg. Chaux-de-Fonds, das man als eine einzige Uhrenmanufaklur betrachten kann, liefert allein jährlich doppelt so viel wie Genf. Von 1850 bis 1861 lieferte Genf 750000 Uhren. Wenn die Zusammenhanglosigkeit der Prozesse, worin die Produktion nur zusammengesetzter Machwerke zerfällt, an und für sich die Verwandlung solcher Manufakturen in den Maschinenbetrieb der großen Industrie sehr erschwert, kommen bei der Uhr noch zwei andere Hindernisse hinzu: die Kleinheit und Zartheit ihrer Teile und ihr Luxuscharakter, daher ihre verschiedene Ausführung, so daß z. B. in den besten Londoner Häusern das ganze Jahr hindurch kaum ein Dutzend Uhren gemacht wird, die sich ähnlich sehen. Die Uhrenfabrik von Vacheron & Constantin, die mit Erfolg Maschinerie anwendet, liefert auch höchstens 3–4 verschiedeae Sorten von Größe und Form.

  28. In der Uhrmacherei, diesem klassischen Beispiel derjenigen Manufaktur, die selbständige Teilprodukte zusammensetzt, kann man sehr genau die obenerwähnte, aus der Zersetzung der handwerksmäßigen Tätigkeit entspringende Differenzierung und Spezialisierung der Werkzeuge studieren.

  29. Die ganze Entwicklungsgeschichte der Maschinerie läßt sich verfolgen an der Geschichte der Getreidemühlen. Die Fabrik heißt im Englischen immer noch mill (Mühle). In deutschen technischen Schriften aus den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunders findet man noch den Ausdruck Mühle nicht nur für alle mit Naturkräften getriebene Maschinerie, sondern selbst für alle Manufakturen, die maschinenartige Apparate anwenden.

  30. Ein römischer Patrizier. Soll ums Jahr 500 vor unserer Zeitrechnung einen Aufstand der Plebejer gedämpft haben, indem er sie mit den Gliedern eines Körpers verglich, die gegen den Magen rebellieren und sich dadurch selbst zugrunde richten. J. B.

  31. A. Ferguson. Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft. Edinburg 1767.

  32. Der gemütliche Glaube an das Erfindungsgenie, womit der Kapitalist die einzelnen Handgriffe der Arbeitsteilung vorher ersinne, findet sich nur noch bei deutschen Professoren, wie Herrn Roscher z. B., der dem Kapitalisten, aus dessen Jupiterhaupt die Teilung der Arbeit fertig hervorspringe, zum Dank „diverse Arbeitslöhne“ widmet. Die größere oder geringere Anwendung der Teilung der Arbeit hängt von der Länge der Börse ab, nicht von der Größe des Genies.

  33. Bd. I, Kapitel 13, Nr. 1–2 [Marx/Engels, Werke, Bd. 23, S. 391–416 – E&P]

  34. (Der Engländer John Stuart Mill lebte 1806–1873.) Mill hätte sagen sollen „irgend eines menschlichen Wesens, das nicht von andrer Leute Arbeit lebt“. Denn die Maschinerie hat unstreitig die Zahl der vornehmen Müßiggänger sehr vermehrt.

  35. In einer kommunistischen Gesellschaft hätte daher die Maschinerie einen ganz anderen Spielraum als in der bürgerlichen Gesellschaft.

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